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Ausstellung

31.01.2019

Eine Vorliebe fürs Quadrat

Werke von Kappl und Schmitz. Von lins, Öl-Grattage auf Leinwand von Kappl, Schmitz: „Hämoglobe“,Öl auf Leinwand, 2016 (Ausschnitt) und schwarz-weiß „Auf-Zeichnungen“ sowie farbig Öl-Grattage auf Leinwand von Karl Heinz Kappl.

Im Altstadtsaal zeigen Karl Heinz Kappl und John Schmitz ausschließlich dieses Format. Es gibt weitere Gemeinsamkeiten

„Glotzt nicht so romantisch!“ Nicht nur im Theater eines Bertolt Brecht, auch in vielen anderen Bereichen der Kunst war es nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs Anfang der 1920er-Jahre mit der Romantik erst einmal vorbei. Ob in der Architektur oder in der Malerei, im „Bauhaus“ oder bei den sogenannten Konkreten – überall erlebte die Kunst einen emotionalen Aderlass und bezieht ausgerechnet daraus bis heute wertvolle Impulse. „konkret 4.8“ titelt eine Ausstellung mit Werken von Karl Heinz Kappl und John Schmitz im Altstadtsaal der VR-Bank, die Besuchern genau dies veranschaulicht.

Auf den ersten Blick scheinen sich die Gemeinsamkeiten der beiden Künstler in der Vorliebe fürs Quadrat, ihrem „Nonplusultra-Format“, zu erschöpfen. Während dann aber John Schmitz seine „Tusche-Aufzeichnungen“ in fortlaufenden Achterschlingen als Zeichen für die Unendlichkeit in dichtem Zeilenverlauf zu Papier bringt und dabei unregelmäßige lineare Schwarz-Weiß-Rhythmen erzeugt, „kommen“ dem Maler Karl Heinz Kappl ganz klassisch „nur Ölfarben auf die Leinwand“; alternativ beklebt er diese mit Schnüren oder gekappten Streichhölzern, die nach genau ausgearbeiteten Entwürfen die Bildfläche füllen und geometrisch gliedern. Linien – wie auch Farbverläufe entwickeln sich logisch aus den eingangs getroffenen Setzungen.

„Ziel“, verdeutlichte während der Vernissage Kappl den eigenen Arbeitsansatz mit einem Zitat des Schweizer Architekten Max Bill „ist es, Gegenstände für den geistigen Gebrauch zu entwickeln.“ Auch ohne „Gefühlsüberbau“ und sehr viel lieber präzise wahrgenommen als spekulativ gedeutet ist die im Altstadtsaal gezeigte Kunst dennoch weder abgehoben noch verkopft, weil, so Kappl und Schmitz, „hand-made“. Ermüdungen der pinsel- beziehungsweise federführenden Hand etwa wie auch Unregelmäßigkeiten des Materials bilden sich ab als „Fehler, die man aushalten muss“. Zufallsereignisse innerhalb des vorgegebenen Rahmens, Wackler, kleine Farbpatzer und Ähnliches mehr, sind Teil des ans Konkret angehängten „plus“, mit dem sich beide Künstler vom Diktat des „emotionslosen Farbauftrags“ distanzieren.

Nicht zuletzt im Aufspüren solcher kaum merklicher Abweichungen vom jeweiligen Bildkonzept liegt das besondere Sehvergnügen der Ausstellung „konkret 4.8“. Weiteres leitet sich ab aus der Befreiung der Kunst vom Ballast des Bedeutsamen: Im Idealfall sind Papier und Leinwand zurückgeführt auf ihre Funktion als reine Bild-Träger, die mit nicht mehr behaftet sind als nur den elementaren Bausteinen der Kunst – Linie, Fläche und Farbe. Im Gegensatz zum „irrsinnig lauten Kulturbetrieb, in dem der, der am meisten plärrt, auch die meiste Aufmerksamkeit bekommt“, nehmen sich Karl Heinz Kappl und John Schmitz bewusst zurück und begreifen ihre Kunst als einen Versuch, still zu werden.

„Meine Arbeiten sind Aufzeichnungen, die nichts sagen“, weist Schmitz auf deren meditative Aspekte hin, „es ist schön, wenn man sprachlos ist und einfach mal nichts sagen muss.“ Wer sich auf sie einlässt und sich über ihre Gesetzmäßigkeiten und Ordnungsprinzipien von der Bildoberfläche in die Tiefe führen lässt, entdeckt das Transzendente dieser scheinbar nur ihre eigenen Mittel ausstellenden und deshalb manchmal als dekorativ geschmähten Kunst. Zeit, erklärten beide Künstler, spiele für sie keine Rolle. „Ein Bild braucht so lange, wie es eben braucht“, sagte Karl Heinz Kappl und lieferte damit auch allen Besuchern das richtige Stichwort.

Zeit, sich die Ausstellung „konkret 4.8“ in Ruhe anzusehen, haben Interessierte bis Freitag, 22. Februar, im Altstadtsaal der VR-Bank in Landsberg in der Ludwigstraße, montags bis sonntags von 8.30 bis 18 Uhr.

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