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13.10.2014

Ein „Rotlichtviertel“ verschwindet

Sonnenuntergang beim Sender.
Bild: Hans-Peter Müller

Sendeanlage Wertachtal wird rückgebaut. Ihre Lichter sind auch im Landkreis zu sehen

Die roten Lichter sind vielen Autofahrern aus dem Landkreis Landsberg vielleicht schon einmal aufgefallen, wenn sie nachts auf der Autobahn Richtung Buchloe unterwegs waren. Auch am Tag ist die Sendeanlage Wertachtal mit ihren bis zu 125 Meter hohen Masten zu sehen. Sie prägt die Silhouette von Ettringen, Amberg, Gennach und Langerringen und sorgt seit 44 Jahren für Gesprächsstoff. Jetzt sollen die rot-weißen Kolosse bis zum Jahresende verschwinden.

Die Sendeanlage startete 1972 gleich mit einem großen Auftrag: Sie strahlte während der Olympischen Sommerspiele die ARD-Olympiawelle aus. Über ihre anderen Sender übertrug sie ausländische Programme. Die Geschichten rund um die Anlage werden den Menschen in den benachbarten Orten in den Landkreisen Unter- und Ostallgäu in den Köpfen bleiben. Die Einheimischen erzählen von schädlicher Strahlung, manche behaupten sogar, die Anlage habe starke Gewitter abgehalten. Klaus Hager hält diese Theorie für einen Mythos. Er war viele Jahre Chefmeteorologe der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst am Lechfeld. „Auf den Radarbildern ist nichts zu erkennen“, sagt er. Er habe nicht den Eindruck, dass Blitze und Wolken einen Bogen rund um das Gebiet gemacht hätten. Im Papierwerk Ettringen sollen immer wieder merkwürdige Pannen an den Maschinen entstanden sein.

Piloten der Bundeswehr, die vom Lechfeld aus starteten oder dort landeten, hätten lange Zeit einen großen Abstand zur Sendeanlage halten müssen, weil die Elektronik ihrer Tornado-Flugzeuge empfindlich auf die Strahlungen reagierte. Mit den neuen Modellen, den Eurofightern, soll sich das Problem laut Bundeswehr erledigt haben. Ein Autohersteller machte sich die Strahlen hingegen zunutze. Er testete in den 1980er-Jahren rund um die Anlage die Störanfälligkeit der Elektronik in seinen Autos.

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Inzwischen sendet die Anlage keine Funkwellen mehr – sie ist seit dem 1. April 2013 außer Betrieb. Bis Ende dieses Jahres soll sie nun verschwinden. Die Anlage ist zu teuer, sagt der Betreiber. Arbeiter demontieren deswegen die rund 70 Antennen-Netze und 30 Türme – mit ihnen verschwinden auch die vielen roten Markierungslichter an den Masten, die bis in den Westen des Landkreises Landsberg zu sehen sind. „Schwabens größtes Rotlichtviertel“, werden sie auch genannt.

Die Bürgerinitiative „Gesundes Wertachtal“, die sich 2008 gegründet hatte, um das Heizkraftwerk der Firma UPM in Ettringen zu verhindern, ist wegen der Abbauarbeiten erneut aktiv geworden. Sie will für einen ordentlichen Abbau der Antennentürme und Kabelschächte sorgen. Denn im Laufe der Zeit hätten sich dort schützenswerte Biotope entwickelt. Wie das weiträumige Gelände künftig genutzt wird, ist noch ungewiss.

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