Newsticker

Spanien verhängt erneut Notstand und Ausgangssperre
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Eresing: Ein junger Mann, der für eine alte Firma brennt

Eresing

09.07.2020

Eresing: Ein junger Mann, der für eine alte Firma brennt

Geschäftsführer Jonas Schneider hat die Leuchtenfirma Schönecker in Eresing vor zwei Jahren übernommen.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Leuchten und mondänes Interieur sind die Domäne von Schönecker Leuchten in Eresing. Wie der Jungunternehmer Jonas Schneider innerhalb von zwei Jahren eine seit 50 Jahren bestehende Firma zukunftsfähig gemacht hat.

Licht macht eigentlich auch eine ganz normale, nackte Glühbirne. Doch zugegeben: hübsch verpackt sieht sie besser aus. Licht in seiner schönsten Form zu präsentieren ist die Spezialität von Schönecker Leuchten in Eresing. Vor zwei Jahren hat Jonas Schneider aus Utting das Unternehmen mit heute 13 Mitarbeitern von der Familie Schönecker übernommen und in Schönecker Leuchten Lake Works umfirmiert. Und mittlerweile hat sich einiges verändert.

Jonas Schneider, ehemaliger Landheim-Schüler und heute 24 Jahre alt, war damals noch im dualen Studium Betriebswirtschaftslehre und Marketingmanagement, als er mit den Schöneckers zufällig bekannt wurde. „Dieter Schönecker war bereits 80 Jahre alt. Er hatte keine Kinder und es fand sich auch kein Nachfolger“, erinnert sich Schneider. So blieb dem Unternehmer nur weiterzumachen – bis sich Schneider ein Jahr später zur Betriebsübernahme entschloss.

Seit 1998 ist das Unternehmen in Eresing

Schönecker Leuchten gibt es bereits seit 50 Jahren, zuerst in Gilching, dann ab 1998 in Eresing. Die klassische Leuchtenkollektion wird über ein Händlernetzwerk in Deutschland, Österreich und in der Schweiz vertrieben, aber auch Raumausstatter und Innenarchitekten greifen gern darauf zurück. Eine Auswahl dieser Leuchten ist im Firmengebäude im Gewerbegebiet zu besichtigen. Ein Teil davon wird jedoch ab nächstem Jahr Geschichte sein, denn Schneider will eine neue Kollektion auf den Markt bringen.

Die Steh-, Wand-, Tisch- und Deckenleuchten verbindet bei aller Unterschiedlichkeit ein Element, und das ist der Schirm. Faszinierend, welche Materialien für dessen Gestaltung und Anpassung an das Interieur von Privathäusern, Hotellobbys, Boutiquen, Restaurants oder öffentliche Bereiche verwendet werden: Tapeten, Krawattenstoff oder Stoffe von edlen Modemarken wie Missoni und Etro. Auch die Leuchtenfüße stehen dem in nichts nach und präsentieren sich mal hochglanzlackiert, mit Rehfell oder Leder bezogen, eisen- oder betonbeschichtet.

Fachkräfte wie Metallbinder und Schirmmacher

Schönecker hat sich auf Einzelstücke und Kleinserien spezialisiert. In den verschiedenen Werkstätten, die der junge Chef Besuchern gerne zeigt, finden sich manuell zu bedienende Maschinen ohne Computersteuerung. Hier sind Handwerker am Werk, viele davon seit 15 bis sogar 35 Jahren, darunter auf die Messingverarbeitung spezialisierte Gürtler, Metallbildner und Schneiderinnen für die Schirmfertigung. Stangenmaterial, Rohre und Platten warten auf Weiterverarbeitung. In der Schneidmaschine liegen Messingplatten bereit, die einmal die Wände einer Küche verzieren werden.

Da sind Spezialisten gefordert: Der Metallbinder Markus Plock  lötet Messingrohre zusammen.
Bild: Thorsten Jordan

An den Maschinen sind die Fachkräfte mit bohren, fräsen und drehen beschäftigt. Alle Arbeitsgänge werden in den eigenen Werkstätten erledigt, sogar ein Ultraschallbad für die perfekte Reinigung und ein Hochofen für die Lackeinbrennung sind vorhanden. In der Montagewerkstatt stehen 1,5 Meter hohe Altholzsäulen, vermutlich aus einem abgebrochenen Dachstuhl. Es braucht schon eine spezielle Vorrichtung, um sie der Länge nach zu durchbohren und zu Lampenfüßen umzuwandeln. In der Schneiderwerkstatt ist Sylvett Müller damit beschäftigt, Lampenschirme für den Überzug mit Seide vorzubereiten. Ausgefallene Stoffe, viele davon aus Seide oder fein mit Metallfäden durchwoben und in den Farbschattierungen exakt aufeinander abgestimmt, lagern hier. Was fehlt, sind Mitarbeiter, vorzugsweise aus dem metallverarbeitenden Gewerbe, beklagt Jungunternehmer Jonas Schneider. Diese sind auch deshalb besonders wichtig, weil Schneider innerhalb kürzester Zeit weitere Standbeine aufgebaut hat.

Mit Old-School-Materialien entsteht modernes Interieur

Während Schönecker weiter als Marke dient, wendet sich die Lake Works GmbH auch dem Direktverkauf und dem Onlinehandel zu – jedoch mit einem anderen Sortiment. Auch fertigt die Firma Metallprodukte für andere Marken und Erstausrüster (OEM), beispielsweise Regale, die diese dann vertreiben. Zudem hat sich Jonas Schneider darauf spezialisiert, auf Kunden- oder Architektenwunsch Leuchten zu designen. Hierzu kann er auf die Expertise seiner Mutter Henriette, einer Architektin, zurückgreifen. Ein Zukunftsprojekt sind besondere Metallgriffe, Prototypen sind schon vorhanden.

Ein Blick in den Showroom von Leuchten Schönecker in Eresing.
Bild: Thorsten Jordan

„Wir wollen unsere Möglichkeiten ausschöpfen“, sagt Schneider, und der Erfolg gebe ihm Recht, denn gerade über den OEM-Vertrieb haben sich ihm Wege eröffnet, weltweit hochpreisige, aber auch hochwertige Leuchten mit Spitzenpreisen bis zu 20.000 Euro zu verkaufen. Während andere Leuchtenhersteller unter dem Billigpreisdruck durch Waren aus China bereits schließen mussten, laufen bei Schönecker Leuchten die Geschäfte gut, trotz Corona. Zwar sei ein Einbruch durch die lange Schließung der Händler zu spüren, sagt Schneider, jedoch habe man die Zeit gut nutzen können für die Entwicklung von Prototypen. Der Erfolg gründe auch auf dem derzeitigen Trend, der weggehe von Edelstahl und sich zurückbesinnt auf früher beliebte Metalle wie Messing und Kupfer, also Materialien, wie sie Schönecker seit Langem einsetzt. „Wir schaffen den Spagat, aus Old-school-Materialien modernes Interieur herzustellen“, beschreibt Jonas Schneider seine Erfolgsgeschichte.

Das Eresinger Gewerbegebiet, in dem die Firma Schönecker ihren Sitz hat, wird derzeit erweitert. Hier lesen Sie mehr darüber: Der Trockenbauer hat die Nase vorn

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren