Newsticker
RKI warnt vor Überschätzung von Selbsttests in der Pandemie-Bekämpfung
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Ein Wirt, der auf sich hält

Landsberg

24.06.2017

Ein Wirt, der auf sich hält

Das Gasthaus der Familie Matheis in der Alte Bergstraße: Mit dem Seniorchef am Ausschank: Karl Matheis.
4 Bilder
Das Gasthaus der Familie Matheis in der Alte Bergstraße: Mit dem Seniorchef am Ausschank: Karl Matheis.
Bild: Julian Leitenstorfer

Hinhören, weghören, Mund halten. Karl Matheis, der Senior im Süßbräu weiß, was wann das Richtige ist.

Zuhörer, Streitschlichter, Tugend- und, - vor allem wenn’s um die „Goaßn“ geht - Jugendwächter, der vierte Schafkopfer, wenn mal wieder einer fehlt, Experte in allen Lebenslagen und Stammtischfragen - was ein gestandener Wirt nicht alles sein muss. Und so ganz „nebenbei“ sollte er natürlich die Bestellungen seiner Gäste samt Sonderwünschen aufnehmen, Auskünfte zu Allergenen in Nahrungsmitteln geben, das Essen servieren und, ganz wichtig, a gscheids Bier zapfen und sauber eingschenkt auf den Tisch bringen. Von wegen „Wer nichts wird, wird Wirt“. Dumme Sprüche wie diesen bekommt der Senior des Süßbräu, ein gelernter Metzger übrigens und passionierter Nebenerwerbslandwirt, normalerweise nicht zu hören.

Wer „zum Matheis rauf“ geht, weiß, was und vor allem wer ihn erwartet - und kommt gerade deswegen. Zufällige Besucher gibt es in dem Traditionswirtshaus am Bayertor eher selten. Dafür mehrere Stammtisch- und Schafkopfrunden, festgebuchte Vereine und - aber längst mehr so viele wie in früheren Jahren - Ackerbauschüler, die jungen Leute „aus der Nachbarschaft“, auf die Karl Matheis ein besonderes Auge hat; denen nämlich haben es besagte Goaßn besonders angetan, „bestimmter Inhaltsstoffe wegen“, sagt Matheis und macht sein verschmitztes Gesicht, für die die meisten der „Burschen allerdings viel zu jung“ seien. Dem müsse man schon mal, quasi an Eltern statt, Einhalt gebieten. Das tue er in aller Freundlichkeit, aber auch Bestimmtheit, denn die Buam sollen ja trotzdem gerne wiederkommen und nicht wie die Kollegen auf ihren Internatsstuben hocken und auf irgendwelchen „Screens herumwischen“.

So weit, so gültig die Beschreibung für die vergangenen zwei Jahrzehnte, seitdem Karl Matheis 1997 das elterliche Wirtshaus übernahm und dafür nach bald zwanzig Jahren aktiver Kommunalpolitik als Vertreter der UBV aus dem Stadtrat ausschied. Damals blieb die „Oma aber immer noch in der Küche“, solange es eben ging, damit der Filius auch mal rauskam auf die Felder oder sich um den Umbau des alten Tanzsaals im Obergeschoss kümmern konnte. Das ist heute nicht anders, nur dass jetzt der „Filius“ und neue Chef im Hause seit Januar 2016, Johannes, seinen Ausgleich nicht beim Pflügen, sondern auf dem Fahrrad findet und der Senior nicht auch schon Opa ist. Doch das könne ja noch werden, zeigt der sich zuversichtlich, auch wenn es noch keine „vertraglich gesicherte“ Schwiegertochter gebe. Die Übernahme der Wirtschaft durch den Sohn, erzählt Karl Matheis, sei auch diesmal mit baulichen Veränderungen verbunden gewesen. „Die gab es hier eigentlich immer“, 1979, als die Landwirtschaft herunterbrannte, und zuletzt in der Küche, in der er und sein Sohn ein halbes Jahr lang „geistig gekocht“ hätten, um „nur ja Baufehler zu vermeiden“. Eine Steckdose fehle vielleicht, doch damit lasse sich leben. Die fehlenden Zier- und Blendsteine an der Fassade des Gebäudes dagegen, die er seinerzeit eigenhändig abgeschlagen habe, bereut Karl Matheis noch heute. „Der ganze Aufwand, nur, um am Ende das Gleiche als Bemalung zu haben“, würde er diese eine Baumaßnahme gerne rückgängig machen. Und verfolgt als „nach wie vor interessierter Bürger“ - „und Landwirt“, fügt er ausdrücklich hinzu, besorgt die Planungen für die anstehenden Großprojekte von Stadt und Landkreis. „Was erst mal weg ist“, weiß er aus eigener Erfahrung, „ist so leicht nicht zu ersetzen.“

Alle Stadtthemen würden, so berichtet er, natürlich auch an den Stammtischen hitzig diskutiert. Da könne es schon mal später werden, und natürlich bekommen die Gäste auch dann noch ein Bier ausgeschenkt, dafür sei man schließlich Wirt. Nur wenn sich die Runde gar nicht auflösen wolle, müsse man „freundlich nachhelfen“. Das Kraut, so der Gastronom, „nehme ich mir schon raus“, denn auch das gelte - zumindest im Süßbräu: „Wann zugesperrt wird, bestimmt“, na klar, „der Wirt.“

Der regelt die Dinge für gewöhnlich im Guten, und ja, stimmt er zu, helfe dabei, dass er einer sei, der „mit de Leit ko“. Hinhören, bestätigt Karl Matheis, gehöre dazu ebenso wie weghören, aber vor allem „Mund halten“ - ein Wirt, der auf sich hält, weiß, was wann das Richtige ist.

Dass sich das Familienleben auch nach der Übergabe für ihn noch immer vor allem in der Küche abspiele und alle wichtigen Gespräche mit seiner Frau Gertraud, Tochter Marion und dem „neuen Chef“ dort stattfinden, „ist eben so“, und, dass sich jemand noch mal auf so ein Leben einlässt, sagt er mit Blick auf seinen Junior, „davor kann man nur den Hut ziehen.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren