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Landsberg

08.11.2019

Eine Gaststätte ohne Rauch gefällt auch den Wirten

Für Sonderbar-Gast Stephi Göbel ist das Rauchverbot eine gute Regelung. Türsteher „der Uschi“ leistet ihr beim Rauchen vorm Lokal Gesellschaft, obwohl er selbst nicht mehr raucht.
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Für Sonderbar-Gast Stephi Göbel ist das Rauchverbot eine gute Regelung. Türsteher „der Uschi“ leistet ihr beim Rauchen vorm Lokal Gesellschaft, obwohl er selbst nicht mehr raucht.
Bild: Thorsten Jordan

Plus In Österreich darf seit November in den Wirtshäusern und Bars nicht mehr gequalmt werden. In Bayern gilt dies seit über zehn Jahren. Das LT hat mit Gastronomen und Gästen gesprochen, wie es ihnen damit geht.

In Österreich ist es erst ein paar Tage her, seit der blaue Dunst nicht mehr durch die Gaststätten wabert. Seit dem 1. November darf dort in keinem Lokal mehr gequalmt werden. In Bayern wurde am 1. Januar 2008 das Rauchen in der Gastronomie verboten. In Baden-Württemberg wird mittlerweile sogar diskutiert, auf den Terrassen der Gastwirtschaften das Rauchen zu verbieten Das LT hat bei hiesigen Gastronomen nachgefragt, wie sich das Gesetz für sie ausgewirkt hat.

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Die meisten Wirte sind froh

„Wir sind froh, dass die Gasträume jetzt rauchfrei sind“, sagt der Senior der Gastwirtschaft Süßbräu, Karl Matheis. Für die Landsberger Traditionsgaststätte hatte das Nichtrauchergesetz keine negativen Auswirkungen. Es gebe aber Kollegen, die klagten sehr. „Denen fehlen die Raucher.“ Es seien die Lokale, die der Gast aufsuche, um ein Bier zu trinken. Einzelne Gäste sind laut Matheis auch beim Süßbräu weggeblieben, doch die meisten Raucher gingen anstandslos vor die Tür. „Zu später Stunde wird schon mal der Wunsch geäußert, dass die Aschenbecher auf den Tisch gestellt werden“, schmunzelt der Wirt, aber Ausnahmen gebe es nicht.

Man soll weiter auf der Terrasse rauchen dürfen

„Es hat viele Vorteile, wenn am Essenstisch nicht mehr geraucht werden darf“, sagt auch Wendelin Hipp vom Landhotel „Zur Alten Post“ in Hofstetten. Hipp ist auch Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands. Die Struktur habe sich aber verändert, so Hipp. Stammtischmitglieder und Kartenspieler seien daheimgeblieben. Statistische Zahlen, wie sich dies auf den Umsatz der Gaststätten ausgewirkt hat, hat er nicht. Wendelin Hipp gefällt aber nicht, dass es für Raucher überhaupt keinen Platz mehr gibt. „Ich denke, das schränkt den Menschen zu sehr ein.“ Das Rauchen auch noch auf der Wirtshausterrasse verbieten? Für Wendelin Hipp ist das ein Witz: „Man kann doch nicht alles verbieten.“

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Bislang keine Umsatzeinbußen

Auch für Michael Berner, den Betreiber der Restauration Schondorfer, gibt es keine nennenswerten negativen Folgen aus dem Nichtrauchergesetz. „Wir hatten keine Umsatzeinbußen.“ Er habe anfangs nur Befürchtungen gehabt, dass ein Gast ungehalten sein könnte, wenn er zum Rauchen vor die Tür gehen muss, aber mittlerweile sind es alle gewohnt: „Wir haben einen Wintergarten.“ Er habe schon zwei Jahre vor dem bayerischen Gesetz einen Raum seines Lokals als Essbereich, in dem erst ab 22 Uhr geraucht werden darf, definiert. „80 Prozent der Gäste kommen in den Schondorfer, um zu essen“, erzählt er. Forderungen, wie beispielsweise vom Baden-Württembergischen Sozialminister Manfred Lucha geäußert, auch auf den Terrassen von Gaststätten das Rauchen zu verbieten, hält er dagegen für übertrieben: „Das ist eine zu große Einschränkung.“ Berner kennt übrigens beide Seiten: „Ich war lange Jahre Raucher, bin jetzt aber Nichtraucher, aber kein militanter.“

Alles ging ohne Aggressionen

Wie geht es einer klassischen Bar mit dem Nichtrauchergesetz? Manuela Sauter arbeitet seit 22 Jahren in der Sonderbar in Landsberg und ist mittlerweile Chefin: „Ich glaube, ich habe die Bar in der Zeit übernommen, als das Rauchverbot eingeführt wurde.“ Anfangs hätten sich Raucher aus Gewohnheit an der Theke eine Zigarette angesteckt, wenn man sie angesprochen habe, seien sie vor die Tür gegangen. „Das ging ohne Aggressionen.“ Zu Beginn habe es Umsatzeinbußen gegeben, da mancher Raucher damals in Kneipen ging, die es zu später Stunde nicht mehr so genau genommen hätten. Mittlerweile habe sich dies alles eingespielt und die Barchefin und Nichtraucherin findet es jetzt „viel angenehmer“ in der Bar zu arbeiten. „Selbst Raucher sagen, es sei viel angenehmer.“

Es gibt aber noch das Lärmproblem

Für Lokale wie die Sonderbar gilt es nur, die Lärmproblematik in den Griff zu bekommen. Manuela Sauter hat Türsteher, die sich darum kümmern, dass die Gäste nicht mit Gläsern vor der Tür stehen und beim Rauchen leise sind. Rauchen auch bei der Außenbestuhlung zu verbieten, hält Manuela Sauter für „kompletten Quatsch“.

Dass beim Autofahren Rauchen verboten wird, wenn Kinder im Fahrzeug sitzen, fände sie dagegen gut. „Es ist traurig, aber ein Muss.“ Sauter glaubt, dass es noch Eltern gibt, die zum Fenster hinaus rauchten. Die Gastronomin kann sich an die eigene Kindheit erinnern und daran, wie schrecklich es war, in einem verrauchten Auto unterwegs zu sein.

Wie stehen Personal und Gäste zum Rauchverbot: Sonderbar-Türsteher „der Uschi“ – seinen Klarnamen will er nicht verraten – findet es in Essenslokalen sehr gut. Stephi Göbel ist ebenfalls für ein Rauchverbot: Drinnen sei es nicht mehr so stickig und die Klamotten seien nicht mehr so verraucht. Jerry Egger steht hinter der Bar. Er ist weniger begeistert und findet, dass Gruppen von Gästen auseinandergerissen würden, wenn immer wieder welche vor die Tür gingen. Nichtraucherin Anja Broschulat findet es dagegen sehr gut, dass nicht mehr geraucht werden darf. So könnten beispielsweise auch schwangere Frauen in ein Lokal gehen.

Der Kommentar zum Thema: Ein Gesetz, das Sinn macht

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