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Utting

10.09.2017

Ein nasses Jubiläum für die Wasserwacht

Wie läuft ein Rettungseinsatz der Wasserwacht ab? Vor dem Freizeitgelände konnten sich die Besucher ein Bild von einer Übung verschaffen.
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Wie läuft ein Rettungseinsatz der Wasserwacht ab? Vor dem Freizeitgelände konnten sich die Besucher ein Bild von einer Übung verschaffen.
Bild: Thorsten Jordan

Trotz bescheidenen Wetters feiert die Uttinger Ortsgruppe ihren 70. Geburtstag mit einer Einsatzübung. Zwei Gründungsmitglieder werden ausgezeichnet. 

Labrador Tasso zittert vor Aufregung. Er sitzt am Ufer des Ammersees und beobachtet zwei Retter der Wasserwacht Utting, die sich – ausgerüstet mit Neoprenanzügen – für ihren Übungseinsatz bereitmachen. Sein größter Wunsch wäre, mit dabei zu sein. Ganz anders geht es der kleinen Schar Menschen, darunter viele Familien, die sich am Strand des Campingplatzes in Utting eingefunden hat, um zu beobachten, wie Ertrinkende und gekenterte Segler gerettet werden.

„A bisserl Sonne hätt’ scho sein dürfen“, ist der allgemeine Tenor. Zwar ist das geplante Fischerstechen „ins Wasser gefallen“, doch mit den Übungen beginnt die Wasserwacht den Festakt ihrer 70-Jahr-Feier. Mit vier Mann Besatzung und gelb blinkenden Leuchten rückt die 280 PS starke „Bayern“ aus, um einen Schwimmer zu retten, der seine Kräfte überschätzt hat. Das Boot wurde 2010 angeschafft, um vor allem den hohen Wellen in der Herrschinger Bucht zu trotzen. Allerdings verlangt die hohe Bootswand den Rettern viel Muskelkraft bei der Rettung ab, wie Frederik Riedel, stellvertretender Technischer Leiter und Moderator der Übung, betont.

Auf einer Art Schaumstoffliege wird der Patient über Wasser gehalten, der Retter schwimmt mit ihm zurück zum Boot oder kann bei Bedarf eine Leine zum Boot werfen und sich ziehen lassen. So hat er beide Hände frei und ist gesichert. Die erste medizinische Versorgung wird bereits während der Rettung geleistet. Unter den Rettern sind ausgebildete Rettungsassistenten und -sanitäter. Muss ein Notarzt oder gar ein Hubschrauber gerufen werden? Welches Ufer fährt man an, um schnell eine Klinik zu erreichen? Viele Entscheidungen sind zu treffen. „Auf dem Boot ist der Bootsführer Chef, an Land der Notarzt“, erklärt Riedel.

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In diesem Jahr gab es viele Einsätze

Ob Sommer oder Winter – stets steht der Wasserwacht die gleiche Anzahl an Einsatzmitteln zur Verfügung. So kann es im Sommer auch mal länger dauern, bis die Retter eintreffen. 2017 war ein Jahr mit vielen Einsätzen, vielleicht lag es an dem besonders schönen Sommer. Knapp 60 waren es bisher. Und damit liegen die Uttinger vor allen anderen Wasserwachten im Landkreis. Retten und Bergen sind deren Aufgaben. Fälle mit medizinischer Behandlung werden mit den Krankenkassen abgerechnet, für Sachbergungen muss man dagegen selbst in die Tasche greifen. Wobei die Wasserwachtler großzügig sind: Kleine Boote werden auch mal kostenlos wieder aufgerichtet, die Retter sehen das als gute Übung an.

Sind Boote jedoch gestrandet oder vollgelaufen, kann der Einsatz einige Stunden dauern und muss berechnet werden, so Riedel. Nachwuchssorgen haben die Uttinger nicht, das zeigt sich schon am überraschend jungen Vorstand. Viele der ehrenamtlichen Retter arbeiten im Schichtdienst oder sind Studenten. „Deshalb sind wir so ausrückestark“, freut sich Riedel über die positive Entwicklung. Der Student ist selbst ein gutes Beispiel, dass sich Ehrenamt und Jugend nicht ausschließen. Weil er mit neun Jahren noch zu jung für die Feuerwehr war, ging er zur Wasserwacht. Heute ist er aktiv bei beiden Organisationen, wo er die sportliche Herausforderung und die Kameradschaft schätzt. Sogar für sein Studium hat ihm das Ehrenamt Vorteile gebracht: Die Hochschule Augsburg fördert ehrenamtlich tätige Bewerber und zieht sie bei der Studienplatzvergabe vor.

Die Anfangsjahre waren nicht leicht

Dass es bei der Wasserwacht Utting nicht langweilig wird, konnten die Besucher nach den Übungen im Festzelt erleben. Vorsitzender Markus Leiter und die zahlreichen Redner sorgten mit ihren launigen Grußworten für gute Stimmung. Sogar waschechte Hamburger Schiffskapitäne kommen auf dem Ammersee in Seenot und müssen gerettet werden, berichtete Uttings Bürgermeister Josef Lutzenberger von seinen eigenen Erfahrungen. Insbesondere die gute Jugendarbeit wurde von den Rednern lobend erwähnt und finanziell unterstützt.

Dass die Retter sich auch selbst in Gefahr begeben, betonte Marianne Asam vom BRK-Kreisverband Landsberg. Der stellvertretende BRK-Bezirksvorsitzende Hans-Michael Weisky erinnerte daran, dass im Gründungsjahr der Wasserwacht Utting (1947) der kälteste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen geherrscht habe und danach der heißeste Sommer mit vielen Unwetter und Badeunfällen folgte. Die Uttinger hätten da erkannt, dass man etwas tun muss – eine beachtliche Leistung in den von vielen Sorgen geprägten Nachkriegsjahren.

Zwei Gründungsmitglieder und somit Zeitzeugen waren beim Festakt anwesend und wurden für ihre 70-jährige Mitgliedschaft geehrt: Elfriede Nickel, geborene Weber, und Urban Weber. „Wir haben uns über den Dienst gefreut. So konnten wir zum Schwimmen gehen“, berichtete Nickel über die Zeit, als sie noch mit Michel Sirch am Steg gesessen und aufgepasst hat, dass keiner ertrinkt. Für 60 Jahre Mitgliedschaft wurden geehrt: Karl Deisböck, Edmund Mahal, Gottfried Drexl, Willi Ernst, Fritz Kreuzer, Karl Huber und Hans Jörg Schönecker.

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