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Konzert

19.03.2019

Ein musikalischer Kraftakt

Nik Bärtsch (am Klavier) und seine Formation Ronin bei ihrem Auftritt im Landsberger Stadttheater.
Bild: Thorsten Jordan

Nik Bärtsch und „Ronin“ spielen im Stadttheater. Gerade am Ende brennen sie ein gewaltiges Feuerwerk ab

Es sind genau jene scheinbar nicht enden wollenden Wiederholungen, welche der Musik Nik Bärtschs etwas beinahe Rituelles geben. Diese rhythmischen Patterns und deren unablässige, minimale Verschiebungen, die letztendlich neue Klanghorizonte eröffnen. Diese sparsamen Variationen der Themen auf dem Fundament eines rastlos treibenden Grooves. Komponierte Askese, die von Bärtschs vital agierendem Quartett in den unterschiedlichsten Modulen zusammengesetzt werden. So entsteht ein sich ständig erneuerndes Verhältnis zwischen Aufwand und Wirkung, verschieben sich die kreativen Schnittmengen der Titel immer wieder neu, ohne dass es dem Ergebnis an Spannung oder Leidenschaft fehlt. Nik Bärtschs Formation Ronin im Landsberger Stadttheater – ein optimistischer Kraftakt voll drängender Intensität.

Jeder Ton scheint genau kalkuliert, ist präzis gesetzt, füllt zielgenau den Äther. Musik, wie ein frisch geschnittener Strauch, der erst durch die Redundanz die prachtvollsten Blüten treibt. Jazz in einer der eigenwilligsten Varianten. Weder Swing noch Avantgarde, kein Blues und schon gar nicht Bop. Und doch schwingt von all dem in dieser Musik ein wenig mit, wohlbedacht und intuitiv. Seit zwei Jahrzehnten verfolgt der Schweizer sein Konzept des Zen-Funk oder auch der Ritual Groove Music, wie er selbst seine Kreation nennt. Die Herangehensweise selbst erinnert an eine frühere Aussage von Miles Davis, der meinte, alles Neue im Jazz passiere über den Rhythmus. Und Bärtschs Zen-Funk ist etwas Neues, etwas Ungewöhnliches, bis dato nie Gehörtes. Musik voller Stärke und Sturheit.

Bärtsch hat eine eingeschworene Truppe an seiner Seite. Schlagzeuger Kaspar Rast, dessen knochentrockene Rimshots klingen, als wolle er die Zeit neu takten. Thomy Jordi, der dem Bass seine tiefen Töne, seinen „Bauch“ lässt und der zugleich die peitschende Slap-Technik überzeugend beherrscht. Sha, der an Bassklarinette und Altsaxofon sowohl für hymnische Klangfarben sorgt, als auch mit stotterndem Staccato die Musik komprimiert. Und natürlich der Meister selbst, inspirierend, virtuos, die Dramaturgie perfekt in Szenen setzend.

Und dann wäre da noch ein zweiter Bassist, Björn Meyer. Noch vor einigen Jahren selbst festes Mitglied von Ronin, bis er sich anderen musikalischen Herausforderungen stellte. Der „schwedische Schweizer“ bestritt den ersten Teil des Abends – unbegleitet. Grundlage für diesen selten zu erlebenden Solotrip eines Bassgitarristen ist sein vor eineinhalb Jahren erschienenes Album „Provenance“. Ein Monolog, der eine breite Palette an stilistischen Herausforderungen nutzt, der zwischen Jazz und Ambient charchiert, zwischen Affront und Beseelung und dabei eine wunderbar lyrisch pulsierende Musik schafft. Dass Björn Meyer zum Schluss noch mit Ronin auf der Bühne steht und in völliger Vertrautheit mit der Band ein gewaltiges Feuerwerk abbrennt, macht auch die offene und idealistische Dimension, die diese Musik ausstrahlt, überdeutlich.

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