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Untermühlhausen/Pestenacker

14.04.2015

Ein Wagen aus der Steinzeit

Damit die Prähistorische Siedlung Pestenacker vor Ort das öffentliche Interesse erhält, plant der Förderverein eine Reihe von notwendigen Maßnahmen. Den Anfang macht die Rekonstruktion eines steinzeitlichen Holzwagens durch Ernst Steckenleiter aus Untermühlhausen (rechts). Karl Dirscherl begleitet die Maßnahme.
Bild: Ludwig Herold

Ernst Steckenleiter aus Untermühlhausen will für die Prähistorische Siedlung in Pestenacker ein historisches Gefährt bauen. Warum das gar nicht so leicht ist.

Damit die Prähistorische Siedlung Pestenackerseit 2011 Unesco-Weltkulturerbestätte – auch vor Ort die verdiente Bedeutung erhält, plant der Förderverein Prähistorische Siedlung Pestenacker eine Reihe von langfristigen Maßnahmen. So hat sich zum Beispiel Mitglied Ernst Steckenleiter aus Untermühlhausen in die Pflicht nehmen lassen, bis zum „Welterbe-Tag“ am Sonntag, 7. Juni, einen steinzeitlichen Wagen nachzubauen.

Die Rekonstruktion des zweiachsigen, lenkbaren Holzwagens aus massivem und damit bleischwerem Eschenholz ist vier Meter lang und 74 Zentimeter hoch. Und gemäß den Grabungsfunden hat das Vorderrad einen Durchmesser von rund einem Meter, das hintere Rad von 74 Zentimetern. Das Problem bei der Herstellung des neolithischen Wagens ist jedoch, dass dafür keine Nägel und Schrauben verwendet werden dürfen. „Denn in der Jungsteinzeit“, so der 83-jährige Schreinermeister, „war das Eisen noch unbekannt.“ Deshalb seine Lösung: „Die Aufdopplung mache ich mit zwei Zentimeter starken Holznägeln.“ Dabei fügt er humorvoll hinzu: „Auf die ruppige Oberfläche der Scheibenräder und Wagenteile muss ich aber verzichten, weil ich kein Steinbeil besitze.“

Wie vor rund 5500 Jahren die ersten rollenden Fahrzeuge ausgesehen haben, weiß der Schriftführer des Fördervereins Karl Dirscherl: „Die bei Ausgrabungen gefundenen Holzreste von Rädern belegen das eindeutig.“ Dort könne man auch erkennen, wie sich das Rad entwickelt habe. So sei die Radachse zunächst viereckig gewesen mit dem Nachteil, dass sich die Achse mit gedreht hat und der Wagen deswegen auch nicht um die Kurve herum gesteuert werden konnte, sondern nur geradeaus.

Die von Steckenleiter im Plan gezeichnete Rekonstruktion entspricht bereits einer Weiterentwicklung. „Das heißt, dieser einsatzfähige Wagen ist bereits kurventauglich.“ Dirscherl richtet seinen Blick bereits in die Zukunft. „Das Besondere an der neolithischen Siedlung Pestenacker ist, dass sie neben der unter Wasser liegenden und damit unzugänglichen Ansiedlung Roseninsel am Starnberger See die einzige prähistorische Behausung in Bayern ist. Die anderen frühzeitlichen Siedlungen liegen in Baden Württemberg, in der Schweiz, in Italien und Kroatien.“ Deshalb sei es das große Anliegen des Fördervereins, öffentlich zu machen, wie wichtig diese Stätte vor Ort für die jetzige und künftige Generationen ist. Weitere Vorhaben seien, so Dirscherl weiter, der Bau eines Kuppelofens sowie die Ausstattung im aktuell restaurierten Steinzeithaus mit Tongefäßen, Körben und Vorräten, damit man eine Vorstellung hat, wie die Ötzis von Pestenacker und Unfriedshausen einst gelebt haben.

Für die Kinder wünscht sich der Verein die Errichtung einer künstlichen Ausgrabungsstelle, um sie für die menschliche Frühgeschichte am Loosbach zu interessieren. Ganz wichtig, so Dirscherl, sei jedoch, dass der Landkreis im Sinne der veröffentlichten Machbarkeitsstudie das Museum ertüchtige (Stromanschluss, sanitäre Einrichtungen) und landkreisweit mit Hinweisschildern für ihren „wieder entdeckten Kulturschatz Pestenacker wirbt“.

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