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Asyl

29.01.2015

Ein ganz besonderer Brief

Mohamad Al Saloum hat sich mit eindrucksvollen Worten beim Arbeitskreis Asyl in Pflugdorf bedankt.
Bild: Frauke Vangierdegom

Mohamad Al Saloum ist aus Syrien geflüchtet. In Pflugdorf wurde er herzlich aufgenommen. Nun will er Danke sagen.

 „Wir wissen nicht, ob wir hierbleiben oder eines Tages wieder gehen müssen. Gott wollte, dass wir Leute wie Engel fanden, die auf uns achten und uns Werte wie Liebe, gute Gesinnung und Frieden übermitteln.

Das Wort Danke kann nicht genug sein und ist zu wenig angesichts all dessen, was Sie für uns getan haben. Man findet in keinem Wörterbuch unserer Sprache ein passendes Wort dafür. Danke an alle.“

Verfasser dieser Zeilen ist der Asylbewerber Mohamad Al Saloum, der seit vier Monaten in Pflugdorf eine vorübergehende Heimat gefunden hat. Zum Jahreswechsel wollte er den Ehrenamtlichen Helfern des „Arbeitskreises Asyl“ seinen Dank aussprechen. „Mir war es ein großes Anliegen, mich bei den Menschen zu bedanken, die mir hier in der Fremde so sehr helfen“, erzählt Mohamad. Er ist 34 Jahre alt und musste seine Frau, seine zwei Söhne, 8 und 10 Jahre alt, sowie sein Töchterchen, 4, in Syrien zurück lassen.Der gelernte Dekorateur und Deckenbauer hat eine wahre Odyssee hinter sich: Libanon, Türkei, Griechenland, Albanien, Montenegro, Serbien, Ungarn, Österreich und schließlich Deutschland sind Stationen seiner Flucht vor dem Krieg in seiner Heimat.

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Zum Glück könne er mit seiner Familie telefonieren und wisse, dass es seinen Liebsten im Augenblick ganz gut geht. „Das kann sich aber sehr schnell ändern“, befürchtet der großgewachsene Mann. Am schlimmsten sei für ihn im Augenblick die quälende Ungewissheit, wie sein Leben und das seiner Familie weiter gehen wird.

Obwohl Mohamad schon seit vier Monaten in Pflugdorf lebt, wartet er noch immer auf „sein Interview“, in dem ihm von den Behörden Fragen zu seiner Situation in der Heimat gestellt werden. Danach werde erst entschieden, ob Mohamad als Asylbewerber anerkannt werde und auch, wie lange diese Anerkennung gilt. Mustafa, ebenfalls aus Syrien nach Deutschland geflohen, der sich das Zimmer mit Mohamad teilt, hat nur eine einjährige Anerkennung bekommen.

„Mustafa darf den Landkreis Landsberg nicht verlassen“, erläutert Rita Selvi, eine der vielen ehrenamtlichen Betreuer in der Gemeinde Pflugdorf. „Er muss seinen Wohnort hier behalten.“ Dabei würde Mustafa gerne arbeiten und in seiner eigenen Wohnung leben. Weil aber die Mieten in Landsberg für ihn zu hoch seien, habe er sich anderweitig umgesehen. „In Augsburg könnte er mit einem jungen Germanistikstudenten zusammen in einer Wohngemeinschaft wohnen“, berichtet Selvi. „Dort wäre es für Mustafa auch viel einfacher, einen Job zu finden.“ In Pflugdorf sei das schier unmöglich. „Ich habe schon etliche Telefonate geführt und wir lassen nichts unversucht, zu helfen“, sagt sie.

Diese selbstlose Hilfe der Ehrenamtlichen sei es gewesen, die ihn dazu veranlasst hatte, sich zu bedanken, erklärt Mohamad. In arabischer Sprache brachte er zu Papier, was ihn bewegt. „Eigentlich sollte ich den Text übersetzen“, meint sein Zimmerkollege Mustafa. „Aber diese Worte konnte und wollte ich mit meinen geringen Deutschkenntnissen nicht übersetzen“, räumt er ein. „Diese Worte sind viel zu bedeutsam.“ Er habe Tränen in den Augen gehabt, als er die Zeilen von Mohamad gelesen hat.

Dieter Dörrstein, ein weiterer ehrenamtlicher Betreuer aus Pflugdorf schickte den Text an eine Bekannte in Tunesien, die Mohamads Worte ins Englische übersetzte und Dörrstein verfasste die Worte dann in deutscher Sprache.

Bereits im vergangenen Jahr bedankten sich die Asylbewerber, die in Pflugdorf eine vorübergehende Heimat gefunden haben, mit einem kleinen Fest bei ihren Betreuern und Helfern und bewirteten ihre Gäste mit Speisen aus der Heimat.

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