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Einsatz in Nepal

25.05.2015

Er half im Chaos nach dem Beben

Gregor Adam (Mitte) aus Kaufbeuren, der bei der Rettungshundestaffel der Johanniter in Landsberg aktiv ist, war eine Woche im Erdbebengebiet in Nepal im Einsatz. Mit seinen Kollegen errichtete er dort eine provisorische Gesundheitsstation und versorgte Verletzte. 
Bild: Johanniter/Paul Hahn

Gregor Adam von der Rettungshundestaffel Landsberg war in Nepal. Zu Hause wartet eine neue Aufgabe auf ihn

Wenn Gregor Adam von seinen Erlebnissen in der Erdbebenregion in Nepal spricht, dann erzählt er von seiner Begegnung mit einem Mädchen. Die Achtjährige trug ihren verletzten, fünf Jahre alten Bruder die gut zweieinhalb Kilometer von ihrem Heimatdorf bis zum medizinischen Behandlungspunkt der Johanniter, an dem Adam tätig war. Das habe ihn beeindruckt. Ebenso die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Menschen, denen er gemeinsam mit seinen Kollegen helfen durfte. Gregor Adam lebt in Kaufbeuren und ist Mitglied der Rettungshundestaffel Landsberg. Es war der erste Einsatz des 50-Jährigen in einem Erdbebengebiet.

Mehrere Erdbeben haben den Himalajastaat ins Chaos gestürzt. Tausende Tote und Verletzte sind zu beklagen. Ende April, sechs Tage nach dem ersten schweren Beben, war Gregor Adam nach Nepal aufgebrochen. Sieben Tage blieb er vor Ort. Während dieser Zeit erschütterten immer wieder Nachbeben die Region um die Stadt Melamchi, die rund vier Autostunden nordöstlich der Hauptstadt Kathmandu im bergigen Hinterland liegt. Vor Ort errichteten die Rettungssanitäter, Notfallmediziner und Logistiker der Johanniter in einer alten Tempelanlage auf 1300 Metern Höhe einen medizinischen Behandlungspunkt.

Gregor Adam, selbst langjähriger Sanitäter, war unter anderem für die Sicherheit der eigenen Teammitglieder verantwortlich. Die war auch bei der Fahrt in entlegene Dörfer in Gefahr. „Wo Gerölllawinen das Durchkommen für Jeeps unmöglich machten, waren wir zum Teil viele Stunden zu Fuß über steile Trampelpfade unterwegs“, sagt Gregor Adam. Häufig seien er und seine Kollegen die ersten nach dem Erdbeben gewesen, die medizinische Hilfe leisten konnten. In der Region seien rund 80 Prozent der aus Lehm und Naturstein errichteten Gebäude zerstört worden.

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Die provisorische Gesundheitsstation der Johanniter auf dem Gelände der Tempelanlage war unter freiem Himmel. Auch die Zelte, in denen Adam und seine Kollegen schliefen. Zu groß war die Angst vor weiteren Beben. Und auch die Bewohner schliefen unter freiem Himmel. „Unsere Patienten sind bei Nachbeben richtig panisch geworden. Daran konnten wir sehen, wie tief der Schock bei den Menschen sitzt“, sagt Gregor Adam. Die meisten Menschen kamen mit unversorgten und häufig infizierten Wunden oder Knochenbrüchen zur Station. Dort seien die Wunden gereinigt, die Brüche erstversorgt sowie die Verletzten geimpft und mit Antibiotika behandelt worden. „Mit der Zeit kamen immer mehr Infektionen der Atemwege und Erkältungen dazu“, sagt der 50-Jährige. Als Grund dafür nennt Adam den Staub und Dreck nach dem Beben und die Tatsache, dass die Menschen nur unter Planen und Wellblech, im Freien schlafen mussten.

Sieben Tage blieb Gregor Adam vor Ort. Dass in Deutschland entschieden worden war, keine Rettungshunde in Nepal einzusetzen, sei im Nachhinein durchaus richtig gewesen, sagt er. Denn zunächst hatte sich der erfahrene Rettungshundeführer darüber geärgert. Doch die Suche nach Verschütteten wäre sinnlos gewesen. In den Trümmern der aus Lehm und Natursteinen erbauten Häuser, hätten sich keine Hohlräume gebildet, in denen Menschen länger überleben hätten können. Nach seiner Rückkehr nach Bayern freute sich Gregor Adam daher nicht nur auf seine Familie (Frau und zwei erwachsene Kinder), sondern auch auf seine Bordercollies Cira (15 Jahre) und Ilvi (fünf Jahre).

Vor 13 Jahren hatte sich Gregor Adam der Rettungshundestaffel Landsberg angeschlossen, die er bis vor zwei Jahren leitete. Ab Juli werde er als Prüfer für Rettungshundeführer tätig werden. Eine neue Aufgabe, auf die er sicht freut. Kraft schöpft er auch aus seinem Einsatz in Nepal: „Wenn ich sehe, über was wir hier oft jammern, muss ich den Hut ziehen vor den Menschen in Nepal, die sich nicht unterkriegen lassen nach so einer Katastrophe.“

Gregor Adam arbeitet bei Mayr Antriebstechnik in Mauerstetten bei Kaufbeuren. „Mein Arbeitgeber hat mir den Einsatz schnell und reibungslos ermöglicht“, sagt er. Das Unternehmen für Maschinenbau unterstütze seinen langjährigen Mitarbeiter, indem es die Kosten für den Einsatz im Erdbebengebiet an die Johanniter spendet. Das sei alles nicht selbstverständlich.

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