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Vernissage

12.09.2018

Endlich wieder im Museum

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4 Bilder
Eindrucksvoll gerade in ihrer Einfachheit: Lore Kienzls „Felsenstadt“ (Teilansicht), Holz, Eisen und Pigmente, 2018.

30 Jahre Regionalverband Bildender Künstler in Landsberg. Diese Jahresausstellung ist die vorerst letzte im Stadtmuseum

Landsberg Endlich wieder eine Ausstellung im Museum, lange hatten die Mitglieder des RBK, Regionalverband Bildender Künstler Oberbayern-West, darauf warten müssen. „Kunst Raum geben“ lautete deshalb nicht von ungefähr der Titel einer Ausstellung des RBK zu Beginn dieses Jahres in der Zederpassage. Umso größer die Freude der Kreativen über die Einladung von Museumsleiterin Sonia Fischer, zurückzukehren an den Ort ihres Ursprungs. Und so hieß es wie vor dreißig Jahren schon einmal: willkommen RBK im Neuen Stadtmuseum Landsberg. Und: feierlicher Höhepunkt eines arbeits- und ereignisreichen Geburtstagsmarathons mit der nunmehr vierten großen Ausstellung im öffentlichen Raum.

Vertreten sind die teilnehmenden 47 Künstler, gut drei Viertel aller Mitglieder, auch in diesem Jahr wieder mit nur je einem Werk. Gezeigt wird vor allem Malerei, gegenständlich ebenso wie abstrakt, thematisch weit gestreut und in beinahe der gesamten Bandbreite malerischer Techniken. Klassische Themen in klassischer Ölmalerei? So leicht geht die Formel in Marlen Labus’ religiös motiviertem „Sieben Worte“ so wenig auf wie in Ilse Renners „Lichtung II“ oder Grazyna Guerreros Tanz“Studie“ „vertraue auf“.

Das erzählerische Moment in jeder der drei Arbeiten erhält durch die jeweils sehr unterschiedliche künstlerische Umsetzung auch jeweils unterschiedliche „Couleur“: Dem Verlauf der Legende von den sieben Worten Jesu Christi am Kreuz folgend, hebt Marlen Labus in sieben lamellenartig nebeneinander angeordneten Bildelementen den Blick des Betrachters in fortschreitender Farbaufhellung von links unten nach rechts oben und impletiert der Arbeit auf diese Weise ein transzendierendes Moment. Eine eher psychologische Ausdeutung erfährt das Thema Tanz in Grazyna Guerreros Darstellung einer drehenden Hebefigur in gleißendem Scheinwerferlicht, die nur im blinden Vertrauen der Tänzerin auf ihren Partner gelingen kann. Die Augen verbunden, die Arme weit ausgebreitet übergibt sie sich, so das Paradoxon, ganz seiner athletischen Kraft und lässt sich fallen, um nicht zu stürzen. Das von Ilse Renner im Titel „Lichtung“ heraufbeschworene Natur-Idyll wiederum ist bei genauerem Hinsehen voller innerer Brüche: Unheilkündend das orange in den Hintergrund gesetzte, letzte Sonnenlicht zwischen den weiter entfernt liegenden Baumreihen, in dessen Richtung ein einsam an einen Stamm gelehntes altes Fahrrad weist; tiefe Schatten züngeln vom unteren Bildrand an einen der beiden Reifen heran: Man ahnt den Moment voraus, der dieser „Lichtung“ schon bald alles Licht genommen haben wird. Und bangt um einen zurückgebliebenen Unbekannten, dessen einzige Spur ein altes Fahrrad ist.

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„Vermisste“ gibt es auch in Eva Mähls signal-magenta-farbenem „Was fehlt“, einer abstrahierenden Darstellung verschiedener schwarz-blühender Blumen, Trauernde, umgeben vom „Flor“ weißer, unbearbeiteter Bildstellen, in denen sich die Umrisse von Bienen und Schmetterlingen erkennen lassen. Leider ist diese eindrucksvolle, weil ganz ohne erhobenem Zeigefinger auskommende Arbeit, mit der Mähl eine aktuelle Debatte um den Einsatz insektenschädigender Pestizide aufgreift, das einzige große Format in der Ausstellung. Das ist bedauerlich nicht nur, weil der Präsentation dadurch ein im Sinne flächiger Erstreckung gedachtes „Spannungs“Moment genommen ist, sondern vor allem auch, weil die besonderen Möglichkeiten, die das Museum bietet, sich über Standard- und Normalmaße hinauszubewegen, ungenutzt bleiben.

Neben klassischer figurativer und abstrakter Malerei zu sehen, ist überdies eine Reihe an fotografischen und drucktechnischen Arbeiten, und nur vereinzelt Bildhauerisches und Objekte. Hier wird der Schwerpunkt in der Sonderausstellung der Nominierten für den Ellinor Holland Kunstpreis zur Langen Kunstnacht im Foyer des Stadttheaters deutlich anders gesetzt sein.

Traditionell legt der RBK zu seinen Jahresausstellungen einen unter Sammlern und Chronisten mittlerweile sehr begehrten Katalog vor. Je Doppelseite werden darin die Künstler in einer Kurzbiografie oder mit einem kleinen Statement sowie gegenüberliegend dem von ihnen eingereichten Werk vorgestellt. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Künstlervereinigung ist die Jubiläumsausgabe diesmal um einen Anhang mit einem kurzen Abriss zur Historie des Vereins erweitert. Die Jahresausstellung des RBK ist zu sehen bis So., 7. Oktober, zu den regulären Öffnungszeiten des Stadtmuseums, täglich außer montags von 14 bis 17 Uhr, am Wochenende, Samstag und Sonntag, von 11 bis 17 Uhr. An der Von-Helfenstein-Gasse, darauf wies Museumsleiterin Sonia Fischer hin, wird dies die vorerst letzte Ausstellung sein. Danach schließt das Stadtmuseum und beginnen die Vorbereitungsarbeiten zur Sanierung und brandschutztechnischen Ertüchtigung des Hauses.

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