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Stadttheater

07.12.2013

Ein Theater der Illusion

Unser Theater Schwabhausen im Stadttheater: mit Martin Haberstroh und Ulrike Frank.
Bild: Thorsten Jordan

„Erzähl mir, Bruder, erzähl“ mit dem Schwabhausener Theaterlabor

Landsberg Ja, so könnte es damals gewesen sein, als sich die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm vom Volksmund Märchen, Sagen und Geschichten erzählen ließen. Die einen erzählten, die anderen hörten zu. So zumindest hat das Schwabhausener Theaterlabor „Unser Theater e.V.“ sein Stück „Erzähl mir, Bruder, erzähl“ auf die Bühne des Landsberger Stadttheaters gebracht. Ein paar Leute treffen sich an einem großen Tisch, jeder liefert eine Idee, weiß eine uralte Geschichte.

Der eine hätte gern „Hans im Glück“, der andere liebt es, von Prinzen, Prinzessinnen und deren Schlössern zu erzählen. „Ich hätte aber lieber die Geschichte vom Schneewittchen, oder von der mit den langen Haaren, wie hieß die doch gleich?“

Das sagt eine der beiden Frauen am Tisch. Die andere erklärt: „Ich möchte vom Mädchen Soledad berichten und von dessen Cousin Antonio, der immer so schöne Geschichten erzählen konnte.“ Letztendlich wurde der Abend im nur spärlich besetzten Theatersaal zu einem Gemisch aus vielen märchenhaften Sequenzen, angereichert – und das war das Besondere an „Erzähl, Bruder“, mit Dialogen und Erzählungen in spanischer Sprache.

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Das Stück entpuppte sich als feines Illusionstheater, mit Schauspielern, die mit dem gemeinsam entwickelten und erarbeiteten Stück dem Publikum all ihre Fantasie zu Füßen legten.

Die wohl jedem geläufigen Märchenfiguren aus der Kinderzeit liefen urplötzlich als moderne Menschen über die Bühne und erlebten Höchstaktuelles. Es begann in Kolumbien, bei dem Mädchen Soledad, das vor 15 Jahren seine Heimat verlassen hat, und dessen Geschichte sich anhörte wie die Biografie von Erzählerin Magda Agudelo, der von „Unser Theater“ bekannten, aus Kolumbien stammende Schauspielerin und hervorragenden Harfenistin, die seit Jahren in Augsburg lebt. Soledad hat Träume, aber andere haben die auch. Da gibt es „Hans und Greta“ und das klingt doch schon wieder sehr nach den Brüdern Grimm. Hans (Martin Haberstroh) und Greta (Ulrike Frank) aber sind moderne Menschen, sie verirren sich nicht im Wald, sondern bei ihren Flugreisen um die Welt.

Ein Koffer voller Schuhe

Es gibt imaginäre Begegnungen mit dem Wolf aus Rotkäppchen, einem Rapunzel, das sich allen Ernstes sein langes Haar abschneiden lassen will. Realität und Traum vermischen sich, der Zuschauer ist mittendrin in den realen und geträumten Erlebnissen, die kaum noch auseinanderzuhalten sind. Ein echter Hit ist Otto Novoa, der ganz im Spanischen bleibt, aber so verrückt agiert, dass wohl auch der größte Spanischverweigerer versteht, was auf der Bühne abgeht. Da öffnet der Leiter des Schwabhausener Theaterlabors als Cousin Antonio beispielsweise am Flughafenzoll seinen Koffer voller Schuhe – Aschenputtel lässt grüßen – und zieht eine irre heiße Nummer ab. Der Zollbeamte weiß nicht, wie ihm geschieht, und sieht sich plötzlich wie in einem anderen Film – mit Aschenputtel tanzen.

Ja, und was passierte letztendlich mit Soledad, wie ging es mit ihr weiter? Findet sie Arbeit am Flughafen, schläft sie zwei Mal 100 Jahre? Einige Vorschläge, aber nur einer zählt letztendlich: Sie fliegt heim nach Kolumbien, in ihr Dorf.

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