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Denklingen

30.10.2016

Eine Friedenskapelle, die jedem offen stehen soll

Noch ist es eine Menge Arbeit, die Ludwig Streicher (oben), Gabriella Weber und ihr Sohn Tobias in den ehemaligen Hühnerstall von Helmut Drohmann am „TruckStop“ stecken müssen, bis die Friedenskapelle eingeweiht werden kann.

Der freie Seelsorger Ludwig Streicher und die freie Priesterin Gabriella Weber bauen an der B17 einen ehemaligen Hühnerstall um. Es soll ein Ort der Begegnung werden.

Es sieht noch ziemlich heruntergekommen aus, was, wenn es nach Ludwig Streicher und Gabriella Weber geht, schon bald ein Ort der Stille, der Begegnung, der Freude und auch der Trauer werden soll. Die beiden arbeiten seit September zusammen mit Gabriellas Sohn Tobias an einer Friedenskapelle nahe der B17, unmittelbar neben dem Fernfahrer-Restaurant „TruckStop“.

Da, wo einst Hühner lebten, den Auslauf im Garten genossen und ihre Eier legten, wollen der freie Seelsorger und die freie Priesterin ihren Traum verwirklichen. „Keine typisch katholische Kapelle wird das werden“, betont Streicher, sondern eine, die offen stehe für jeden, unabhängig welcher Religion er angehöre oder auch nicht. „Mir ist in unserer heutigen Zeit mehr denn je bewusst geworden, dass wir aufhören müssen, in Konfessionen zu denken“, erzählt Ludwig Streicher. Vielmehr müssten sich die Menschen öffnen und aufeinander zu gehen. Mit diesem neuen Ort der Begegnung möchte er seinen Beitrag dazu leisten. Verpächter Helmut Drohmann kommt immer wieder vorbei um sich nach dem Fortschritt des Vorhabens zu erkundigen. „I woaß net, wie oft i do scho nei ganga bin“, sagt er.

Wir sitzen in dem kleinen, aus Holz und Stein errichteten Häuschen auf einer winzigen Bank. Neben uns ein Kerzenständer und ein kleines Schränkchen, darauf eine Vase mit Zweigen aus dem Garten. Ansonsten gibt es nur nackte Wände, von denen zum Teil der Putz bröckelt, zugige Fenster und mit Ziegelsteinen notdürftig verschlossene Luken. Der Boden ist zum Teil noch mit Erde bedeckt und im Vorraum liegen Strohreste. Im kleinen Dachraum wird unterdessen fleißig gearbeitet. Tobias verkleidet den Dachstuhl mit Holz, später soll die Zwischendecke entfernt werden und auch die einzige Zwischenwand hat ihre längste Zeit hinter sich. „Das ganze wird dann ein schöner großer und hoher Raum“, erklärt Ludwig Streicher. Gelangt man jetzt noch von Westen in das kleine Häuschen, wird der Eingang zur Kapelle später von Süden erfolgen. Dort nämlich schließt sich ein kleiner Garten an mit Quellbrunnen. „Den wird mein Bruder Alois im Frühjahr herrichten“, freut sich Streicher.

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Sich vorzustellen, dass hier in absehbarer Zeit kleine Andachten gefeiert werden könnten, Menschen sich das Ja-Wort geben oder Abschied nehmen, dazu ist noch einiges an Fantasie von Nöten. Aber Ludwig Streicher hat sie genau vor Augen - seine Friedenskapelle. „Wenn die Decke weg ist, die Wände verputzt und gestrichen sind und der Boden gefliest ist, wird als sichtbares Zeichen der Liebe ein großes Herz Jesu hier einziehen“, erzählt Streicher. Das soll, zumindest vorerst, das einzige Glaubenssymbol sein in der Kapelle, die für gut 30 Personen Platz bieten soll.

Ob später mal Symbole aus anderen Religionen dazu kommen, werde sich zeigen. Das lasse er auf sich zukommen. „Es kann durchaus sein, dass irgendwann mal Jesus und Buddha hier friedlich in Nachbarschaft stehen“, kann er sich vorstellen. „Jetzt aber soll das Herz als Zeichen der Liebe den Schwerpunkt bilden.“

Wann genau die Herz-Jesu-Statue Einzug halten und die Eröffnung der Friedenskapelle gefeiert werden kann, lasse sich noch nicht sagen. „Das kommt darauf an, wie wir voran kommen“, so Streicher, der mit seinen Helfern so gut wie alle Arbeiten selbst erledigt. Während er erzählt, dass es bereits einen Gottesdienst im „Hühnerstall“ gegeben hat, den er und seine Lebenspartnerin gemeinsam gefeiert haben und dass er davon träumt, Weihnachten oder das Ende des Ramadan mit Muslimen, Christen, Buddhisten und vielen anderen hier zu feiern, kommt Gabriella Weber von einem Trauergespräch zur Kapelle. „Morgen“, so berichtet sie, „spreche ich mit einer Familie über den Abschied eines Angehörigen, der sich das Leben genommen hat“. Eine schwierige Situation, die sie aber mit Hilfe ihres tief verwurzelten Glaubens meistern könne. Der Glaube an Gott sei es, der die beiden zueinander geführt habe und der aus ihrem Leben nicht wegzudenken sei.

Und so gehört auch Allerheiligen für sie zu den wichtigen Feiertagen. „Trauerarbeit ist unbedingt notwendig und hört nie auf“, sagt Streicher, der auf einen Besuch am Grab lieber Verstorbener an einem Tag wie Allerheiligen verzichte. „Ich trage meine Eltern in meinem Herzen, da muss ich nicht ans Grab gehen um mit ihnen zu sprechen.“ Und Gabriella ergänzt: „Trauer gehört zum Leben dazu, sie ist eine Facette des Lebens.“ Wichtig sei, sich mit dem Verlust eines geliebten Menschen offen und ehrlich auseinander zu setzen. Wut darüber zuzulassen, dass einen der andere alleine gelassen habe, aber auch das Hadern mit dem eigenen Glauben. „Wir sollten uns eingestehen können, dass man Trauer nicht ganz bewältigen kann, es bleibt immer eine Narbe mit der wir leben müssen“, ist Ludwig Streicher überzeugt.

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Die Diskussion ist geschlossen.

01.11.2016

Tolle Sache diese Friedenskapelle .

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01.11.2016

Ja so etwas ist schön, liebe Heidi - was ist besser evangelisch oder katholisch oder ....???

ZUSAMMEN ist besser !!!!!

Liebe Heidi wie ist dein Nachnahme? Grüßle von mir, Heidi Källner aus Nördlingen

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