1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Eine Zahnradbahn quälte sich den Lechhang hinauf

03.01.2008

Eine Zahnradbahn quälte sich den Lechhang hinauf

Eine Dampflokomotive quält sich mit zwei Güterwagen den Lechhang hinauf und zieht eine Rauchfahne hinter sich her - eine Zahnradbahn in Kinsau. Das können sich heute sicherlich nur wenige vorstellen. Doch die Kinsauer Bahn war die erste ihrer Art.

Vor 100 Jahren ging die Bahnstrecke in Betrieb, im Mai 1929 fand die letzte Transportfahrt der Zahnradbahn statt. Peter Rasch hat der Kinsauer Bahn ein Kapitel in seinem Buch über die Geschichte der Eisenbahnen durch den Landkreis gewidmet.

Grund für den Bau einer Zahnradbahn in Kinsau war die Holzstofffabrik der Papierfirma Hegge aus Kempten. Die hatte 1898 die Erhardsche Sägmühle am Lech südlich des Ortes gekauft und errichtete dort eine Holzstofffabrik. Nach Ansicht von Peter Rasch war die Lage für ein derartiges Vorhaben ideal: Der Lech lieferte die Wasserkraft für die Maschinen und ein Bach sauberes Wasser zur Gewinnung von Zellulose. Das Holz wurde per Floß auf dem Lech nach Kinsau transportiert oder in den umliegenden Wäldern geschnitten. Im Februar 1907 wurde die Produktion im Kinsauer Werk aufgenommen.

Schon vorher galt es eine Lösung zu finden, wie das Rohmaterial für die Papierherstellung nach Kempten transportiert werden soll. Der Kinsauer Bahnhof lag rund zwei Kilometer entfernt an der Bahnstrecke von Landsberg nach Schongau, die 1886 ihren Betrieb aufgenommen hatte. Der Höhenunterschied zwischen der Fabrik im Lechtal und dem Bahnhof betrug gute 75 Meter.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Als Transportmittel zum Kinsauer Bahnhof kam nur eine Eisenbahn in Frage. Eine derartige Steigung konnte laut Peter Rasch jedoch nur von einer Zahnradbahn bewältigt werden. Im Juni 1906 wurde ein entsprechender Bauantrag genehmigt. Die Maschinenfabrik Esslingen übernahm neben der Lieferung der Lokomotive auch den Bau der kompletten Gleisanlagen. Die Strecke hatte eine Länge von 3,5 Kilometern. Der Abschnitt mit der größten Steigung (15 Prozent), der rund 360 Meter lang war, wurde mit einer Zahnstange ausgerüstet.

Im Februar 1907 wurde die Lokomotive angeliefert. Sie hatte aber kleinere technische Mängel. Deswegen ging die Bahn erst Ende Juli in Betrieb. Der Holzstoff musste für einige Monate mit Pferdefuhrwerken zum Kinsauer Bahnhof gefahren werden.

Die Bahn erreichte in der Regel eine Geschwindigkeit von zehn Stundenkilometern, im Abschnitt mit Zahnstange sechs. Der Zug war mit einem Lokomotivführer, einem Heizer und einem Bremser besetzt. Der Bremser musste gleichzeitig rangieren. Pro Tag brachte die Bahn drei bis vier Wagen von der Fabrik zum Bahnhof.

1908 ereignete sich ein Unfall, bei dem zwei Wagen den Lech hinunter rollten und zerschellten. Seitdem durfte die Lokomotive nur noch talseitig des Zuges fahren. Fünf Jahre später wurde bei der Firma Krauss eine zweite Lokomotive gekauft. Zudem wurde ein gemauerter Lokschuppen am Ende der Strecke in der Nähe der Fabrik gebaut.

Wie Peter Rasch herausgefunden hat, wurde die Wirtschaftlichkeit der Bahnstrecke bald in Frage gestellt. Transportleistung und aufwändiger Betrieb standen in deutlichem Gegensatz. 1922 wurde die ehemalige Sägemühle nicht mehr nur als Holzstofffabrik, sondern auch als Elektrizitätswerk genutzt. Sieben Jahre später wurde die Holzstoffproduktion völlig eingestellt. Anstelle der Holzschleifer wurden Generatoren zur Stromerzeugung eingebaut.

Im Mai 1929 transportierte die Zahnradbahn zum letzten Mal Holzstoff. Drei Jahre später wurden die Schienen und Schwellen demontiert und die einzige Brücke entlang der Strecke gesprengt. Laut Rasch sind an einigen Stellen, vor allem am Steilhang des Lechs, heute noch Reste der Eisenbahn wie Betonfundamente zu sehen.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
dpa_14985400217115DB.jpg
Finning

Discounter: Die Bürger in Finning dürfen entscheiden

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket