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22.03.2009

Eine kleine Villa und ein fast bürgerliches Bauernhaus

Dießen Nach einjähriger Pause hat der Heimatverein Diessen heuer wieder die Tradition "Haus des Jahres" aufgenommen. Und der letztjährige Ausfall dieser Ehrung für denkmalpflegerisch engagierte Besitzer schöner und ortsbildbedeutsamer Häuser ist quasi wieder wettgemacht worden, indem am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung des Heimatvereins gleich zwei Plaketten überreicht wurden. Die Empfänger waren die Familie Fesser für das Sepperl-Haus zwischen der Lachener und Egerstraße und Michael Harsch für das Anwesen Buzallee 4.

Örtliche Baukultur erhalten

Dass alljährlich ein "Haus des Jahres" prämiert wird, zeugt von der historischen Schönheit des Dießener Ortsbildes, die sich trotz aller Brüche in der örtlichen Baukultur erhalten hat. Das Sepperl-Haus ist dafür exemplarisch. Vor genau 100 Jahren wurde es von dem Münchner Architekten Karl Bergmann für die Familie Sepperl erbaut. Damals dürfte es noch ziemlich frei am Ortsrand gestanden sein, auf einer Geländeterrasse auf dem zum See hin abfallenden Osthang. Und bis heute trotzt es hier den architektonisch oft weniger gelungenen neuzeitlichen Umgebungsbauten wie Supermärkte und der neuesten Doppelhaus-Serie eines geschäftstüchtigen örtlichen Bauunternehmers vis à vis.

Das kleine Landhaus ist in einer zwischen Historismus und Heimatstil stehenden, damals sehr verbreiteten Architektursprache errichtet und deswegen in die Denkmalliste aufgenommen worden. Es zeichnet sich, so Dr. Thomas Raff, der Vorsitzende des Heimatvereins, in seiner Laudatio, durch eine "wohlproportionierte Kleinteiligkeit und eine lebendige Dachlandschaft aus". Die Schauseiten zum See und in Richtung Alpen wurden reich mit Fachwerk gegliedert.

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Nachdem die letzte Bewohnerin Maria Sepperl gestorben war und eine Verwandte das Anwesen geerbt hatte, ergab sich für den Architekten Maran Fesser die Gelegenheit, die Liegenschaft zu kaufen und umfassend zu sanieren. Ein Umstand, der sich gut in die Familientradition einfügt. Denn auch seine Eltern wurden 1988 bereits einmal vom Heimatverein für ein "Haus des Jahres" - den Gasthof Maurerhansl - ausgezeichnet.

Besonders hervorgehoben wurde vom Heimatverein, dass sich die Familie Fesser bei allen Baumaßnahmen an der Sepperl-Villa an den Vorgaben des Bestands orientiert habe. "Nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch die innere Struktur wurde vollständig erhalten. Mit Details wie Fliesenboden, Holztreppen und Handläufen sei sorgsam umgegangen worden und originale Wandgestaltungen seien freigestellt worden.

Genutzt wird das Sepperl-Haus (inzwischen von seinen neuen Eigentümern Villa Maria genannt) als Ferienhaus, das das Übernachtungsangebot des Hotels Maurerhansl ergänzt und dessen in Dießen unverwechselbaren Stil fortsetzt.

Als Ferienhaus - allerdings nur zum Eigengebrauch - wurde jahrzehntelang auch das Haus Buzallee 4 genutzt. Das Anwesen - ein fast bürgerlich anmutendes, klar gegliedertes Bauernhaus - gehört nicht zum ganz alten Gebäudebestand in Dießen, wurde aber wohl zwischen 1870 und 1880 und damit schon vor dem ersten großen Bauboom in Dießen zur Jahrhundertwende errichtet. 1921 erwarb es der Wissenschaftsverleger Max Niemeyer aus Halle an der Saale, um es vor allem für die Sommerfrische zu nutzen.

Umfassend saniert

Heute bewohnen es dessen 97-jährige Tochter Elisabeth Harsch-Niemeyer und deren Enkelsohn Michael. Im vergangenen Jahr wurde das Haus einer umfassenden Sanierung unterzogen, "die gerade in ihrer zurückhaltenden, gründlich überlegten Art und Weise überzeugt", wie Thomas Raff betonte. Zwar wurde beispielsweise der Putz abgeschlagen, der die großteils mit Tuffsteinen errichteten Außenmauern umgibt, aber die Neuverputzung und Farbe wurden nach genauen Befunduntersuchungen wiederhergestellt. "Alles in allem sehen wir das Haus also heute in der Erscheinung seiner Erbauungszeit" - und das ohne verpflichtende Denkmalschutzauflagen.

Für Raff ist die ausschließlich von örtlichen Handwerkern vorgenommene Restaurierung des gelben, leicht ockerfarbenen Anwesens auch deshalb ein besonders leuchtendes Beispiel, "weil wir wissen, dass manche historische Gebäude in unmittelbarer Nähe des Harsch-Hauses seit Jahren und Jahrzehnten von Verwahrlosung und Abbruch bedroht sind". (Ein Bericht über den weiteren Verlauf der Versammlung des Heimatvereins folgt.)

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