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Landsberg

04.07.2020

Eine Gartenkommune inmitten der Landsberger Altstadt

Marko Braovac, Sandra Brand, Nicole Schindler, Simon Echtler, Carsten Bartling und Pia Rockelmann (von links) bewirtschaften gemeinsam den Garten im Hinteranger 338 in Landsberg.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Ein Gemeinschaftsgarten im Hinteren Anger in Landsberg wird zum zentralen Treffpunkt für die Mieter mehrerer Wohnungen. Dahinter stecken viel Recycling, Selbstversorgung und Mühe.

Einen idyllischen Gemeinschaftsgarten vermutet man beim Betreten des Innenhofs vom Schafbräu im Hinteren Anger in Landsberg nicht. Von dort aus führt eine Steintreppe zur Anhöhe hinter der alten Scheune des Gebäudes. Aus viel recyceltem Material und der Zusammenarbeit von drei Wohnungen ist dort ein Gartenidyll auf zwei Ebenen, mitten in der Landsberger Altstadt, entstanden.

„Ein bisschen wie in einer Kommune“, erzählt Pia Rockelmann, eine der acht „Mitarbeiter“ im Gemeinschaftsgarten. Sie alle sind im Schnitt 30 Jahre alt, vertreten eine bunte Mischung von Berufen und nutzen und pflegen ihren Garten mit Obst- und Gemüseanbau gemeinschaftlich. Um zu organisieren, wer und wann Pflanzen gießt oder Unkraut jätet, wurde eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet. „Was reif ist, wird geerntet, jeder nimmt sich, was er braucht“, erklärt Pia Rockelmann weiter. Oder wir kochen zusammen, essen im Garten oder grillen. „Im Moment machen wir mindestens einmal die Woche Lagerfeuer“, so Marko Braovac, der Sohn der Vermieter. Er gehört ebenfalls zur Gartengemeinschaft, seine Eltern besitzen das Grundstück, auf dem Haus und Garten liegen, sowie das dahinter liegende Waldstück. „Das Haus hat eine 500-jährige Geschichte. Allerdings ist es im Laufe der Zeit dreimal abgebrannt, so wie es jetzt ist, steht es seit 1904“, erklärt Marko Braovac. Auch seine Eltern freuen sich, dass der Garten genutzt wird, in größere Umbauaktionen werden sie einbezogen.

Im Gemeinschaftsgarten gibt es auch ein Gewächshaus.
Bild: Julian Leitenstorfer

Auf circa 300 Quadratmeter Gartenfläche gibt es viel Recyceltes zu bewundern. „So gut wie nichts im Garten ist gekauft“, sagt Pia Rockelmann. Einen Großteil hätten sie in der alten Scheune gefunden, einiges geschenkt bekommen oder gebraucht übers Internet gekauft. Der Springbrunnen, der gleich am Eingang des Gartens plätschert, stammt beispielsweise aus dem ehemaligen Biergarten des Schafbräus. Auch die Kräuterwand an der alten Steinmauer, vor der der Brunnen steht, ist aus recyceltem Material gebastelt. Diese nachhaltige Gartengestaltung ist natürlich zum einen relativ günstig, „es ist aber auch einfach schön, dass alles zusammengewürfelt ist“, erklärt Pia Rockelmann. Immer wieder findet man kleine, selbst gemachte Installationen, oft mit Lichterketten, die den Garten in der Dämmerung stimmungsvoll beleuchten.

Eine Gartenkommune inmitten der Landsberger Altstadt

Aus losen Steinen ein Hochbeet gebaut

„Der Recyclinggedanke fing schon vor zehn Jahren an, als die Steinmauer, die den Garten begrenzt, teilweise einstürzte“, erzählen die Gartenbetreiber. Statt sie zu erneuern, bauten die Vermieter aus den losen Steinen ein Hochbeet. Das richtige „Gärtnern“ ging dann aber erst vor sechs Jahren durch die Mieter los. Seitdem wachsen im Hochbeet, einem Gewächshaus und unter dem angrenzenden Tomatendach verschiedene Gemüsepflanzen. In diesem Jahr beispielsweise 70 selbst gezogene Tomatenstauden. „Durch einen kleinen Kommunikationsfehler unter Nachbarn waren es auf einmal doppelt so viele wie geplant“, lacht Pia Rockelmann, „also vielleicht sehen wir uns dieses Jahr auf dem Stadtmarkt.“

Auch an die Insekten wird gedacht.
Bild: Julian Leitenstorfer

Gelernt haben die meisten Beteiligten das Gärtnern und Handwerken erst durch dieses Gemeinschaftsprojekt. „Von YouTube-Videos kann man viel lernen, und den Rest einfach durchs Ausprobieren“, erzählt Pia Rockelmann. Und wenn sie gar nicht weiter weiß, hilft ihre Großmutter. „Meine Oma ist mein Emergency Call“, sagt sie lachend, „im Notfall hat sie immer einen guten Rat.“ Auf der unteren Etage stehen außerdem ein Pflanztisch sowie eine Bewässerungsanlage, die Regenwasser vom Dach des Hauses auffängt. „Die zwei 1000-Liter-Tanks haben wir über Ebay günstig gekauft und selbst angeschlossen“, erzählt Marko Braovac. In der Mitte des Rasens gibt es außerdem eine Feuerstelle und einen Tisch, an dem zusammen gegessen wird. „Und wenn hier abends kein Licht mehr hinfällt, ziehen wir einfach eine Etage höher.“

Diese ist über eine weitere Treppe zu erreichen und geht direkt in ein kleines Stück Wald über. Hinter dem schmalen Streifen Wiese liegt eine zweite, liebevoll eingerichtete Terrasse. Von dort aus hat man einen tollen Blick auf die Kirche Mariä Himmelfahrt und kann die Sonne bis in die Abendstunden genießen. Außerdem werden auf der oberen Ebene Erdbeeren sowie Äpfel, Kirschen und Birnen angebaut.

Neue Projekte entstehen durch Diskussionen untereinander oder aus Langeweile. „Wenn ich das nächste Mal Urlaub habe, steht hier bestimmt in ein paar Tagen wieder was Neues“, meint Marko Braovac. Denkbar wäre zum Beispiel ein Pool, vor allem, wenn eine Sommerreise wegen der Corona-Situation dieses Jahr nicht möglich sein sollte. „Der Garten macht natürlich viel Arbeit“, erzählt Pia Rockelmann, „aber er macht uns auch stolz.“ Das ist wohl auch berechtigt, denn dieses bunte Idyll würde man mitten in der Innenstadt nicht vermuten. Er ist, wie die Hobbygärtnerin es beschreibt: „Ein Überraschungsei in der Altstadt.“

Das LT hat in einer Serie auch noch andere Gärten besucht:

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