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Landsberg

19.04.2015

Er schuf reizende Erfindungen

Rund 40 Altar- oder Einzelfiguren stammen in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt aus den Meisterhänden des Künstlers Johann Luidl, dessen Todestag sich am kommenden Donnerstag zum 250. Mal jährt.
Bild: Thorsten Jordan

Der Bildhauer Johann Luidl starb vor 250 Jahren. In Stadt und Landkreis hat er eine Vielzahl kirchlicher Skulpturen gefertigt – zum Beispiel kleine Engel mit Kugelbäuchlein

Am 23. April jährt sich zum 250. Mal der Todestag des Bildhauers Johann Luidl. Im Barock und Rokoko unterhielt er nach seinem Vater Lorenz Luidl von 1717 bis 1758 über 40 Jahre die einzige Bildhauerwerkstätte in Landsberg und versorgte Stadt und Landkreis mit einer Vielzahl kirchlicher Skulpturen. Stadtheimatpfleger Werner Fees-Buchecker blickt auf dessen Leben und Werk zurück.

Landsberg Geboren 1686 in Landsberg erlernte Joahnn Luidl das Bildhauer- und Holzschnitzerhandwerk bei seinem Vater, dem bedeutenden Lorenz Luidl, der aus Mering kommend die Luidl-Werkstätte 1668 in Landsberg begründete. Man schätzt, dass die Bildhauerfamilie Luidl, Vater und Sohn, über 1000 Skulpturen für den Landkreis geschaffen hat. Fast in jeder Kirche des Landkreises kann man Luidlwerke finden. In der Stadtpfarrkirche befinden sich rund 40 Altarfiguren oder Einzelfiguren von Johann Luidl (ohne die Putti und Engel in den Altarauszügen und den Figuren der Krippe und des Kalvarienbergs). In der Johanniskirche schuf er neben den Seitenaltarfiguren die bewegte Figurengruppe der Taufe Christi durch Johannes wie auf einer Bühne in der Art eines barocken „teatrum sacrum“. Seine Pieta in der Wegkapelle (heute Kopie) an der hinteren Malteserstiege kennen viele Landsberger.

Nach der Lehre bei Lorenz Luidl schuf Johann als Meisterstücke 1713 mit den beiden Statuen von Kreszentia und Modestus an den beiden westlichsten Pfeilern im Langhaus der Stadtpfarrkirche eindrucksvolle, farbiggefasste Heiligenfiguren. 1717 übernahm er, schon 31-jährig, die Werkstatt und die Bildhauergerechtigkeit und heiratete Maria Anna Zwing, die Tochter eines kurfürstlichen Salzstadelknechts. Er besaß zwei Häuser, das Haus Kochgasse 373, das er 1737 verkaufte und das Haus Kochgasse 369, das zunächst die Werkstatt beherbergte.

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Johann Luidl war ein angesehener Handwerkmeister in der Stadt. Er wurde in den Äußeren Rat gewählt und war von 1735 bis 1752 Mitglied dieses Gremiums der kommunalen Selbstverfassung. Als Mitglied des Äußeren Rats war er Bruderhauspfleger, Bierkommissar, Blatterhauspfleger, Marktkommissar und Spitalverwalter. Als letzterer bekam er aber Schwierigkeiten wegen Unstimmigkeiten bei der Rechnungslegung des Heilig-Geist-Spitals.

1758 übergab er seinen Bildhauerbetrieb Johann Chrysostomus Leuthner aus Türkheim, arbeitete aber auch danach noch, zum Beispiel für die Stadtpfarrkirche. 1760 kaufte er sich als Pfründner im Heilig-Geist-Spital ein, blieb aber in seinem Haus wohnen. 1765 starb er, 1768 folgte ihm seine Frau. Da er ohne Nachkommen blieb, wurde sein Wohnhaus in der Kochgasse 369, am Fuß der Malteserstiege, das heute noch zwei Tafeln mit den Initialen seines Vaters „L L B“ (= Lorenz Luidl Bildhauer) zieren, 1771 an einen Bierbrauer verkauft.

Als Mensch muss Luidl aber zeitweilig ein schwieriger und jähzorniger Zeitgenosse gewesen sein. Er war immer wieder in Nachbarschaftsstreitigkeiten und -beschimpfungen verwickelt. Klaus Münzer hat in den Ratsprotokollen mehrere Auseinandersetzungen entdeckt, in die Johann verwickelt war. Einmal schlug er einer Nachbarin mit einem Besenstiel so auf den Arm, dass der Arm gebrochen war und musste die Baderkosten tragen. Meist bekam aber Johann Luidl Recht und die Nachbarn, die ihn mit Schimpfworten und Injurien, wie Schelm, Lump, Hurenbub belegten, mussten Strafen erleiden.

Johann Luidl wird in der Forschung als Künstler oft nicht so hoch eingeschätzt wie sein Vater Lorenz Luidl. Er behielt den vom Vater übernommenen Stil mit überreichem Faltenwurf und manchmal exaltierten Bewegungen, wie stark zur Seite geneigtes Haupt und hochgestelltes, fast rechtwinklig verdrehtes Spielbein, sein Leben lang bei. In seinen späteren Schaffenjahren schufen aber zum Beispiel Johann Baptist Straub, Ignaz Günther oder Franz Xaver Schmädl schon elegante und durchgeistigte Rokokoskulpturen. Bei Johann Luidl gibt es dagegen „keine glattanliegenden Gewandpartien oder größere, ruhig fließende Bahnen“, wie der ehemalige Kreisheimatpfleger Wilhelm Neu formulierte.

Betrachtet man das Werk von Johann Luidl, ist zu sagen, dass er genauso wie sein Vater einen unverkennbaren Individualstil pflegte und äußerst produktiv eine Unzahl von Skulpturen von hoher künstlerischer Qualität und viele markante, einprägsame Heiligenfiguren schuf. Der strenge und manchmal starre Gesichtsausdruck mancher Figuren von Lorenz weicht bei ihm einem individuelleren und beseelteren Ausdruck, bis hin zu „liebenswert-schelmisch lächelnden Gesichtern“. Wilhelm Neu schreibt: „Er hat es verstanden den kraftvoll-einprägsamen Schnitzstil Lorenz Luidls fast nahtlos weiter zu führen … und so ist er der liebeswert-volkstümliche einheimische Bildschnitzer geblieben, dessen Produktivität bis zuletzt unerschöpflich war.“

Viele seiner Werke vergisst man nicht so leicht, wie die Hochaltargruppe in der Johanniskirche oder die schon erwähnten Kreszentia und Modestus, oder seinen Ritterheiligen Florian und den Graf Rasso in der Stadtpfarrkirche. Seine Putten, zum Teil mit Kugelbäuchlein, sind oft reizende Erfindungen. Er schuf sicher genau wie sein Vater Figuren für die Luidlkrippe und mit den vollplastisch geschnitzten Kreuzwegfiguren des Kalvarienbergs in Mariä Himmelfahrt ein singuläres und originelles Werk in ganz Bayern. Er hat die kirchliche Kunst in Landsberg und im Lechrain fast 50 Jahre lang geprägt. Diese wäre ohne ihn viel ärmer.

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