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22.01.2013

Ein Politiker mit Ecken und Kanten

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Seinen 85. Geburtstag feierte Hanns Hamberger mit Frau Gertraud und Musikerfreunden im Garten seines Hauses im Landsberger Westen.
Bild: Thorsten Jordan

Hanns Hamberger ist tot. Er war Oberbürgermeister zwischen 1970 und 1988

Landsberg „Er war ein Politiker mit Ecken und Kanten. Als direkt, resolut und zielstrebig wird er von langjährigen Weggefährten beschrieben.“ Die beiden Sätze entstammen der Beilage unserer Zeitung zu 850 Jahre Landsberg, die im April vergangenen Jahres erschienen ist. Ein Artikel beschäftigte sich mit Hanns Hamberger, der 18 Jahre lang Oberbürgermeister der Stadt war. Am späten Sonntagabend ist der Politiker mit Ecken und Kanten im Alter von 89 Jahren in seinem Haus im Landsberger Westen gestorben.

Hanns Hamberger ist für viele der Mann, der Landsberg aus dem Dornröschenschlaf erweckt hat. Seine Wohnungsbau- und Wirtschaftspolitik verhalf der Stadt zu neuer Blüte. Kurz nach seiner Wahl im Jahr 1970 erwarb die Stadt nördlich der Iglinger Straße Flächen, auf denen Gewerbe und Industrie angesiedelt werden sollten. Zur Finanzierung verkaufte sie das Elektrizitätswerk. Oberbürgermeister und Stadtrat forcierten den Wohnungsbau. 1971 und 1972 wurde zudem das veraltete Inselbad neu gebaut, sechs Jahre später das Sportzentrum eröffnet, das im Jahr 1980 um eine Eishalle erweitert wurde.

Die umstrittene Gebietsreform im Jahr 1972 veränderte die Stadt nachhaltig. Landsberg vergrößerte sich durch die Eingemeindung von Reisch und Pitzling. Dabei hätte der Landkreis damals auch „Kopf und Kragen“ verlieren können. Denn im Zuge der Reform blieben von ehedem 143 Landkreisen in Bayern lediglich noch 71 übrig – und Landsberg war dabei. Der Kreistag um Landrat Bernhard Müller-Hahl und der Stadtrat unter der Führung von Hanns Hamberger verhinderten das drohende Aus. Landsberg verzichtete auf den Status „Kreisfreie Stadt“ und führt seither das Prädikat „Große Kreisstadt“.

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Politik und Errungenschaften des CSU-Politikers kamen in der Bevölkerung gut an. Bei den Wahlen in den Jahren 1976 und 1982 steigerte er jeweils seinen prozentualen Anteil an den Stimmen. Eitel Sonnenschein herrschte aber nicht. Es gab auch Widerstand aus der Bevölkerung. Bürgerinitiativen richteten sich gegen einen von der Bundeswehr geplanten Schießplatz am Zehnerwald, einen Campingplatz oberhalb des Wildparks und den Einbau eines Kraftwerks am Lechwehr.

Gegen Eli Lilly wehrte sich die Bevölkerung

Große Proteste rief auch Hanns Hambergers Plan hervor, ein Werk des amerikanischen Pharmaunternehmens Eli Lilly im Industriegebiet anzusiedeln. Im Oktober 1973 hatte der Stadtrat beschlossen, Eli Lilly ein Grundstück anzubieten. Doch rasch regte sich in der Bevölkerung massiver Widerstand. Als der Stadtrat im Oktober 1976 im Historischen Rathaus über den Bebauungsplan abstimmte, demonstrierten auf dem Hauptplatz über 3000 Menschen gegen Eli Lilly. Zwei Wochen später gab die Firma das Projekt auf und begründete dies mit stetig steigenden Kosten.

Im Jahr 1988 zog sich Hamberger freiwillig zurück. „Bei meinem Abschied hatten wir ein Rücklagenpolster von 20 Millionen Mark“, sagte er Jahre später unserer Zeitung. Dieses Verdienst gebühre jedoch in erster Linie seinem Kämmerer Heinrich Hausladen. Im Ruhestand widmete sich Hamberger neben seiner Familie seinen sportlichen Hobby (Radfahren, Tennis, Golf), den Sprachen und dem Lesen. Seit Weihnachten verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Hanns Hamberger, der heuer 90 Jahre alt geworden wäre, hinterlässt seine Frau Gertrud, zwei Töchter und einen Sohn sowie sechs Enkelkinder und drei Urenkel.

Beerdigung Die Trauerfeier für Hanns Hamberger ist am Freitag, 25. Januar, um 10 Uhr in der Kirche Zu den Heiligen Engeln. Im Anschluss findet die Beerdigung am Alten Friedhof statt.

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