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Landsberg

23.11.2017

Ein fußballerischer Weltenbummler mit knallharten Prinzipien

In Namibia (Bild) und in Indien war Guido Kandziora bereits in Sachen Fußball unterwegs. Diese Eindrücke, die er dort gewonnen hat, hätten ihn geprägt, sagt der 49-Jährige.
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In Namibia (Bild) und in Indien war Guido Kandziora bereits in Sachen Fußball unterwegs. Diese Eindrücke, die er dort gewonnen hat, hätten ihn geprägt, sagt der 49-Jährige.
Bild: Kandziora

Guido Kandziora hat vor wenigen Wochen das Traineramt beim TSV Landsberg übernommen. Davor war er einige Zeit im Ausland tätig. Was hinter seiner Philosophie steckt.

Aufgewachsen ist er in Köln, seine berufliche Laufbahn bei der Bundeswehr hat ihn nach Kaufbeuren verschlagen, seine sportliche Laufbahn brachte ihn sogar nach Indien und Afrika. Und jetzt? Jetzt hat Guido Kandziora seine Arbeit als neuer Trainer beim TSV Landsberg übernommen. Den direkten Klassenerhalt hat sich der 49-Jährige für die Bayernligafußballer auf die Fahne geschrieben. Und fordert von seinen Jungs, dass sie „in jedem Spiel über ihre Grenzen hinausgehen“. Denn anders sei der momentane Abwärtstrend nicht aufzuhalten.

„Ein bisschen Sein, ein bisschen Schein, ein bisschen Schwein“, beschreibt Kandziora seine Trainertätigkeit mit einem Schmunzeln. Und der Vater einer erwachsenen Tochter weiß, wovon er spricht. Denn anders als viele seiner Trainerkollegen konnte er unter Bedingungen Erfahrungen sammeln, die so nicht oft geboten werden. Zum einen als Nationaltrainer der Nato-Fußballmannschaft während seiner Zeit als Berufssoldat bei der Bundeswehr und dann auf dem „freien“ Fußballmarkt.

Kandziora war – nach seiner Hospitanz bei der TSG Hoffenheim – als Trainer beim TSV Schwabmünchen schon einmal in der Bayernliga tätig – bis ihn eine ganz neue Herausforderung lockte. Als Talentsucher sollte er vor einigen Jahren nach Indien gehen. „Das war eine sehr aufschlussreiche und bewegende Zeit, die ich dort verbracht habe“, erinnert sich Kandziora zurück.

Hunderttausende junge Fußballer nahm er unter die Lupe

Drei Monate verbrachte er in dem für ihn anfangs völlig fremden Land. „Ein tolles Land, das an Gegensätzen kaum zu überbieten ist“, sagt der TSV-Trainer. „Ich war zum Beispiel beim König von Kohlapur zu Besuch und habe dort den unglaublichen Reichtum gesehen. Und auf der anderen Straßenseite schlafen Kinder unter Zeltplanen und leben von nichts.“

Es dürften eine halbe Million Kinder und Jugendliche gewesen sein, die Kandziora im Süden des Landes zusammen mit dem Inder Mehesh Gawli und weiteren Scouts in dieser Zeit gesichtet hat. 300 von ihnen erhielten dann in Mumbai die große Chance, sich für einen der 30 Plätze an der „achtzehn99 Akademie“ in Hoffenheim zu qualifizieren.

Wieder zurück in der Heimat dauerte es nicht lange, bis ihm ein weiteres Angebot ins Haus flatterte. Diesmal sollte es nach Afrika gehen, genauer gesagt nach Namibia. „Ich habe nicht lange gezögert“, erinnert sich Kandziora und fügt an: „Das alles hätte ich aber nie gemacht in der Zeit, als meine Tochter noch klein war.“ Dazu sei er viel zu sehr Familienmensch und sich seiner Verantwortung als Ehemann und Vater bewusst. „Meine Frau trägt das alles zum Glück mit. Sie ist beruflich selbst erfolgreich und versteht mich.“

Er trainiert auch Einstellung und Willen

Und so kam, was kommen musste. Kandziora trat im September vergangenen Jahres seine Reise nach Namibia an – mit den Erfahrungen aus Indien und seinen Trainer-Einsätzen in Deutschland im Gepäck. Auf Einladung des „DTS Youth Football Namibia“ reiste er nach Windhook, um dort neben der Verbesserung der Jugendarbeit auch die Ausbildung von Trainern und Assistenten voranzutreiben.

Geplant war zunächst ein Einsatz für drei Monate. Daraus wurde aber ein ganzes Jahr. Erst vor wenigen Wochen ist er zurückgekehrt, wieder voller Eindrücke, die, wie Kandziora selbst sagt, sein Leben, seine Einstellung und sein Verständnis von Einsatzbereitschaft und Siegeswillen entscheidend geprägt haben.

Das spüren jetzt auch die Spieler des TSV Landsberg. „Den Willen kann man trainieren, wie jeden anderen Muskel auch“, ist der neue Chef-Coach überzeugt. Welches Motto er denn verfolge, um die Mannschaft wieder in sichere Tabellenregionen zu führen? Mit Verständnis, psychologischer Taktik und einer gewissen Portion an Druck wolle er sein Training gestalten – eben mit „ein bisschen Sein, ein bisschen Schein, ein bisschen Schwein“. In vielen Einzelgesprächen, in denen er seine Spieler in die Verantwortung nehme, sollen bis zur Winterpause noch „zehn bis 20 Prozent aus jedem rausgeholt“ werden. Jeder einzelne Spieler müsse sich jetzt beweisen, keiner könne sich sicher sein.

„Es wird ganz sicher Veränderungen geben“, sagt Kandziora, der Inhaber der Trainer A-Lizenz ist. Er antwortet abschließend auf die Frage, wie lange er denn in der Lechstadt als Trainer arbeiten wolle: „Jetzt arbeite ich erst mal bis zum Saisonende, dann wird weiter geschaut.“

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