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18.07.2018

Ein wirklich ungewöhnliches Trio harmoniert gut

Etwa 30 Musikinteressierte hatten sich im Festsaal des Historischen Rathauses in Landsberg zum Konzert eingefunden.
Bild: Romi Löbhard

Ein unverständlicher Titel und ein nicht alltägliches Konzert zum Thema Tango. Geige, Gitarre und Klavier

Etwa 30 Musikinteressierte hatten sich im Festsaal des Historischen Rathauses in Landsberg eingefunden. Eigentlich schade, dass es nicht mehr Zuhörer waren bei dem nicht alltäglichen Konzert mit dem eher ungewöhnlichen Titel „Rio + Purcell = Tango Nuevo?“. Schließlich versprach die Besetzung des ausführenden Trios „Ariabesca“ Besonderes: „Ein solches Trio gibt es in der Welt noch nicht“, erklärte Wulfin Lieske, einer der drei Musiker.

Flügel (Eleonore Klauser), Violine (István Kuruc), verstärkte klassische Gitarre (Wulfin Lieske) ist in der Tat etwas Neues, wofür es verständlicherweise bisher keine Originalliteratur gibt. Lieske, ein hervorragender Gitarrist, hat einerseits bekannte Kompositionen für diese Besetzung arrangiert, komponierte aber auch speziell dafür, sodass es mittlerweile nun doch Originalwerke gibt. Auftakt war mit der Scaramouche Suite von Darius Milhaud. Der Franzose war etliche Jahre als Kulturattaché in Rio, dort entstand das ursprünglich für zwei Klaviere gedachte Werk, von dem der dritte Satz, die „Braziliera“, unter Pianisten beliebt ist. Bei dieser Suite fiel auf, dass der Flügel zeitweise etwas heftig klang und die Gitarre überdeckte.

Beim folgenden Adagio aus einem Klavierkonzert von Maurice Ravel agierten Klauser und Lieske als Duo. Die Pianistin übernahm – natürlich – den Klavierpart, Lieske und seine Gitarre waren für das Orchester zuständig. Was dem Adagio etwas Tempo verlieh, denn bei all den langen glatten Tönen hätte Lieske sehr viel trillern müssen. Eine Eigenkomposition beschloss den ersten Teil. In „Ariabesca“ für Trio verflocht Lieske basierend auf ein paar Takten einer Arie, Barock und arabischen Tanz, färbte Flamenco-Rhythmen jazzig ein. Es ist ein sehr harmonisches, gut hörbares Werk, das vor allem auch den Musikern großen Spaß bereitete. Pianistin und Gitarrist hielten musikalische Zwiesprache, Kuruc intonierte mit seiner Violine, einem sehr kräftig klingenden Instrument, das vor allem in den Tiefen eine wahre Pracht entfaltete, genüsslich nahöstliche Klänge.

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Er verlor sich in hinreißendem Flageolett und zeigte dabei die Vorteile der kräftigen Klangfülle. Der zweite Teil des Abends war Astor Piazzolla gewidmet. Den argentinischen Komponisten und großen Bandoneonspieler hat Lieske in Köln kennengelernt und mit ihm auch Tango-Projekte gemacht. Beim Konzert waren im Duo Gitarre/Klavier, zwei der sechs Sätze einer Suite zu hören, die die Geschichte des Tango beschreibt. Zusätzlich musizierten sowohl Lieske als auch Klauser solistisch.

Die abschließenden Stücke, in ihrer Verschiedenheit kaum zu überbieten, wurden zum absoluten Höhepunkt. Während bei „Soledad“ besonders Kuruc sentimentale Melancholie aus seiner Violine strich, pflegten bei „Primavera porteña“, dem Frühling in Buenos Aires, die drei Musiker das gepflegte Chaos einer erwachenden und sprießenden Natur, sie skizzierten den Übermut der Menschen in der Stadt.

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