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Landsberg

09.11.2018

Eine Heizung für fast eine Viertelmillion Euro

Dieses Objekt in der Schwaighofstraße gehört der Stadt Landsberg. Der Einbau einer Heizungsanlage hat über 220.000 Euro gekostet.
Bild: Julian Leitenstorfer

Wie bei der Stadt Landsberg ein Projekt aus dem Ruder lief. Jetzt gibt es Konsequenzen in der Verwaltung.

Wie konnte es sein, dass der Einbau einer Heizungsanlage in einem städtischen Wohnkomplex am Ende 60 Prozent teurer wurde als geplant? Dieser Frage ging der Finanzausschuss des Landsberger Stadtrats am Mittwochabend auf Bestreben von Jost Handtrack nach. Denn der Grünen-Stadtrat wollte ganz genau wissen, warum das Projekt am Ende 223.000 Euro kostete, und nicht, wie ursprünglich veranschlagt, 141000 Euro. Die Antworten lieferten nun Kämmerer Peter Jung und Referatsleiter Peter Huber. Aufgrund dieses Vorfalls wird sich ab nächstem Jahr in der Verwaltung einiges ändern, wie der Kämmerer betonte.

Die Heizung ist längst eingebaut

Die Bewohner des Hauses in der Schwaighofstraße 2 haben längst die erwähnten Heizkörper in ihren Räumen. Bis zum Einbau der neuen Anlage wurden die 18 Wohneinheiten mit Einzelölöfen beheizt – alles andere als zeitgemäß. Deshalb hatte die Stadt Landsberg beschlossen, eine moderne Anlage einbauen zu lassen. Veranschlagte Kosten: rund 141.000 Euro. Diese Summe sollte aber bei Weitem nicht ausreichen. Denn es gingen drei Angebote in der Größenordnung 171.500 bis 183.200 Euro ein. In der April-Sitzung vergab der Stadtrat an den günstigsten Bieter, eine Fachfirma aus Landsberg.

Die Rechnungen für den Einbau sind auch schon längst bezahlt. Aber dass das Projekt kostenmäßig aus dem Ruder lief und die überplanmäßigen Ausgaben dafür nicht dem Finanzausschuss vorgelegt worden waren, das kritisierte Stadtrat Jost Handtrack in seiner Anfrage und wollte Antworten von den zuständigen Fachstellen. Denn nicht nur die Heizung wurde 30.000 Euro teurer als erwartet, sondern es fielen auch noch rund 52.000 Euro an Ingenieurleistungen an. Macht Gesamtkosten von rund 223.500 Euro.

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Zwei Referate teilen sich ein Geldtopf

„Von einem Vergabeverstoß kann gar keine Rede sein“, sagte der zuständige Referatsleiter Peter Huber (Technische Gebäudewirtschaft), als er dem Finanzausschuss nun noch einmal diese Zahlen präsentierte. Unglücklich sei allerdings gewesen, dass der sogenannte Deckungsring – aus ihm werden überplanmäßige Ausgaben finanziert – leer gewesen sei. Er führte dieses Malheur auf die flexible Haushaltsführung zurück. Sie macht es möglich, dass sich sein Referat und die „Grundstückswirtschaft“ einen Deckungsring teilen. Dieser war in diesem Jahr mit 796.000 Euro gefüllt, aber bereits leer, als Peter Huber darauf zurückgreifen wollte, um die Mehrausgaben für das Heizungsprojekt zu stemmen.

Verwunderung über das Ingenieurhonorar

Die Lehren, die man nun in der Verwaltung daraus gezogen hat, formulierte Kämmerer Peter Jung: „Diese Situation wird es nicht mehr geben. Es gibt eine klare Trennung der Budgetverantwortlichen, damit jeder weiß, was im Deckungsring ist.“ In Zukunft, genauer gesagt ab 1. Januar, werde man die beiden Referate trennen. Ab sofort werde auch für jeden Auftrag ab 1000 Euro im System ein Vermerk angelegt, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Im Rahmen der Diskussion zeigten sich die Mitglieder des Finanzausschusses verwundert über die Kosten der Ingenieurleistungen (rund 52.000 Euro). Sie machten fast ein Drittel des Gesamtprojekts aus. Unter anderem kritisierte Dr. Reinhard Steuer (UBV) die Honorarhöhe. Die humorvolle Antwort von Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU): „Ingenieure verdienen fast so gut wie Anwälte.“ Reinhard Steuer ist Rechtsanwalt...

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