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Riederau

24.11.2019

Eine Frau im Körper eines Mannes: Wie aus dem Uwe die Ulrika wurde

Ulrika Schöllner aus Riederau und ihr Buch „Transfrau? Ja genau!“.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Ulrika Schöllner wurde als Mann in der DDR geboren, heiratete und wurde Vater. Jahrelang wurde sie von Zweifeln geplagt, bis sie sich entschied: Ich will als Frau leben.

Am Tisch sitzt eine attraktive Frau. Groß, schlank, dezent-elegant gekleidet, perfekt-zurückhaltend geschminkt. Die langen blonden Haare locker zusammengesteckt. Eine Frau, die eindeutig Wert auf ihre Erscheinung legt. Sie beugt sich vor und zeigt am Haaransatz ihre Narben: „Sehen Sie hier in den Geheimratsecken die transplantierten Haare?“ Der gesamte Stirnlappen wurde einmal aufgeklappt, die Gesichtsform angepasst, das Kinn spitzer, weiblicher, die Lippen runder gemacht. Ulrika Schöllner ist eine Transfrau, ein Mensch, der als Mann geboren wurde und jetzt mit 60 Jahren eine glückliche Frau ist.

Hinter ihr liegt ein Leben mit emotionalen Höhen und Tiefen

Körbchengröße so um die C, eine Neovagina anstelle eines Penis und ein glückliches Lächeln im Gesicht: So sitzt Ulrika am Tisch ihres Hauses in Riederau und erzählt aus ihrem Leben. Kürzlich ist ihr Buch „Transfrau? Ja, genau! Auf dem Weg zu meiner Identität“ erschienen. Am Donnerstag, 28. November, wird sie ihre erste Lesung im Dießener Buchladen CoLibri halten.

Ein Leben im falschen Körper liegt hinter Ulrika Schöllner. Ein ständiges Suchen, Verdrängen, Herantasten, Ausprobieren, Unsichersein. Dann – nach der Einsicht und der folgenden Entscheidung – eine Odyssee an Hormontherapie, Arztterminen, Operationen, Korrekturen, Schmerzen, emotionalen Höhen und Tiefen. Es war – so sagt sie heute – genau die richtige Entscheidung.

Als Mann funktionierte sie - irgendwie

1959 in der DDR als Junge mit „weichen Zügen“ geboren. Ein Hodenhochstand wurde damals mit einer „Stereoid-Spritzenkur“ behandelt. Intensiver Sport, insbesondere Schwimmen, sollte alles Zarte, Weibliche vertreiben. Pubertäres männliches Kräftemessen blieb dem jungen Uwe fremd. „Ich war halt irgendwie anders, hatte aber keine Erklärung dafür.“ Militär, Beruf (Techniker für Großrechnersysteme), Heirat und ein Sohn folgten. Uwe Schöllner arrangierte sich mit dem Mannsein. 1987 konnte er (der eine Zusammenarbeit mit dem sozialistischen Regime abgelehnt hatte) nach Bayern auswandern. Eine beruflich und familiär erfolgreiche Zeit begann. „Der Wille zu einem perfekten Leben“ und zu „150 Prozent Mann sein wollen“ überdeckten die inneren Zweifel. „Alles war aufgesetzt,“ sagt Ulrika Schöllner heute.

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