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Girls’ Day

24.04.2015

Einen Tag die Rollen tauschen

Girls’ Day bei Iwis-Ketten im Landsberger Frauenwald: Der Auszubildende Lukas Maier gibt Gina Michel praktische Tipps.
Bild: Julian Leitenstorfer

Beim bundesweiten Aktionstag sollen Schülerinnen typische Männerberufe näher kennenlernen. Und die Buben? Die lernen die Arbeit im Haushalt kennen – zumindest im Landsberger Jugendzentrum

Wenn man das Gelände der Firma Iwis im Frauenwald betritt, stechen einem zunächst die Maschinenhallen und die schweren Waren ins Auge, die dort verpackt und abtransportiert werden. Dass dort zierliche Schülerinnen arbeiten, vermutet man nicht. Doch gestern war der bundesweite Aktionstag Girls’ Day – ein Tag, an dem Jungs und Mädels mal Rollen tauschen und den einen oder anderen geschlechtsuntypischen Beruf kennenlernen sollen. Das war gestern in vielen Betrieben im Landkreis möglich, das Landsberger Tagblatt hat stellvertretend bei Iwis und im Jugendzentrum vorbeigeschaut.

Deshalb sind die Auszubildenden der Firma, die unter anderem Kettentriebsysteme für Automobilhersteller produziert, an diesem Tag nur Zuschauer und Tippgeber. Die Mädchen sind an der Reihe, um die Maschinen zu bedienen. „Wir wollen auch Mädchen motivieren, sich für Technik zu begeistern“, sagt Ausbildungsleiter Sascha Rill. Schon seit rund neun Jahren lernt er Auszubildende an und organisiert jährlich den Girls’ Day bei Iwis. „Wir machen zusammen mit den Mädels eine praktische Übung und zeigen ihnen anschließend das gesamte Werk“, sagt er. Bei der Übung könnten sie sich selbst an den Maschinen versuchen. Denn jeder Teilnehmer fertige heute seine eigene Figur aus Metall an – einen Rosenkavalier. „Gerade durch den aufkommenden Fachkräftemangel wird es immer wichtiger, das Interesse für technische Berufe auch bei Mädchen zu wecken“, sagt Rill.

Gestern hat das laut Rill auf jeden Fall funktioniert. Zwölf Schülerinnen von verschiedenen Schulen haben sich angemeldet und versuchen sich nun am Fräsen, Feilen oder Programmieren der Maschinen. Dabei erfolgt jeder Schritt unter der genauen Beobachtung der Auszubildenden des Betriebs, die sich um die Mädchen kümmern und ihnen, wenn nötig, helfen. „Es macht Spaß, den Mädels die Arbeitsschritte zu zeigen“, erzählt Azubi Max Kuhn. Ist der Rosenkavalier fertiggestellt, darf dieser als Souvenir mit nach Hause genommen werden.

Bei Iwis ist nicht nur die Ausbildung zum Industriemechaniker möglich, das Spektrum im Bereich technischer Berufe ist breit gefächert. „Es gibt unzählige verschiedene technische Ausbildungsberufe“, sagt Sascha Rill. Bei Mädchen sei beispielsweise der Beruf des technischen Produktdesigners sehr beliebt. „Er bildet die Komponente zwischen Mechaniker und Ingenieur.“ Dabei gingen die Unternehmen oft auch auf die Interessen der Auszubildenden ein. „Wir haben momentan auch eine Azubine in Teilzeit, da sie gleichzeitig auch Mutter ist“, erzählt Rill.

Der Girls’ Day scheint sich auszuzahlen. Wie mehrere Ausbildungsleiter sagen, bewerben sich rund ein Drittel der Teilnehmerinnen anschließend um ein Praktikum oder eine Ausbildung bei den jeweiligen Unternehmen. Doch nicht immer klappt der Rollentausch so reibungslos. Beim parallel stattfindenden Boys’ Day im Landsberger Jugendzentrum ist die Motivation der Buben während des Besuchs unserer Zeitung nicht allzu groß, auch wenn das Motto „Coole Jungs sind fit für den Haushalt“ heißt. Typische Hausarbeit wie Fensterputzen, Nähen oder Bügeln fand gestern nicht bei allen teilnehmenden Buben sofort Anklang.

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