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22.07.2010

Eine fast zärtliche Stimmung

Landsberg Giora Feidman und das Gershwin Streich-Quartett stellten in der Kirche zu den Heiligen Engeln ihre neuste CD "Klezmer and Strings" vor und begeisterten das Publikum

Erwartungsvolle Stille tritt ein, als die vier Musiker des Gershwin Streich-Quartetts die Altarinsel betreten. Sie beginnen, mit gedämpften Instrumenten und entfalten eine zarte Melodie, erzeugen eine zärtliche Stimmung, die das Publikum beinahe die Luft anhalten lässt. Nach diesem Prélude von Sergej Abir, spielen sie ohne langes Zögern weiter und plötzlich erklingen aus der Tiefe des Raums weitere Töne, ein zartes Rufen. Einige drehen sich um, die meisten lassen sich aber von dem Klang und den immer eindringlicher werdenden Klarinettentönen verzaubern. Da ist er, Giora Feidman, schon jetzt eine Musikerlegende. Gemessenen Schrittes bewegt er sich auf den Altar zu, reiht sich neben den vier Streichern ein und singt durch sein Instrument Töne von tiefer Wärme.

Drei weitere Stücke spielen Quartett und Klarinette, ohne ein Wort zu verlieren. Dann endlich lassen sie es zu, dass sich die Begeisterung und das Staunen des Publikums im Applaus entladen. Giora Feidman breitet die Arme aus, deutet eine Umarmung aller an und setzt an zum "Hava Naghila".

Es bedarf nicht vieler Worte und die Stücke müssen auch nicht alle angesagt oder benannt werden. Die Musik spricht ganz für sich. Der kleine, alte Mann mit der Klarinette hat von einem Moment auf den anderen alle für sich eingenommen. Sein Spiel, seine Gestik und sein Lächeln sind unwiderstehlich.

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Das nach seinem ersten Geiger Michel Gershwin benannte Streich-Quartett spielt auf höchstem Niveau. Sie sind nicht nur orchestrale Begleitung, sondern gleichwertiger Klangkörper im Zusammenspiel mit der Klarinettenlegende Feidman. Vor der Pause verkündet Giora Feidman, dass er nun schon mal ein paar Zugaben spielt. Mit dem, aus den Hymnen Israels, Palästinas und Deutschlands geformten und oft gespielten Stück beschwört er die Einigkeit der Völker und den Frieden. Beim anschließenden "Shalom chaverim" überredetet er das Publikum zum Mitsingen und während alle verzaubert ihre Stimmen erheben, gehen Klarinettist und Streich-Quartett aus der Mitte hinaus in ihre Garderobe.

Auch der zweite Teil des Konzertes vermittelt vor allem die außergewöhnlichen Fähigkeiten der Musiker und Freude an der Musik. Ob Klezmer, in "Jewish Wedding", Tangorhythmen von Astor Piazzolla, einem George Gershwin Potpourri oder in der Rumänischen Rhapsody von Georges Enescu, Giora Feidman spielt nicht einfach gekonnt Klarinette, sondern lässt sein Instrument aufschreien, klagen, betrunken lallen und fröhlich singen. Dabei zeigt er sich nicht im Wesentlichen als Ausnahmemusiker, sondern als herzlicher, liebender Mensch, der alle mit seiner Musik berühren möchte.

Zuletzt reißt es das Publikum von den Sitzen und erst nach weiteren Zugaben verebben die langanhaltenden Standing Ovations, nachdem sich Giora Feidman und seine Freunde fröhlich winkend verabschiedet haben.

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