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Konzert

11.08.2020

Ein Virtuose an der Orgel

Karol Mossakowski war 2017 bereits für ein Konzert in Landsberg, damals in der Heilig-Engel-Kirche.

Karol Mossakowski ist noch jung, doch in der Musikszene hat er schon jetzt einen guten Namen. In Landsberg zieht er alle Register

Er war schon einmal zu Gast beim Landsberger Orgelsommer. Wegen Sanierungsarbeiten in Mariä Himmelfahrt musste Karol Mossakowski damals aber in die Kirche zu den Heiligen Engeln ausweichen. Nun gab der 30 Jahre alte, vielfach ausgezeichnete und weltweit beschäftigte Solist, Titularorganist an der Kathedrale von Lille und neuerdings auch Professor für Improvisation an der Musikhochschule San Sebastián, kurz, der „Shootingstar der internationalen Orgelszene“, Landsberg erneut die Ehre.

Schon am Vortag der Matinee hatte er lange geprobt und die Klänge für jedes der geplanten Stücke an der Orgel in der Stadtpfarrkirche eingestellt. Dabei zog er vor allem für Felix Mendelssohn Bartholdys Opus 54 buchstäblich alle Register; die 1841 für Klavier komponierten „Variations sérieuses“ nutzte Mossakowski und schuf mit seiner Transkription für Orgel ein vorzüglich ausgearbeitetes Beispiel für die vielfältigen Klangmöglichkeiten des Instruments: Von nasal gefärbt bis transparent schlank, leise zirpend bis fanfarenartig hervorgestoßen, tief wummernd bis silbern tönend untermalte er klanglich, was Mendelssohn in 17 Variationen gegensätzlicher Stimmungen kompositorisch angelegt hatte. Ein Wechselbad der Gefühle, gesteigert in einem furiosen Presto, das nach einer letzten Wendung mit ruhigen Moll-Akkorden endete.

Moll war auch das Tongeschlecht im nun folgenden elegischen Pré-lude von Fréderik Chopin sowie in den eingangs gespielten Adagio und Fuge von Wolfgang Amadeus Mozart – beides ebenfalls Orgeltranskriptionen von Karol Mossakowski. Mit diesem verhalten-nachdenklichen Programm überraschte der junge Franzose ein wenig. Seine Stückauswahl bewegte sich fern aller jugendlichen Unbeschwertheit. Sogar Mozart, sonst beinahe ein Garant für hintersinnig-heiteren Musikgenuss, begegnete dem Publikum in diesem Spätwerk, besonders im Adagio, in düster-gedrückter Stimmung. Und von Chopins Prélude Nr. 4 aus op. 28 ist bekannt, dass es auf Wunsch des Komponisten auf dessen Begräbnis gespielt wurde. Franz Liszts „Mephisto Walzer Nr. 1“ wiederum ließ per se kaum anderes erwarten als einen gelegentlich vielleicht etwas bockbeinig stolpernden Tanz am Rande des Abgrunds. Und diesen bot Mossakowski. Schon mit den ersten Anschlägen war klar: Es liegt Unheil in der Luft. Das bestätigte sich dann auch, je mehr das Stück an Fahrt aufnahm. Für einen Moment schien es, als sei, gebändigt nur durch das virtuose Spiel und die souveräne Beherrschung der Tasten durch den Interpreten, in der Kirche der Teufel los. Höchste Zeit für eine Ode!

„Freude schöner Götterfunken“ – ein weiteres Mal, nach Paolo Oreni und zuletzt Martin Baker, legte auch Karol Mossakowski seiner Improvisation den berühmten vierten Satz aus Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie zugrunde. Doch anders als bei Oreni hatte man nicht das Gefühl, als flögen einem gleich „die Pfeifen um die Ohren“. Mossakowskis Jubel war verhalten, und die Ode klang meist eher wie ein fernes Echo – vielleicht von besseren Zeiten und der heutigen ungewissen durchaus angemessen. (ink)

Das nächste Konzert im Landsberger Orgelsommer am Samstag, 22. August, ab 11.15 Uhr (Einlass ab 10.30 Uhr) spielt Carlos Paterson aus Valencia.

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