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25.06.2009

Eine Landpartie zum zeitgemäßen Bauen

Landkreis Fast ausschließlich zu einer Landpartie geraten heuer die "Architektouren" im Landkreis. Vier Gebäude bzw. Gebäudegruppen präsentiert die Bayerische Architektenkammer am Samstag/Sonntag, 27./28. Juni, zwischen Lech und Ammersee: einen renovierten und modernisierten ehemaligen Bauernhof in Reichling, ein Wohnhaus in Pflaumdorf, die Energiezentrale in St. Ottilien und eine Wohnhausgruppe in Dießen. In Landsberg ist die Seniorenwohnanlage am Englischen Garten zu sehen.

Das älteste Anschauungsobjekt findet sich in der Wurzbergstraße 4 Reichling. Dort zeichnet das Greifenberger Architektur- und Stadtplanungsbüro Sunder-Plassmann für die Modernisierung eines alten Bauernhofs verantwortlich. Bauherr und Planer hatten dabei mit den typischen Widrigkeiten alter Gebäude zu kämpfen. Nur ein Drittel der Geschossfläche war Wohnraum, die Mauern waren feucht und energetisch völlig unzureichend.

Nach der Ende 2008 vollendeten Sanierung hält das Haus nun den KfW 40-Standard ein. Um das Feuchtigkeitsproblem in den Griff zu bekommen, wurde das Anwesen an der Nordseite freigelegt, der Wohnbereich abgeschnitten, eine Drainage verlegt und eine Wandtemperierung installiert. Am Ende kostete die Sanierung zwar weit mehr als der Kauf des Anwesens, aber, so Architektin Bettina Sunder-Plassmann, ein Neubau einer solchen Immobilie mit 672 Quadratmetern Nutzfläche wäre noch weit teurer gekommen. Neben einem erweiterten Wohnteil für die siebenköpfige Familie finden sich in dem Anwesen jetzt auch Ausstellungsflächen und ein Werkraum.

Einen Neubau im dörflichen Umfeld zeigen die "Architektouren" in Pflaumdorf. In der Gartenstraße 4 wurde nach Plänen des Büros s + p dinkel Architektur aus Gilching ein Wohnhaus in einem gewachsenen Umfeld zwischen einem alten Stallgebäude und alten Obstbäumen errichtet. Die Einfügung in diese Umgebung, aber auch ein begrenzter Kostenrahmen waren die wesentlichen Aufgaben, die dem Architekten gestellt waren. Das Ergebnis ist ein in seiner Erscheinung einfaches, klares, unaufdringliches und bescheidenes Haus, das aber durchaus eine selbstbewusste Sprache spricht.

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Leuchtturmprojekt

In St. Ottilien haben die Missionsbenediktiner mit ihrem neuen Hackschnitzel-Heizkraftwerk ein sogenanntes Leuchtturmprojekt im Hinblick auf eine nachhaltige Energieversorgung geschaffen. Auch die Architektur (geplant vom Atelier Lüps aus Schondorf) soll diesen Leuchtturmcharakter demonstrieren. Über einem massiven Betonsockel erhebt sich eine transparente Gebäudehülle aus Polycarbonatplatten, die die Fassadenstruktur in Form eines hölzernen Astwerks im Gebäudeinneren von Weitem erkennen lässt. Das zentrale Element der Energiezentrale ist das Feuer. Sichtbar wird dies durch ein Lichtobjekt gemacht. Rot-Grün-Blau-LEDs können dabei das Wachstum von Pflanzen, zum Beispiel die Verästelung eines Baums, beschreiben. Durch differenzierte Ansteuerungsmöglichkeiten wird das Lichtobjekt gleich einem Energiekern in verschiedenen Lichtfarben zum Pulsieren gebracht.

In Dießen wird wieder ein Projekt des Architekten Wolf Frey gezeigt. Es handelt sich um die drei Wohnhäuser in der Moosstraße. Deren Bau führte zu langwierigen Auseinandersetzungen mit Gemeinde und Nachbarn. Am Ende konnte sich Frey zwar durchsetzen, musste sich aber durch den Bebauungsplan im Volumen beschränken.

Im Laufe der Zeit nahm das Verhältnis zwischen Gemeinde und Bauherr bisweilen skurrile Züge an. Nachdem der Architekt die zulässige Grundfläche bis fast auf den letzten Quadratzentimeter ausgeschöpft hatte, wollte er in den angebauten Schuppen zusätzliche Wohnflächen schaffen (unter anderem durch Toiletten). Dieses lehnte die Gemeinde ebenso wie ein bereits geliefertes externes Blockheizkraftwerk ab. Wegen diesem wurde sogar eine Veränderungssperre verhängt und beschlossen, den Bebauungsplan zu ändern. Bei den "Architektouren" wird die Häusergruppe nun als "Drei Strandkörbe am Ammersee" präsentiert. "Drei eng gestaffelte Häuser definieren den Abschluss der Fischerei zum Naturschutzgebiet. Abstrakte Kuben, lichte Carports, gewölbte Dächer mit transluzenten Giebeln und tanzende Fenster geben der blendend weißen Anlage Eleganz, Leichtigkeit, fast Urlaubsflair", heißt es im Text zu den "Architektouren".

Dass sich die Stadt Landsberg als Bauherrin um qualitätvolles Bauen bemüht, wird bei den "Architektouren" seit vielen Jahren regelmäßig dokumentiert. Heuer ist mit der Seniorenwohnanlage am Englischen Garten wieder ein städtischer Auftrag vertreten. In der Johann-Mutter-Straße 2-4 wurden bis September 2007 75 seniorengerechte Wohnungen errichtet, davon acht barrierefrei. Die Planung führte das Büro Nickl & Partner in München aus, die Landschaftsplanung das Büro Mahl Gebhard in München.

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