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Eresing

05.10.2017

Ein Spaziergang durch die Eresinger Historie

Auch das Kriegerdenkmal, die Kirche St.Ulrich und das Pfarrhaus schauten sich die Teilnehmer beim Rundgang durch Eresing an.
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Auch das Kriegerdenkmal, die Kirche St.Ulrich und das Pfarrhaus schauten sich die Teilnehmer beim Rundgang durch Eresing an.
Bild: Thorsten Jordan

Zur 950-Jahr-Feier des Ortes wurde wieder zu einer geschichtlichen Exkursion eingeladen. Albert Kerler erklärt, warum das Jubiläum nichts mit dem wirklichen Alter der Ansiedlung zu tun hat.

Mit zwei Führern unterwegs zu sein durch den eigenen Ort, dazu hatten die Eresinger jetzt Gelegenheit: Im Rahmen der Veranstaltungen zu 950 Jahre Eresing fand ein Dorfrundgang statt. Zeitweise bis zu 50 Eresinger Bürger folgten den Ausführungen von Albert Kerler und Barbara Martiny. Kerler ist seit 43 Jahren hier wohnhaft und Martiny seit 26 Jahren Eresingerin.

„Das Jubiläum, das wir heuer feiern, basiert nur auf der ersten urkundlichen Erwähnung“, Eresing sei in Wirklichkeit aber weit mehr als 1500 Jahre alt, erklärte Kerler beim Grundstück des ehemaligen Bürgermeisters Alois Höß, der ersten von zehn Stationen. Ein am südöstlichen Ortsrand entdecktes Reihengräberfeld aus der Merowingerzeit zeuge von einer dauerhaften Besiedelung. Dass erst vor 30 Jahren eine römische Münze in der Nähe der Ulrichskapelle gefunden wurde, beweise zudem, dass hier auch eine Römerstraße, die „Brennerstraße“ vorbeiführte.

Als die Baiern kamen

Um 550 nach Christus seien die Baiern gekommen und mit ihnen eine Reihe von Adelsgeschlechtern. Eresing wurde zur Hofmark, die Ortsherren bauten sich ein Schloss dort, wo heute das Höß-Haus steht. Die Bodenverwerfungen und der Wassergraben um das Grundstück künden noch von der Burg, die um 1750 abgebrochen wurde. Um 1600 habe der Münchner Kaufmann Franz Füll die Hofmark gekauft, dazu den Riedhof und Windach.

Nach der Gründung des Königreichs Bayern wurde Eresing 1808 zur Steuergemeinde. 1819 wurde das 1904 in St. Ottilien umbenannte Gut Emming eingegliedert, 1978 kam Pflaumdorf dazu. Mit dem Anschluss des Ortes an elektrische Leitungen (1913) begann auch in Eresing eine neue Zeit. Eine erste zentrale Wasserversorgung wurde 1956 gebaut, der Abwasserkanal war 1992 fertiggestellt. „Die Eresinger Straßen wurden erst in den 1960er-Jahren asphaltiert“, berichtete Kerler. „Und mittlerweile haben wir auch Glasfaser und ein Gasnetz.“

Vom Höß-Anwesen führte der Rundgang zum Ortskern mit Kriegerdenkmal, der 1758 vom damaligen Riedhofbauern gestifteten Mariensäule, Pfarrkirche und Pfarrhof. Zentrum des Dorfes sei die Kirche, ursprünglich im 15. Jahrhundert im spätgotischen Stil erbaut. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg seien Kirchen barockisiert worden. Den Pfarrhof in seiner heutigen Form, Residenz „mächtiger Pfarrherren“, hat Johann Schmuzer 1699 gebaut.

Wo ein Heiliger gerastet hat

Die Verehrung des Bischofs Ulrich, dessen Namenstag auch heute noch jedes Jahr groß gefeiert wird, geht laut Kerler auf eine Legende zurück. Dort, wo die 1618 von Franz von Füll gebaute Ulrichskapelle steht, soll der Heilige gerastet haben, und es sei eine Quelle entsprungen. Diese wurde Mitte des 17. Jahrhunderts in einem Brunnenhaus gefasst, die von Beginn an in die Kapelle integrierte Klause sei bis 1968 bewohnt gewesen.

Beim Anwesen Widemann, dessen Hofname „Rauschmair“ auf die Eigentümer im 17. und 18. Jahrhundert zurückgeht, ging Kerler auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft ein. So seien 1945 noch 59 Betriebe aktiv gewesen, 1977 waren es nur noch 30 Landwirte. „Und heute haben wir drei aktive Betriebe im Ort, dazu vier Aussiedlerhöfe und den Riedhof.“ Die Raiffeisenbank gegenüber vom Rauschmair „ist die älteste solche Einrichtung im Landkreis“.

Der „Alte Wirt“ sei 1636 als Tafernwirtschaft erstmals erwähnt worden. In der Folge erlebte das Wirtshaus Brand, Neubau und etliche Besitzer. 1991 erwarb die Gemeinde das Gebäude, renovierte es und schloss das Dorfgemeinschaftshaus an. Im Stadel des Alten Wirts sei auf Initiative von Susanne Bühler die erste, noch private Wertstoffsammelstelle im Landkreis betrieben worden. Der „Holliwirt“ – der Name geht auf einen früheren Eigentümer zurück – heute Gasthof und Hotel Wiedmann, wurde 1605 erstmals erwähnt.

Der Feuerteufel war am Werk

Nächste Station war erneut eine Ansammlung von verschiedenen dörflichen Einrichtungen. Beim 1974 gebauten Feuerwehrhaus erfuhren die Teilnehmer des Dorfspaziergangs vom Feuerteufel, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Eresing wütete. Mehr als 20 Häuser, damals noch aus Holz gebaut und strohgedeckt, seien Brandstiftungen zum Opfer gefallen.

Für die 1909 gebaute Schule war das Geburtshaus von Kaspar Ett, des wohl berühmtesten Eresingers, der Komponist und Hoforganist an der Michaelskirche in München war, abgebrochen worden. Bereits 1623 habe in Eresing Unterricht stattgefunden, zunächst im Mesnerstüberl bei der Kirche, später in einem Bau beim heutigen Weis-Anwesen in der Kirchstraße.

Die Tattenseestraße verweist auf ein Gewässer, welches bis Ende der 1960er-Jahre zum Baden diente. Der See wurde zugeschüttet. Verschwunden ist auch der Emminger Weiher. Das Gewässer südlich des neuen S-Bahn-Parkplatzes wurde 1918 vom Kloster trockengelegt.

Gewerbe war auch lang vor der Entstehung des Gewerbegebiets ansässig. Allerdings haben die Besitzer der verschiedenen Gewerbeanwesen häufig gewechselt. In der Kirchstraße seien unter anderem Glaserei, Kramerladen, Schreinerei, Weinhandel und eine Teppichweberei betrieben worden. Alte Hausnamen künden von vielen Berufen. Die am längsten und auch heute noch in Eresing ansässige Familie? „Ich habe da nur die Familie Loy gefunden, die 1760 in den Ort gekommen ist.“

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