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Holzhausen

13.11.2017

Er ist seit 65 Jahren Mesner

Josef Seitz ist seit 65 Jahren Mesner in Holzhausen und hat viele Erinnerungen, die er gerne dem LT erzählt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Josef Seitz hat schon sieben Pfarrherren miterlebt. Und einen Einsturz.

Sieben Pfarrherren, ein Heer an Ministranten, unzählige Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, dazu eine Kirchensanierung mit Einsturz und nachfolgendem Neubau des Schiffs: Josef Seitz hat viel erlebt als Mesner der Pfarrei Johannes Baptist in Holzhausen. Seit schier unglaublichen 65 Jahren übt der gebürtige Holzhausener das wichtige Amt jetzt schon aus.

Nicht immer versah er den Dienst in seinem Heimatort. Acht Jahre lang hatte er eine hauptamtliche Mesnerstelle bei der Pfarrei „Acht Seligkeiten“ mit Verwaltung des angeschlossenen Kindergartens in Füssen inne. Wie ist so eine lange Zeit überhaupt möglich? „Ich bin da halt so reingerutscht“, meint der mittlerweile 79-Jährige bescheiden. Josef Seitz war Ministrant, der damalige Pfarrer Wiedenmann und dessen zwei Haushälterinnen, die auch die Mesnerarbeit erledigten, waren alt und konnten nicht mehr alle Dienste verrichten. „Da hab ich als Ministrant schon immer mitgeholfen.“ Als es dann für die beiden Damen gar nicht mehr ging, „hat mein Onkel, er war Kirchenpfleger, gemeint, dass ich das doch ganz übernehmen könnte.“ Für den damals 14-Jährigen war das auch deshalb möglich, weil er nach Beendigung der Volksschule die landwirtschaftliche Berufsschule besuchte und daheim arbeitete.

Zur Vollzeitstelle in Füssen kam Seitz über einen Pfarrer, der ursprünglich in Holzhausen Liturgie feierte. „Das war meine schönste Zeit“, meint er heute rückblickend. Nach acht Jahren war Schluss, „dann hab ich zurück gemusst nach Holzhausen, weil sie da ohne Mesner waren“. Und wie ist es so als Mesner, welche Einschränkungen bringen dessen Aufgaben mit sich? Früher, zu Beginn seiner Zeit als Mesner, habe dieser Dienst viel mehr Arbeit gemacht, erinnert sich Josef Seitz, „schon weil viel mehr Gottesdienste gefeiert wurden als heute“. Auch die Glocken wurden anfangs noch händisch zum Klingen gebracht. „Wir hatten aber ziemlich schnell ein elektrisches Geläut“, so Seitz. Für Blumenschmuck und Kirchenreinigung engagieren sich zwar andere Personen, trotzdem bleibt noch viel am Mesner hängen. Das fängt damit an, dass Josef Seitz die Kirche aufsperrt und endet auch mit dem Zusperren noch nicht. Josef Seitz richtet alles für Gottesdienste her. Dazu gehört nicht nur das Kerzenanzünden. „Ich mache in der Sakristei Ordnung, bereite das Messgewand für den Pfarrer vor, helfe den Ministranten beim Ankleiden, kümmere mich um die Kirchenheizung.“ Der Mesner hält Rosenkränze mit anschließender Andacht, kontrolliert regelmäßig Geläut und Kirchturmuhr. „Im Winter kommt bei Bedarf Schneeräumen dazu, dass die Gottesdienstbesucher gut in die Kirche kommen.“ Er schaue halt nach dem Rechten, meint Josef Seitz in aller Bescheidenheit. „Zu 99 Prozent ist er Mesner“, meint hingegen Ehefrau Lisa schmunzelnd, „er kennt die Kirche in- und auswendig.“

Da bleibt es natürlich nicht aus, dass er immer wieder um Informationen gebeten wird und Ansprechpartner ist für Leute, die nicht wissen, wohin sie sich in Fällen wie Taufe oder Beerdigung wenden sollen. Größte Aufregung in den 65 Jahren Mesnertätigkeit war der Kircheneinsturz nach Beginn der fälligen Renovierung. Den notwendig gewordenen Anbau an den Altarraum, der das Desaster überlebt hat, empfindet Seitz als sehr gelungen. Und wie war es mit den sieben Pfarrern? „Selbstverständlich hatten die alle ihre Eigenheiten“, meint Josef Seitz lachend, „aber darüber wird nicht gesprochen.“

Für andere Dinge wie Vereine oder eine längere Urlaubsreise bleibt da nicht mehr allzu viel Zeit, zumal Josef Seitz auch Fortbildungen und Exerzitien des Mesnerverbands wahrnimmt. Die Einschränkungen werden vom Ehepaar Seitz in Kauf genommen, „Ausflüge machen wir halt während der Woche“, sagt Lisa Seitz. „Man muss wissen, wofür man es macht“, auf diesen einfachen Nenner bringt Josef Seitz seine Arbeit in der und für die Kirche. „Mesnerdienst ist Josefsdienst, für den Herrgott und für die Menschen.“

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