1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Ein Treffpunkt für die Szene

Kultursalon

04.12.2017

Ein Treffpunkt für die Szene

Gregor Netzer (links) und Peter Wilson luden in den Kultursalon (Foto rechts). Beim Vortrag waren Collagen von Peter Wilson zu sehen.

Gregor Netzer und Peter Wilson wollen Künstler und Kreative aus Landsberg zusammenbringen. Ihre Absicht ist es, wegzukommen vom reinen Small Talk

Es gab eine Zeit, da trafen sich all die Schöngeister, die Künstler, die revolutionär ambitionierten, die Philosophen, kurz: die kulturelle Elite, zum freien Ideen- und Gedankenaustausch in sogenannten Salons. Als Ausdruck einer neuen Geselligkeitskultur waren diese intellektuellen Zirkel vom 18. bis zum 20. Jahrhundert schwer „en vogue“. Frankreich war seinerzeit führend, man denke etwa an die Salons von Gertrude Stein, George Sand oder Madame de Stael. Nach dem Ersten Weltkrieg neigte sich diese Mode dem Ende zu oder ging in einer allgemeinen öffentlichen Unterhaltungskultur auf.

Gerade in Zeiten des Internets und der Globalisierung scheint derzeit eine neue Sehnsucht nach echtem Austausch zu entstehen, und man besinnt sich vielerorts der ehemaligen Salonkultur. Landsberg ist ganz vorne mit dabei: Seit vergangenem Dienstag gibt es den „Landsberger Kultursalon“. „Established“, so steht es auf dem Plakat, also gegründet von Gregor Netzer und Peter Wilson. Beide dürften dem Landsberger Kulturpublikum bestens bekannt sind, Stichworte: Kunstautomat (der eine) und „Landsberger Leute“ beziehungsweise Ellinor Holland Kunstpreis (der andere).

Gut 30 Personen aus vielen Sparten der Landsberger Kultur sitzen im Obergeschoss des Kunst Cafés am Hauptplatz zusammen und warten gespannt auf die Eröffnung des ersten Salons. Die Herren Netzer und Wilson, beide formvollendet mit Hut, erläutern die Ziele des Salons: Kennenlernen, reden, diskutieren, sich austauschen. Gemeinsame Ideen entwickeln und sich gegenseitig unterstützen. „Landsberg hat eine wirklich großartige Kulturszene“, so Netzer, „doch viele Künstler und Kreative sind Einzelkämpfer.“ Der Kultursalon wolle „mehr Miteinander“ ermöglichen. Sechsmal im Jahr, jeden letzten Dienstag in den ungeraden Monaten wird es ein Treffen geben, eingeleitet mit einem kurzen Vortrag.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Peter Wilson startete in die Veranstaltungsreihe mit dem irritierenden Titel „Why I hope my pictures are crap“. „Crap“ wird aus dem Englischen üblicherweise mit Mist, Schrott oder Scheiß übersetzt. Doch Wilson löste die Verwirrung schnell auf: Die Anfangsbuchstaben von „Crap“ stünden für Richtlinien, die jeder Grafik, jeder Fotografie zugrunde liegen. C für Contrast’, R für Repetition (Wiederholung), A für Alignement (Ausrichtung) und P für Placement (Positionierung). Anhand dieser Richtlinien erläutert Peter Wilson seine zweite Leidenschaft, die grafischen Collagen.

Dann: angeregte Gespräche und Austausch von Visitenkarten. Viele gehen früh, die anregenden Unterhaltungen sind, wie so oft, erst spät am Abend. Insgesamt ein erfolgreicher Auftakt, auch wenn das Konzept noch Potenzial nach oben bietet. Oder wie Gregor Netzer es formuliert: „Es freut mich wahnsinnig, dass es endlich losgeht, aber es ist mir generell noch zu viel Small Talk.“ Mehr Tiefe, mehr Einbindung aller, mehr Konkretes, das wünscht er sich, daran werden sie weiter arbeiten. Da bekanntlich die Party immer nur so gut ist wie Gäste, sei an dieser Stelle ein Aufruf gewährt. Ob Literatur, Tanz, Theater oder bildende Kunst, auch Fotografie, Musik, Kulinarik oder Braukunst: Kulturschaffende Landsbergs, es gibt einen neuen, ganz realen Raum. Füllt ihn mit Leben.

Nächstes Treffen des Kultursalons im Kunst Café am Hauptplatz ist Dienstag, 30. Januar, um 19 Uhr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren