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Landsberg

10.05.2018

Ein denkwürdiger Abend

Verleihung des Wolf-Durmashkin-Composition-Awards im Landsberger Stadttheater mit (von links): Otto Wanke, Abe Gurko, Rita Gurko Lerner, Vivian Reisman, Sonia Beker, Bracha Bdil und Rose MIranda Hall.
Bild: Thorsten Jordan

Beim Wolf-Durmashkin-Composition-Award sind drei Komponisten mit Preisen ausgezeichnet worden. Erinnert wurde an ein Konzert von Leonard Bernstein in Landsberg.

Einen denkwürdigen Abend erlebten rund 150 Besucher im Stadttheater bei der Verleihung des Wolf-Durmashkin-Composition-Awards (WDCA). Sie ist Teil der Jüdisch-Deutschen Festwoche, die am Sonntag mit einem Festakt zur 70. Wiederkehr der Gründung des Staates Israel endet.

Erinnerung an Leonard Bernstein

Mit der Erinnerung an ein vom damals 29-jährigen Leonard Bernstein dirigiertes Konzert am 10. Mai 1948 in St. Ottilien und an den jüdischen Musiker Wolf Durmashkin (1914-1944), der im Konzentrationslager Klooga in Estland von den Nazis ermordet wurde, geriet die Verleihung zu einem tiefen Gedenken des Leids, das dem jüdischen Volk im Holocaust widerfahren ist. Bernstein hatte also drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Benediktinerkloster ein Orchester dirigiert, das aus Überlebenden des Holocausts bestand. Zwei Schwestern des litauischen Dirigenten und Komponisten Durmashkin, Henia und Fania Durmashkin nahmen daran teil.

Der gebürtige Israeli, heute in Augsburg lebende Tenor Yoéd Sorek, trug zu Beginn ergreifend das Lied „Stille, Stille“ in Hebräisch und Jiddisch vor. Damit öffnete sich der Kosmos von Musik und Gedenken für das Publikum. Zudem spielte das Jugendsinfonieorchester sowie das Jugendkammerorchester der Städtischen Sing- und Musikschule Landsberg den ersten Satz der ersten Streichersinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy.

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„Das Geschehene nicht vergessen“

Selten ist es wohl in Landsberg gelungen, die jüngere Geschichte des Judentums und der Deutschen so eindringlich und so konkret ins Bewusstsein zu bringen. Die Bedeutung der Lechstadt mit den Außenlagern des Konzentrationslagers Dachau wie auch mit den Displaced Persons (DPs) die nach dem Krieg in der Stadt lebten, wurde damit eindringlich thematisiert. Oberbürgermeister Mathias Neuner sagte, dass „Landsberg zum Schicksalsort im Holocaust geworden ist“. Er rief dazu auf „das Geschehene nicht zu vergessen“. Dass sich dieser Abend tief in das kollektive Gedächtnis der Stadt einprägen wird, darf als das herausragende Verdienst der beiden Landsberger Initiatoren und Organisatoren des WDCA, der Journalistin Karla Schönebeck und dem Gründer der Kunstbaustelle, Wolfgang Hauck, gewertet werden.

Schönebeck und Hauck hatten es geschafft mit Abe Gurko, Vivian Reisman, Rita Lerner sowie Sonia P. Beker einen Neffen und drei Nichten von Wolf Durmashkin für diesen Abend zu gewinnen. Die Gäste reisten aus Israel, USA, Neuseeland und Australien an. Deswegen wurden die Grußworte von den Vortragenden teilweise selbst ins Englische übersetzt, was den internationalen Charakter der Preisverleihung verstärkte. Zudem zeichnete der History Channel von NBC aus New York die Veranstaltung auf.

Ein familiärer Bezug

Mit dem seit 2001 in Wien lebenden Michael Bernstein, einem Neffen von Leonard Bernstein, als Schirmherr des Preisträgerkonzerts, das gestern im Stadttheater gegeben wurde, wurde ein familiärer Bezug zum Dirigenten hergestellt. Obwohl er darauf hinwies, dass sein Deutsch nicht besonders gut sei, richtete Bernstein in nahezu akzentfreier deutscher Sprache seinen Dank an die Initiatoren und die Gäste.

Vor der Übergabe der obeliskähnlichen Figuren an die drei Preisträger, gab es das Cello-Konzert „Kol nidrei“ von Max Bruch. Interpretiert hatte das berühmteste Gebet des jüdischen Volkes Janet Horvath, selbst Tochter eines Überlebenden der Shoah. Einfühlsam begleiteten sie die jungen Musiker der Musikschule unter der Leitung von Birgit Abe. Horvaths Vater, der Cellist George Horvath, spielte beim Konzert des „Ex-Concentration-Camp-Orchestra“ unter Bernstein 1948 n St. Ottilien.

Drei Preisträger

Es folgten die Preisübergaben. Bracha Bdil aus Jerusalem, Jahrgang 1988, erhielt den ersten Preis für ihre Komposition für Horn und Tenor „Hayom“ („Der Tag“ oder auch „heute“) und 3000 Euro Preisgeld. Rose Miranda Hall, Jahrgang 1991, aus York in England den zweiten Preis und 2000 Euro für das Werk „Mein Schatten“ für Tenor, Klarinette und Streichtrio. Der gebürtige Tscheche Otto Wanke bekam den dritten Preis und 1500 Euro. Er schrieb das Stück „Vergiß, wer Du bist“ für Sopran, Akkordeon, Horn Violine und Violoncello.

Zum Schluss des Abends forderte Yoéd Sorek das Publikum im Stadttheater auf, beim Lied „Nimmer schweigen mehr“ mitzumachen. Die Zuschauer erhoben sich von den Stühlen und sangen wie in einem Gebet mit. Das Lied „Yerusalem“, sehnsüchtig vorgetragen von Sorek, beendete die Preisverleihung.

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21.05.2018

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