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14.03.2009

Ein nicht alltägliches Leben als Totengräber

Petzenhausen Dieser Tage hat ein Lechrainer Original seinen 85. Geburtstag gefeiert. Josef Hintermair aus Petzenhausen, bei bester Gesundheit und mit wachem Verstand. Auf dem Hof vom Strasser, so der Hausname, ist er groß geworden und verbringt heute dort seinen Ruhestand.

Er ist ob seiner nicht alltäglichen beruflichen Tätigkeiten im nördlichen Lechrain vielen Mitbürgern ein Begriff. Josef Hintermair war über 40 Jahre als Totengräber und Klauenpfleger in und um Petzenhausen unterwegs. 1951 hat er diese Aufgabe von seinem Vater übernommen. "Rund 1750 Gräber habe ich bis 1994 ausgehoben, alles in Handarbeit", berichtet der letzte Petzenhausener Veteran nicht ohne Stolz, "das ist Grab an Grab gereiht die Strecke von Petzenhausen bis Geretshausen". Zu jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung war Josef Hintermair einsatzbereit. Man mag sich das in unserer technisierten Welt gar nicht mehr vorstellen, ob hochsommerliche Temperaturen oder tief gefrorener Boden, welche Plage das gewesen sein mag. Aber Hintermair erzählt von dieser Zeit, ohne die Mühen in den Vordergrund zu stellen. Er sah seine Tätigkeit als Dienst am Mitmenschen "Man muss sich ja auf die trauernden Familien einstellen, muss ihnen in diesen schweren Tagen beistehen und ihnen Aufgaben abnehmen." Es war nicht nur die bloße handwerkliche Arbeit, die Aufgabe des Totengräbers war viel weiter gefasst.

Viele Aufgaben

Die Toten einbetten, sich um die Sargträger kümmern, die Trauerfeier auf dem Friedhof begleiten, dem Pfarrer vor Ort zur Hand gehen und das Grab schließen und schmücken. Eine Vielzahl von Aufgaben und das in "strengen Zeiten", wie Hintermair sie nennt, wenn er in manchen Wochen mehrere Trauerfeiern zu organisieren hatte. Angefangen hat er mit dieser Aufgabe in Petzenhausen, aber schnell hat sich sein Gebiet erweitert. "Für neun Ortschaften war ich zuständig und habe gleichzeitig sechs Pfarrern gedient", berichtet Hintermair. Dass dies nicht immer ohne Komplikationen geht, versteht sich von selbst. "Herr Pfarrer, auf dem Friedhof schaff ich an, in der Kirche dürfen sie anschaffen", sagt er augenzwinkernd sich an so manche Begebenheit erinnernd und lächelt dabei schelmisch. Ehrlichkeit, Geradlinigkeit und Zuverlässigkeit war seine Maxime. "So hatte ich bei den Pfarrern und Bürgermeistern immer einen guten Stand."

Sein Ruf über die Gemeindegrenzen hinaus begründet sich auch in der heute kaum mehr bekannten Tätigkeit als Klauenpfleger. Vom Lechfeld bis zum Ammersee erstreckte sich sein Revier. "Tausende Kühe habe ich über die Jahre bei den Bauern gepflegt", zieht er Bilanz. Und "gepflegt" meint Josef Hintermair wörtlich. Ohne Stand habe er gearbeitet, immer freihändig und das Vieh stand immer still. "Ruhe bewahren, keine Aufgeregtheit zeigen und ohne fluchen arbeiten", das ist sein Rezept, das er an so manchen Tierarzt und Bauern weitergegeben hat, wenn diese sich wunderten, warum das Vieh bei ihm so geduldig stand. Dass er bei seinen vielen Abwesenheiten vom Hof auch noch Zeit fand, sich ehrenamtlich für Vereine und die Gemeinschaft einzusetzen, mag kaum verwundern, wenn man mit ihm im Gespräch ist. Hellwach und lebendig berichtet er von seiner Tätigkeit als Gemeinderat in Petzenhausen (1958-1966) und von nahezu zwanzig Jahren der Kassenführung bei den Schützen und im Veteranenverein. "Damals hat man noch nicht abgebucht", erinnert er sich, "da wurden die Beiträge noch von Haus zu Haus einkassiert." So wirklich ruhig will er es auch in diesen Tagen nicht angehen lassen. Neben vielen Kontakten zu seinen dreizehn Enkeln und Urenkeln zieht es ihn gut zwanzigmal im Jahr zu Schafkopfturnieren im Landkreis, deren Termine er sich aus der Tageszeitung holt. Und einmal in der Woche zur Kartelrunde bei den Schützen, das ist für ihn ein fester Termin. "Schafkopfen ist eine Leidenschaft, die mich mein ganzes Leben begleitet hat."

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