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Pflugdorf-Stadl

08.12.2017

Enttäuschte Bürger kämpfen um die Bankfiliale

Die Bankfiliale in Stadl steht vor der Schließung. Das wollen einige Bürger der Gemeinde nicht so einfach hinnehmen. Am kommenden Donnerstag ist im Bürgerheim Pflugdorf-Stadl eine Informations- und Protestveranstaltung dazu geplant.

Die Schließung der Zweigstelle in Stadl ist am kommenden Donnerstag Thema bei einer Informations- und Protestveranstaltung im Bürgerheim. Es geht nicht nur ums Geld-Abheben.

„Dann müssen die aber das Wort ’Raiffeisen’ aus ihrem Namen streichen“, sagt Josef Arnold verärgert über die bevorstehende Schließung der Stadler Filiale der VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg zum Jahresende. Enttäuscht und verärgert seien viele Kunden über die Pläne des Geldinstitutes mit Sitz in Starnberg (LT berichtete).

Die Vorgehensweise habe in seinen Augen nichts mit dem Grundgedanken der Raiffeisenbanken zu tun. „Muss denn immer alles profitabel sein?“, hinterfragt Arnold. „Kann es nicht mal in erster Linie um das Wohl der Kunden gehen?“ Die Raiffeisen-Idee sei aus dem Bestreben heraus entstanden, sich gegenseitig zu stützen und zu helfen, sagt der Landwirt aus Stadl, der die Schließung nicht hinnehmen will.

Alles in Papierform

Viele Bewohner auf dem Land, auch die Landwirte, seien auf eine Filiale vor Ort angewiesen. „Wir müssen beim Finanzamt alles in Papierform abgeben, das geht dann nicht mehr so einfach“, erläutert Arnold, der für Donnerstag, 14. Dezember, zu einer Info- und Protestveranstaltung ins Bürgerheim geladen hat. „Je nachdem, wie groß das Interesse ist, werden wir nach Wegen suchen, eine Bankfiliale in unserer Gemeinde aufrechtzuerhalten“, sagt der Landwirt. Ihn und viele im Ort ärgere besonders, „dass wir angelogen worden sind. Bei der Verschmelzung vor zwei Jahren hat man uns versprochen, dass sich in den nächsten fünf Jahren nichts ändern werde“, sagt Arnold im Gespräch mit unserer Zeitung.

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Wie lange bleibt der Geldautomat?

2015 hatten die damalige Raiffeisen-Bank Lech-Ammersee eG, die Raiffeisenbank Südöstlicher Starnberger See und die VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg fusioniert. Erste Gerüchte zur Schließung der Filiale in Stadl in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus habe es im Sommer gegeben.

Zwar heiße es vonseiten der Bank, der Geldautomat und der Kontoauszugsdrucker würden weiterhin bestehen bleiben, doch sowohl Arnold als auch Vilgertshofens Bürgermeister Albert Thurner sind sich sicher, dass dies nicht lange Stand der Dinge sein werde. „Spätestens, wenn die Innenabteilung hier auch abgezogen ist, wird sich Grundlegendes ändern“, vermutet Thurner und macht aus seiner Enttäuschung über die Filial-Schließung keinen Hehl. „Jetzt wird eine der drei Hauptstellen einfach geschlossen.“

Eines der größten Bankgebäude im Umkreis

Immerhin sei das Bankengebäude in Stadl eines der größten im Umkreis gewesen, sagt der Bürgermeister und fügt an: „Wenn eine Bank bei uns geht, dann steht die Tür für jede andere Bank offen.“ Das könnte beispielsweise die VR-Bank Landsberg-Ammersee eG sein, sagt Josef Arnold. Zumindest habe man einen Vertreter der Landsberger Genossenschaftsbank zur Versammlung eingeladen.

Stefan Jörg, Vorstandsvorsitzender des Landsberger Geldinstitutes, wird am kommenden Donnerstag als Gast ins Bürgerheim kommen. „Ich höre mir das auf jeden Fall alles an“, sagt er gegenüber dem LT. „Wenn ein Kunde zu uns kommen will, werde ich niemanden abweisen.“

Ob und wie sich die VR-Bank Landsberg-Ammersee in der Gemeinde Vilgertshofen engagieren könnte, darüber werde man sich zu gegebener Zeit Gedanken machen. Festlegen wolle Jörg sich jetzt in keine Richtung. Sicher sei nur, dass sein Geldinstitut sich nicht aus der Fläche zurückziehe. Man habe in den letzten 130 Jahren mit der genossenschaftlichen Idee gut verdient, da werde man die schwierigen Zeiten auch durchstehen.

Nicht mehr machbar

Johann Oberhofer, Pressesprecher der VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg eG, hingegen sagt: „Wir haben das lange beobachtet und festgestellt, dass die Frequentierung der Filiale in Stadl kontinuierlich zurückgeht. Schließen hätten wir eigentlich schon vor Jahren müssen, bis jetzt konnten wir aber querfinanzieren.“ Das sei unter anderem aufgrund der Negativ-Zinslage nicht mehr machbar. „Das ist jetzt ein Schritt, der nicht mehr hinauszuzögern ist, auch wenn er uns wirklich weh tut.“

Im Sinne der Gründer der genossenschaftlichen Banken, Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, „was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“, will Arnold dafür kämpfen, dass auch künftig „die Leute vor Ort Geld abheben, Kontoauszüge holen können und wir einen Ansprechpartner haben.“ Die Versammlung findet am Donnerstag ab 20 Uhr im Bürgerheim Pflugdorf-Stadl statt.

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