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Finning

23.05.2019

Einzelhändler Keicher: "Der Bürgermeister will wohl Sterbehilfe leisten"

Peter Keicher betreibt einen Edeka-Laden in Finning. Bekommt er bald Konkurrenz durch einen Discounter?
Bild: Dieter Schöndorfer

Plus Sollten sich die Finninger für einen Discounter aussprechen, bekommt Peter Keicher Konkurrenz. Er betreibt einen kleinen Lebensmittelladen im Ort.

Während das Bürgergremium Finning auf humorvolle Art im Internet mit einem Gstanzl-Wettbewerb für den Erhalt der Dorfkultur und damit für den Schutz des heimischen Nahversorgers wirbt, hat Bürgermeister Siegfried Weißenbach mit einem persönlichen Bürgerinformationsblatt wohl nun auch Ärger am Hals. Das Landratsamt Landsberg prüft im Rahmen eines rechtsaufsichtlichen Verfahrens unter anderem, ob er vor dem Ratsbegehren seinem Informationsschreiben einen Werbeflyer des Discounters „Netto“ beilegen und verteilen durfte. Aber was sagt eigentlich der Betreiber des kleinen Edeka-Ladens dazu, dass er womöglich bald Konkurrenz bekommt?

Peter Keicher ist eigentlich ein besonnener Mann. Auch jetzt, nachdem die Pläne der Discounteransiedlung kurz vor der Entscheidung stehen – am Sonntag stimmen die Finninger im Rahmen eines Ratsbegehrens über das Ziel der Ansiedlung eines Discounters ab –, bleibt er relativ ruhig. Das hat zum einen den Hintergrund einer Herzerkrankung, die aber schon länger zurückliegt. Zum anderen sei das halt auch sein Naturell, erklärt der 66-jährige Unternehmer ruhig. Allerdings sei er von Siegfried Weißenbachs Vorgehen schon enttäuscht, schließlich kenne man sich schon lange.

Erst 2018 hat er einen sechsstelligen Betrag investiert

Keicher hat lange zur Entwicklung in der Geschichte geschwiegen. Gegenüber dem LT will er jetzt aber doch seine Sicht der Dinge schildern, die seiner Meinung nach auch nicht immer ganz korrekt wiedergegeben wurde. Zunächst räumt er aber ein, dass Siegfried Weißenbach ihn tatsächlich im Frühjahr 2014 erstmals gefragt habe, ob er – damals Anfang 60 Jahre alt – beabsichtige, sein Geschäft noch weiterzuführen. Wenige Wochen später sei seine heutige Ehefrau bei ihm eingezogen. Nur wenig später habe er die 48-Jährige geheiratet. „Die Frage einer Geschäftsaufgabe stellt sich für mich auch gar nicht, zumal meine Frau Petra eine ausgebildete Einzelhandelskauffrau mit viel Erfahrung ist.“ Sie arbeitete unter anderem bei Tengelmann oder Edeka, bevor sie dann in Finning eine Anstellung fand.

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Musiker und Bürger hatten an einem besonderen Wettbewerb teilgenommen: Gstanzl für und gegen den Discounter

Auch die Töchter interessieren sich laut Keicher für das kleine Geschäft im Herzen von Finning und arbeiten bereits in dem seit Jahrzehnten bestehenden Familienbetrieb aktiv mit. Erst im vergangenen Jahr habe er 150.000 Euro in ein kleines gemütliches Café und in eine Frischetheke investiert. Und dann ärgert er sich doch: „Tut man so etwas, wenn man seinen Laden aufgeben möchte?“ Weshalb, so fragt er sich, habe er vom Gemeinderat noch die Baugenehmigung bekommen, wenn offenbar die Ansiedlung eines Discounters gewünscht war. Keicher flüchtet sich in Sarkasmus: „Der Bürgermeister will meinem Laden wohl Sterbehilfe leisten.“

In der Infobroschüre der Gemeinde lag ein Werbeflyer

Das Info-Blatt des Gemeinde-Chefs versteht er zudem nicht. Weißenbach schreibt dort als Argument für die Ansiedlung des Discounters: „Zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde zählt gemäß den gesetzlichen Vorgaben in der bayerischen Gemeindeordnung, die öffentlichen Einrichtungen zu schaffen und zu erhalten, die nach den örtlichen Verhältnissen für das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Wohl notwendig sind.“ Peter Keicher meint dazu: „Das müsste ja wohl eindeutig auch für unseren Familienbetrieb gelten.“

Was er auch nicht verstehen kann: Dem Infoschreiben der Gemeinde Finning, ausgetragen durch einen Gemeindemitarbeiter, ist ein Werbe-Flyer des Netto-Markendiscounters beigelegt.

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