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Jubiläum

28.04.2015

Eine Nacht mit funkelnden Sternen

Spanische Nacht im Sportzentrum mit den Münchner Symphonikern, dem Gitarrenduo Christian Gruber und Peter Maklar und dem „Amadeus Guitar Duo“ Dale Kavanagh & Thomas Kirchhoff.
Bild: Julian Leitenstorfer

Das Duo Gruber & Maklar feierte ein großes musikalisches Fest mit Freunden und den Münchner Symphonikern

Ein großes musikalisches Freudenfest – die Münchner Symphoniker und vier Weltklassegitarristen auf der Bühne, ein mit über 1200 Besuchern fast ausverkaufter Konzertsaal im Landsberger Sportzentrum. All das hätte es vergangenen Samstagabend nicht gegeben, hätte sich ein gewisser Peter Maklar, Student am Augsburger Konservatorium, vor nunmehr 30 Jahren nicht in der Tür geirrt und wäre er so nicht auf einen gewissen Christian Gruber, Kommilitone und wie er Gitarrenstudent bei Helmut Hehl, getroffen. Genauer gesagt war er mitten hineingeplatzt in dessen Übungen an einem Django-Reinhardt-Solo. Statt sich aber mit einer kurzen Entschuldigung schnell wieder zurückzuziehen, schnappte dieser Maklar sich kurzerhand seine Gitarre, setzte sich neben jenen Gruber und improvisierte eine wunderbare Begleitung zu dessen Spiel - und so sitzen sie noch heute… Über die Jahre hat sich das Duo Gruber & Maklar höchste Anerkennung in Fachkreisen erspielt und begeistert sein Publikum mittlerweile weltweit.

Die Stadt Landsberg nahm das besondere Bühnenjubiläum dieser Ausnahmemusiker zum Anlass, um als Veranstalter besondere Wege zu beschreiten und wich vom räumlich beengten Stadttheater aus auf das vielfach größere Sportzentrum – von der Akustik her sicher kein Problem. Dem herben Charme der Sportstätten-Optik versuchte man mit kosmetischen Maßnahmen beizukommen, was durch den Einsatz vieler langer, dunkler Stoffbahnen, hinter denen hallenfunktionale Bauelemente verschwanden, erstaunlicherweise recht gut gelang. Ein Provisorium für ähnliche Anlässe scheint hiermit gefunden, nicht aber der ,,neue Konzertsaal der Stadt Landsberg“, wie dies Oberbürgermeister Mathias Neuner in seinem Grußwort wohl eher ironisch meinte. Bei der Stückauswahl vermieden Christian Gruber und Peter Maklar alles Experimentelle und setzten in Feierlaune und sicher auch mit Blick auf das Sitzplatzangebot des Veranstaltungsortes auf Bewährtes. So begab man sich gemeinsam hinein in eine ,,Spanische Nacht“, in der die Mäntel und tropfenden Regenschirme draußen an der Garderobe bald vergessen waren.

Den Anfang machten die Münchner Symphoniker unter ihrem Dirigenten Carlos Domínguez-Nieto mit sieben Tänzen aus der Komposition ,,Le Cid“ des Franzosen Jules Massenet. Das Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Werk zeichnet in Klangbildern gleichsam musikalische Porträts der während der Reconquista Zug um Zug von den Mauren zurückeroberten spanischen Regionen durch den legendären Nationalhelden Rodrigo Díaz de Vivar.

So verschieden die Protagonisten, so unterschiedlich war auch deren musikalische Zeichnung: Kastagnetten gleich in den ersten Takten stimmten auf Kastilien ein. Ein getragenes Thema in den Celli führte nach Andalusien, beschwingt tanzte man sich weiter nach Aragon, um nur die ersten drei Stationen zu nennen. Alle Wechsel zwischen hochgeschraubter Dramatik und unbeschwerter Leichtigkeit in diesem stark auf Effekte abzielenden Stück drückten sich unmittelbar in der bewegten Körpersprache des Dirigenten aus, dem zu folgen dem sensibel agierenden Orchester sichtlich Freude bereitete und den zu beobachten ein großes Vergnügen für das Publikum war.

Es folgte das berühmte ,,Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo mit der Solistin Dale Kavanagh. Die Kanadierin fand erst einmal keinen rechten Einstieg in das Stück. Unsicherheiten prägten zunächst ihr Spiel. Einem viel zu wenig energisch angepackten Allegro con spirito ließ sie dann aber ein Adagio folgen, in dem sie die hohe Kunst des Pausenspiels vollendet zelebrierte.

Mit der ganzen Gelassenheit einer erfahrenen Solistin ging sie diesen Satz an und zauberte aus ihrem Instrument kostbare Momente der Stille in der Musik hervor. Ein wunderbar aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel von Kavanagh und den Symphonikern im Allegro gentile beschloss den ersten Teil des Konzertabends.

Der Höhepunkt des Programms war das ,,Concierto Andaluz“, ebenfalls von Joaquin Rodrigo komponiert, das nun auch den Auftritt der beiden Jubilare brachte. Zurückhaltend, beinahe bescheiden als Personen, zündeten die Künstlerpersönlichkeiten Gruber und Maklar mit ihren beiden Solisten-Partnern, dem Amadeus Guitar Duo mit Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff, auf der Bühne nun das reinste musikalische Feuerwerk.

Perfekte Synchronität, auch in den halsbrecherischsten Läufen ließ fast schon Zweifel aufkommen: ,,Wie viele Gitarren waren das jetzt gerade? Tatsächlich vier? Klang, als wär’s nur eine gewesen.“ Präzise gesetzte Akzente, klar herausgearbeitete Phrasierungen, immer im fein abgestimmten Zusammenspiel mit dem Orchester, nichts brach heraus und nichts ging unter: Über dieser ,,Spanischen Nacht“ funkelten sämtliche musikalischen Sterne. Einzig das Knarzen schlecht geölter Sitze auf den Rängen störte den musikalischen Genuss. Sie zeigten so gar kein Rhythmusgefühl und patzten mit schöner Regelmäßigkeit in die die Pausen hinein. Das musste nun wirklich nicht sein!

Einen Abschluss mit Verve gaben die Münchner Symphoniker mit Georges Bizets ,,Carmen Suite No. 2“. Ein mitunter fast spitzbübisch auftretender Domínguez-Nieto dirigierte mit großem Temperament und leichter Hand ein spielfreudiges Orchester, und der Spaß, den sie dabei hatten, übertrug sich mit den Melodien, die wohl jeder schon einmal irgendwo gehört hat, fast augenblicklich auf ein am Ende begeistert applaudierendes Publikum.

Beschwingt ging es hinaus in eine „Landsberger Nacht“, in der es inzwischen zumindest aufgehört hatte zu regnen.

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