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Natur

26.02.2015

Eine heile Waldwelt gibt es noch nicht

Ein Blick in den Wald: Bei der Auftaktveranstaltung für das forstliche Gutachten zur Lage der Waldverjüngung tauschten sich Förster, Waldbesitzer und Jagdverantwortliche aus.
Bild: Thorsten Jordan

Nach drei Jahren wird wieder ein forstliches Gutachten für die Wälder im Landkreis erstellt. Dabei wird ermittelt, wie sich der Bestand verändert. Die Verbisszahlen sind zwar stark rückläufig, aber es gibt noch Ausnahmen

Um das Ziel „Weg vom reinen Fichtenbestand, hin zu den Mischwäldern“ nicht aus den Augen zu verlieren, erstellt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürstenfeldbruck alle drei Jahre ein sogenanntes „Forstliches Gutachten zur Lage der Waldverjüngung“. Auch heuer ist es wieder soweit. Wie AELF-Leiter Hans-Jürgen Gulder bei der Auftaktveranstaltung im Forstrevier Ammersee bei Hofstetten sagte, bereiten die AELF-Förster von 2. März bis 30. April an 144 bewaldeten Verjüngungsflächen im Landkreis Landsberg die vorgegebene „Verjüngungsinventur“ für das neue forstliche Gutachten auf.

Um dazu die von dieser Maßnahme betroffenen Revierinhaber, Eigenjagdbesitzer, Jagdvorstände und Jagdgenossen auf das aktuelle Verfahren einzustimmen, hatte sie Gulder zusammen mit dem Revierleiter Erwin Schmid an eine der 144 Waldflächen eingeladen. Bevor Amtsleiter Gulder den Gästen vor Ort den Ablauf des bevorstehenden Verfahrens erklärte, versicherte er den Anwesenden: „Um die ständigen Diskussionen zwischen Waldbesitzern, Jägern und Förstern zur Waldverjüngung zu beenden, wurde bereits 1986 dieses Inventurverfahren bayernweit eingeführt. Und zwar in allen Revieren – und das sind einige Zehntausend.“ Dazu gebe es eine Auswertung auf der Ebene der Hegegemeinschaften sowie der Landkreise und des Freistaates. Und der Wert dieser Erhebungen werde alle drei Jahre ermittelt und danach einem Forstgutachten zusammengefasst, so Gulder.

Wie die zurückliegenden zehn Gutachten zeigten, sei der Trend des Wildverbisses im Landkreis Landsberg seit 1986 rückläufig. Soll heißen: „Die Gesamtsituation ist deutlich besser geworden.“ Ausgehend davon, dass vor 20 beziehungsweise 30 Jahren nicht einmal die Hauptbaumart Fichte ohne Schutzzaun überleben konnte, sei der Wildverbiss bei Fichte und Buche auf großen Flächen „kein Problem“ mehr. Positive Veränderungen gebe es auch beim Bergahorn und der Esche. „Aber noch gibt es keine heile Welt“, so Gulder weiter. „Denn es gibt einzelne Reviere, wo der Verbiss zu stark ist, weil zu wenig geschossen wird. Und die können wir mit der revierweiten Aussage identifizieren, wodurch die Untere Jagdbehörde die notwendige Anordnung treffen kann.“ Die Folge: Bei den „grünen“ Revieren könne die Abschusshöhe beibehalten oder sogar gesenkt werden.

Zum Vorgehen erklärte Gulder: „Dieses statistisch gesicherte Verfahren sieht vor, dass man einen älteren Baumbestand aufsucht, in dem eine Natur- oder Pflanzenverjüngung stattfindet. Und hier legen wir eine hundert Meter lange kerzengerade Linie durch den Bestand mit fünf Fluchtstäben. Das heißt, alle 20 Meter steckt ein Fluchtstab im Boden. Und an jedem Fluchtstab werden die jeweils 15 am nächsten stehenden Bäumchen dahingehend überprüft, ob der Leittrieb oder Seitentrieb verbissen ist.“ Das Ergebnis dieser Untersuchung werde durch den jeweiligen Revierleiter vor Ort in den Gelände-Laptop eingegeben. „Von dort gehen diese Daten zur Auswertung in die Forschungsanstalt.“

Auf kritische Nachfrage einiger Jagdvorstände zum zurückliegenden Gutachten antwortete Gulder: „Dieser Konflikt lebt halt immer wieder auf.“ Man werfe den Förstern vor, sie hätten bei der Aufnahme der Daten etwas übersehen oder Werte ungenau weitergeleitet, was bis zu einem Misstrauen gegen das wissenschaftlich abgesicherte Verfahren gehe. Natürlich könnten Fehlerquellen entstehen. „Aber das sind Einzelfälle“, versicherte Gulder der Runde. „Wir betreuen über 300 Reviere und 517 Inventarpunkte. Da kommt es schon vor, dass sich einer ungerecht behandelt fühlt. Aber“, so sein Fazit, „in der Summe herrscht Frieden.“

Jagdbeirat Paul Zahn merkte an: „Anfangs habe ich das Vegetationsgutachten sehr kritisch gesehen. Bis ich Anfang der 90er-Jahre selber festgestellt habe, dass durch die intensive Bejagung der Wald plötzlich zu wachsen anfängt. Der Wald hat sich innerhalb von 25 Jahren positiv, ja sogar als wichtiger Lebensraum entwickelt“, beurteilte Zahn das Ergebnis des Verfahrens. Zum Schluss meinte Josef Berger, Jagdberater am Landratsamt Landsberg: „Ich finde, die Reaktion der Betroffenen hat sich gegenüber früher entschärft, sodass wir bei der Vergabe der Abschusspläne und Festsetzung der Abschusszahlen kaum noch Schwierigkeiten haben.“ Deswegen, so seine Bewertung, „sollten die Abschusszahlen so bleiben, weil der Wald mittlerweile gut wachsen kann“.

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