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Landsberg

24.02.2020

Erneuerbare Energie: Zwei Pioniere aus Landsberg blicken zurück

Wolfgang Michalke (links) und Wolfgang Weisensee vor einem ihrer Windräder in Krähmoos im Fuchstal. Die beiden setzten schon früh auf erneuerbare Energien.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Schon vor über 20 Jahren interessierten sich Wolfgang Michalke und Wolfgang Weisensee für Windkraft und Fotovoltaik. Michalke baute in Jengen das erste Windrad.

Das vergangene Jahr stand im Zeichen der Demonstrationen für mehr Klimaschutz, angestoßen von der Bewegung Fridays for Future (FFF). Wie steht es um die erneuerbaren Energien im Landkreis? Das LT hat mit Wolfgang Michalke und Wolfgang Weisensee gesprochen, die sich seit über 20 Jahren damit beschäftigen und zu den Pionieren in der Region zählen. Am Anfang mussten sie einige Hindernisse überwinden.

Bei Wolfgang Michalke begann alles 1998 in Ostdeutschland. „Ich war in Landsbergs Partnerstadt in Waldheim und bin quasi über ein Windrad gestolpert.“ Die Firma Windstrom habe darum geworben, dass man sich als Geldgeber beteilige. „Es war so eine Art Crowdfunding, mein Bruder Alfred und ich haben uns beteiligt.“ Und Michalke dachte sich, „auch bei uns in Bayern pfeift der Wind“, und gründete die Firma Windstrom-Süd GmbH mit seinem Bruder und Geschäftspartnern. Und er baute 2002 ein Windrad in Jengen, und zwar aus Stahl, der sei im Gegensatz zum Beton recycelbar. War es das erste in der Region? Zumindest das erste in dieser Größenordnung mit einer Turmhöhe von 100 Metern und 40 Meter-Flügel. Wolfgang Weisensee war als Geldgeber mit dabei.

Freunde und Bekannte sind die Geldgeber

Denn so ist zumeist das Prinzip der Projekte, die die beiden umsetzten: Man holt sich als Geldgeber Freunde, Bekannte und wenn möglich auch Bürger vor Ort ins Boot. „Es sind immer die Gleichen, aber der Kreis wird immer größer“, sagen Michalke und Weisensee. Übrigens erzählen beide, dass weniger das technische Know-how, das man sich aneignen musste, schwierig war, sondern die Bürokratie. „Der Genehmigungsweg war steinig“, sagt Michalke. Als Pioniere der erneuerbaren Energie standen sie anfangs vor vielen unbeantworteten Fragen: Wie hoch ist der Ertrag? Wie hoch sind die Betriebskosten? Und wie lange funktioniert das System? Basis der Kalkulationen war das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das ab 2000 Vergütungen für eingespeisten Strom zahlte.

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Was war der Antrieb, beruflich in diese Richtung zu gehen? „Ich war schon 1978 Atomkraftgegner. Es reicht aber nicht, nur gegen etwas zu sein, man muss auch Lösungen anbieten“, sagt Michalke. Wolfgang Weisensee näherte sich dem Thema erneuerbare Energien anfangs als Privatmann: „Ich habe vor 25 Jahren ein baubiologisches Haus gebaut und war anfangs mehr bei meiner Heizung als bei meiner Frau.“ Als einer der ersten in Landsberg baute er sich eine Zwei-Kilowatt-Fotovoltaikanlage aufs Dach. „Es hat mich damals erschreckt, wie wenig Strom für wie viel Geld produziert wird.“ Weisensee interessierte sich aus ökologischer Sicht, aber auch aus technischer Neugier für erneuerbare Energien.

Warum brauchen Pferde warmes Wasser?

Er bildete sich weiter und baute bei seiner Schwester bei Jengen eine erste große PV-Anlage auf das Dach einer Reithalle. „Wenn man vernünftig baut, passt es ökologisch und ökonomisch“, so Weisensees Erkenntnis. Anfangs habe es dumme Fragen gegeben, beispielsweise, warum die Pferde warmes Wasser bräuchten. Der Fragesteller hatte eine Fotovoltaikanlage zum Stromerzeugen mit Solarzellen, die Wasser erwärmen, verwechselt.

Die Sache mit den PV-Anlagen etablierte sich und der Maschinenring rief bei Weisensee an, ob er als Berater fungieren wolle. „Ich bin am Wochenende und an den Abenden auf Dächern rumgekraxelt.“ Nahe dem Hof der Familie Kaindl in Schwifting sei dann die erste Freiflächenanlage gebaut worden. Jetzt laufe die Anlage seit 16 Jahren und liefere 1,1 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. „Das entspricht dem Verbrauch von 350 Haushalten.“Auch bei Weisensee entwickelte sich das Engagement zu einer Firma mit Angestellten. Michalke und Weisensee haben auf dem Gelände des alten Munitionsdepots in Asch eine Freiflächenanlage mit 1,8 Megawatt Leistung gebaut, die jetzt von der VR-Bürgerenergie Landsberg betrieben wird. Die Freiflächenanlagen werden übrigens nicht gespritzt, nicht gemulcht und Ziegen, Schafe oder der Balkenmäher halten das Gras kurz.

So haben sich die erneuerbaren Energien im Landkreis entwickelt

Wie haben sich die erneuerbaren Energien generell im Landkreis entwickelt? Das LT hat bei Netzbetreibern nachgefragt. Pressesprecher Ingo Butters vom LEW Verteilnetz (LVN) spricht von erheblichem Zuwachs. Lag die Zahl der PV-Anlagen 2014 bei 4933 Anlagen, waren es 2018 bereits 5579. Die Anzahl der Windräder erhöhte sich von vier auf sieben. Wurden 2014 über 221 Millionen Kilowattstunden Strom aus Biomasse, Solar, Wasserkraft und Windenergie im LVN-Bereich erzeugt, sind es 2018 257 Millionen.

Im Bayernwerknetz waren es 2012 303 Fotovoltaikanlagen, 2018 459 Anlagen, die Erzeugung lag mit Biomasse 2012 bei 8,6 Millionen Kilowattstunden, 2018 bei 12,7 Millionen. Die Stadtwerke Landsberg haben 2011 das Stromnetz übernommen, bei den Fotovoltaikanlagen wurden damals 6,2 Millionen Kilowattstunden erzeugt, 2018 waren es 13 Millionen. Mit Biomasse, Klärgas und Wasserkraft ging es von 11,8 Millionen Kilowattstunden auf 21 Millionen. Bei den Stadtwerken Fürstenfeldbruck waren es 2010 11,5 Millionen und 2019 17,3 Millionen Kilowattstunden aus erneuerbaren Energien.

Ein anderer Teil unserer Serie beschäftigt sich mit dem Thema Müll: Landsberg: Zwei Jungs sagen dem Müll den Kampf an

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