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Kriegsende

20.05.2015

Eine dramatische Fahrt über den Lech

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2 Bilder
Dr. Arthur Müller auf einem Gemälde des Malers Fritz Haas (1902-1994), der zeitweise in Landsberg ansässig war.
Bild: Geschichtsblätter/Fritz Haas

Der frühere Chefarzt des Krankenhauses in Landsberg starb vor 70 Jahren. Soll der Lechsteg seinen Namen tragen?

Er war Arzt und wollte Leben retten. Am Ende hat ihn diese Einstellung selbst das Leben gekostet. Dr. Arthur Müller war Chefarzt im Landsberger Krankenhaus. Er starb am 26. Mai 1945 geschwächt von einer Lungenentzündung und infiziert mit Flecktyphus. Müller wohnte mit seiner Familie in einem Haus in der Von-Kühlmann-Straße, mit direktem Blick auf seine Arbeitsstätte, das Krankenhaus, das seinerzeit noch an der Lechstraße stand. Für den gebürtigen Landsberger Arthur Sepp ein Grund, den Spazierweg über die derzeit noch gesperrte Treppenanlage und den Lechsteg nach dem früheren Chefarzt zu benennen. Zumal das Leben des Arztes an dieser Stelle eine dramatische Wendung nahm.

Wie bereits berichtet wird die wegen eines Hangrutsches gesperrte Treppenanlage aufwendig saniert. Eigentlich sollte mit den Arbeiten, die eine teilweise Sperrung der Von-Kühlmann-Straße nach sich ziehen, am Montag begonnen werden. Andreas Létang, der Pressesprecher der Stadt, kennt den Grund für die Verzögerung. Weil die Wetterdienste aber starke Regenfälle vorausgesagt hätten, habe sich die ausführende Firma aus Sicherheitsgründen dazu entschlossen, erst am Donnerstag zu beginnen.

Arthur Sepp, der in Germering lebt, als Nachfahre einer Landsberger Steinmetzfamilie aber immer noch genügend Kontakte in die Lechstadt hat, freut sich, dass die Treppe saniert wird. Er selbst hat die Adoptivtochter von Arthur Müller kennengelernt und so mehr über den ehemaligen Chefarzt erfahren. Vor allem dessen Wirken am Kriegsende mache ihn zu einem außergewöhnlichen Menschen. Er habe es verdient, dass eine Straße oder ein Weg nach ihm benannt werde. Arthur Sepp hat vor einigen Jahren dem damaligen Oberbürgermeister Ingo Lehmann vorgeschlagen, den Weg von der Von-Kühlmann-Straße über den Lechsteg bis zur Lechstraße nach Arthur Müller zu benennen. Denn dort nahm das Leben des Arztes eine dramatische Wende.

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In den Landsberger Geschichtsblättern des Jahres 2010 hat Heide Weißhaar-Kiem über Leben und Werk von Arthur Müller geschrieben. Dabei zitiert sie auch aus Artikeln von Paul Winkelmayer. Darin beschreibt der Redakteur eine abenteuerliche Fahrt über den Lech. Am 27. April 1945 hatten deutsche Soldaten die beiden Lechbrücken gesprengt. Müller war zu diesem Zeitpunkt in seinem Haus am westlichen Lechufer. Er wollte aber operieren. Wohl einen amerikanischen Kriegsgefangenen, der im Krankenhaus lag. Müller verhandelte mit den amerikanischen Soldaten am Westufer, die offenbar damit einverstanden waren, dass er im Bereich des heutigen Lechstegs in einem Paddelboot über den Fluss setzte.

„An seinem Arm leuchtete weithin sichtbar die Rotkreuzbinde“, schreibt Winkelmayer am 24. Mai 1945 in den Landsberger Nachrichten über Müllers Überfahrt. Dennoch sei er von deutschen Truppen beschossen worden, die noch in den Lechhängen ausharrten. Der Arzt kenterte und schwamm unter Lebensgefahr ans Ufer. Danach operierte Arthur Müller, zog sich aber infolge des Vorfalls eine schwere Lungenentzündung zu.

In den folgenden Wochen war es Müllers Aufgabe als Chefarzt, im Krankenhaus eine Infektionsabteilung einzurichten. Dort sollten die an Flecktyphus erkrankten Inhaftierten der KZ-Außenlager behandelt werden. Dabei infizierte sich Müller selbst, geschwächt durch die vorausgehende Krankheit, und mit ihm seine Mitarbeiterin Thea Weissenbach, schreibt Heide Weißhaar-Kiem. Beide starben am 26. Mai 1945. Sie wurden am Alten Friedhof bestattet.

Es war eine große Trauergemeinde, die Abschied von dem beliebten Arzt nahm. Schließlich hatte sich Arthur Müller große Verdienste um die Stadt erworben. Ende 1919 hatte er sich als Facharzt für Chirurgie und Frauen in Landsberg niedergelassen und arbeitete wenig später auch im Krankenhaus. „Hier lässt sich kein Mensch von Ihnen operieren“ wurde ihm vorhergesagt. Doch Müller baute das Krankenhaus aus. Am 7. Juli 1929 wurde der Anbau eröffnet, mit nunmehr 127 Betten. Fünf Jahre später baute Arthur Müller privat. Bis zu seinem Tod vor 70 Jahren lebte er in dem Anwesen an der Ecke Kühlmannstraße/Frühlingsstraße mit Blick auf das Städtische Krankenhaus am gegenüberliegenden Ufer.

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