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Tierrettung

05.05.2012

Ein Rind schwimmt in der Ammer

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Kaum aus der Ammer herausgezogen, versuchte die Kalbin schon wieder zu entkommen und musste von mehreren Leuten festgehalten werden. Mit Stricken gebändigt, wurde sie dann den Damm entlang zum Anhänger geführt.

Feuerwehr holt Kalbin aus dem Fluss. Drei Jungkühe von Gut Kerschlach ausgebüxt. Ein Tier ist noch nicht eingefangen

Fischen „Da schwimmt eine Kuh in der Ammer.“ Mark Satzger wollte zuerst nicht glauben, was ihm Passanten am Donnerstag gegen 16 Uhr auf der Ammerbrücke sagten. Statt auf der geplanten Radtour befand sich der Fischener Feuerwehrmann dann schnell im Einsatz: Tierrettung war angesagt, die Kalbin konnte bei der steilen Böschung das Ufer nicht erklimmen.

Begonnen hatte alles schon viel früher auf Gut Kerschlach. Wie der Betriebsleiter Rainer Herrmann dem LT sagte, seien die 13 bis 14 Monate alten Tiere das erste Mal nach der winterlichen Stallhaltung auf die Jungviehweide gekommen. Die drei Kalbinnen, die bisher nur mit den Müttern draußen waren, sprangen offensichtlich erschreckt über den Zaun. „Es sind Tiere aus einer Mutterkuhhaltung, das ist nicht mit Milchvieh zu vergleichen“, erläutert Herrmann. Das heißt, die Kälber werden auf der Weide geboren und trinken an der Mutterkuh. Menschliche Berührungen sind sie kaum gewohnt.

Tiere gehören einer sehr seltenen Rasse an

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So ließen die entsprungenen Kalbinnen auch niemand nahe an sich heran, wie auch die Polizei berichtet, die um 12.30 Uhr die Meldung bekam, dass Rinder im Bereich der Hirschbergalm unterwegs seien. Auch Betriebsleiter Herrmann bekam immer wieder von Landwirten Bescheid, wo die Tiere gesehen worden waren. Die Bauern wussten, dass die Tiere nach Kerschlach gehören, denn es handelt sich um eine seltene, extrem gefährdete Haustierrasse: Es sind Murnau-Werdenfelser Rinder mit dunkler Fellfärbung.

Zwei Tiere sprangen in die Ammer, eines schwamm hindurch, kam von alleine wieder heraus und konnte vom Tierarzt erst kurz vor der Bahnlinie Raisting-Dießen mit einem Betäubungsschuss sediert werden. Dem zweiten Rind gelang es nicht, die steile Böschung zu erklimmen, was die Feuerwehren aus Fischen und Dießen zur Tierrettung auf den Plan rief. In Dießen ging zuerst die Meldung ein, eine Kuh schwimme im Ammersee, woraufhin das Fahrzeug mit der Rettungsleiter nach Aidenried fuhr, um den See zu sichten. Die Kalbin schwamm aber noch in der Ammer. Während die Feuerwehrmänner aus Fischen und Mitarbeiter des Gutes auf beiden Seiten des Ammerdammes versuchten, das Tier zu sichern, kamen die Dießener mit zwei Feuerwehrbooten vom See her.

Auf dem Ammerdamm bis zum Viehtransporter

Betriebsleiter Herrmann gelang es dann, vom Boot aus das Tier mit einem Seil an den Hörnern zu fixieren, es wurde an einer seichteren Stelle auf die Ostseite des Ammerdamms gezogen. Mehrere Leute mussten die Kalbin halten, da sie immer noch versuchte, zu entkommen und mit ihrem Gewicht von rund 250 Kilogramm und ihrer Angst einige Kraft aufbot. Es galt dann die Kalbin noch vielleicht einen Kilometer auf dem schmalen Pfad entlang der Ammer gen Norden zu führen, bis zu einer Stelle, die breit genug ist, um dort mit dem Viehanhänger hinzugelangen. Das erschöpfte Tier ließ sich immer wieder fallen und musste mühsam weiterbewegt werden. Gegen 18.45 Uhr war die Ausreißerin dann verladen.

Noch nicht gefunden werden konnte das dritte Rind. Problematisch könnte es nach Ansicht der Polizei sein, wenn es in ein Auto läuft. Menschen wird es nach Ansicht von Rainer Herrmann ansonsten nicht gefährlich, dazu sei es viel zu scheu. „Ich hoffe, dass nichts passiert mit einem Auto.“ Und Herrmann hofft auch darauf, dass er Meldung bekommt, wenn jemand die freilaufende Kalbin gesehen hat.

Hinweise über den Aufenthalt des freilaufenden Rindes an Rainer Herrmann unter Telefon: 0162/9090295 oder an die Polizei.

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