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Vernissage

21.02.2011

Eröffnung beginnt mit Ende

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3 Bilder
Die fünf „Grenzsituationen“-Künstler auf einem Bild.

„Grenzsituationen“ in der Säulenhalle

Landsberg Es gibt wohl viele Arten, eine Ausstellung zu eröffnen, doch wenn eine Vernissage mit einem Leichenzug beginnt, darf der Besucher gespannt auf das sein, was er noch zu sehen bekommen wird.

Dass die Performance „Das letzte Leuchten“ der Künstlerin Maren Labus den Auftakt zu einer Gemeinschaftsausstellung von fünf Künstlern aus Landsberg und der Ammersee-Region bildet, ist nur konsequent, haben sich Gisela Detzer, Grazyna Guerrero, Gerd Hoffmann, Maren Labus und Renate Schmidt doch künstlerisch mit dem Thema „Grenzsituationen“ auseinandergesetzt. Ganz im Sinn des deutschen Psychiaters und Philosphen Karl Jaspers haben sich die fünf malend, fotografierend und mit Installationen der Aufgabe gestellt, Lebensstationen im Ausnahmezustand nachzuspüren, sie auszuloten und bildnerisch umzusetzen, oder wie Maren Labus, die auch die Initiatorin der Ausstellung ist, in ihrer Eröffnungsansprache meinte: „Kunst ist Philosophie.“ Bei ihrer Vorbereitung gelangten die Künstler sehr schnell selbst an Grenzen, solche, die überschritten werden konnten oder mussten, und andere, die sie annehmen mussten.

Die Luft zum Atmen

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Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn es beleuchtet die vielen unterschiedlichen Aspekte des Grenzbegriffs. Grenzen engen ein, machen Angst, nehmen die Freiheit und die Luft zum Atmen, diesem Aspekt stellt Gerd Hoffmann seine „Hommage à Banksy“ (vermutlich 1974 geborener enigmatischer britischer Street Artist, der nur über sein Werk zu fassen ist) entgegen. Die verbal und bildnerisch formulierte Vorstellung „Freiheit könnte sein, wenn Luftballons Kinder über Grenzen tragen“ zeugt von großem Vertrauen in die Kraft der Imagination. Nach der Überwindung der eigenen Grenzen zu streben, ist ein Ideal, das viele Extremsportler wie zum Beispiel Reinhold Messner antreibt. Renate Schmidt thematisiert den „Tunnelblick“, der sich in Grenzsituationen instinktiv einstellt, um das nackte Überleben zu sichern. Sichtbare und vor allem unsichtbare Grenzen fordern gerade auch Jugendliche mit ihrem Gefühl von Unverwundbarkeit zur Überschreitung heraus. In diesem Sinn interpretiert, besitzt die Installation „Komasaufen“ von Maren Labus, die durch die hängenden Masken von Grazyna Guerrero kongenial vervollständigt wird, eine sehr aktuelle, nachdenklich stimmende Dimension. Überhaupt sind es die überraschend aktuellen Bezüge der ausgestellten Werke zu zeitgenössischen gesellschaftlichen und politischen Themen, wie dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, mit dem sich Gerd Hoffmann in mehreren Bildern auseinandersetzt, die den Betrachter immer wieder mit seinen eigenen Grenzen und den dahinter liegenden Ängsten konfrontieren. Fast jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens Situationen, in denen er angstvoll den Fragwürdigkeiten der Existenz ausgesetzt ist, sei es durch den Verlust des Arbeitsplatzes, den seiner gesamten bisherigen Existenz durch eine Naturkatastrophe oder das Scheitern einer zwischenmenschlichen Beziehung. Nach Karl Jaspers Existenzphilosophie kann der Mensch nur im Aushalten von Grenzsituationen und Annehmen seines Scheiterns das Leben „als persönliche, irrationale, durch nichts aufhebbare Verantwortung erfahren“.

Keine leicht verdauliche Materie, und entsprechend reflektiert sind die in unterschiedlichen künstlerischen Medien gefundenen bildnerischen Antworten der Künstler. Es ist eine anspruchsvolle Ausstellung geworden, und die Vorstellung, die Säulenhalle könne auch ein Verlies sein, ist auf einmal gar nicht mehr so abwegig. Die Arbeiten der fünf sind bis einschließlich Donnerstag, 3. März, jeweils Dienstag bis Freitag von 16 bis 20 Uhr und Samstag und Sonntag von 11 bis 20 Uhr in der Säulenhalle am Stadttheater, Schlossergasse 381, zu sehen. Alexander Netschajew wird am Sonntag, 27. Februar um 18 Uhr begleitend zur Ausstellung den Einakter „Literatur“ von Arthur Schnitzler lesen.

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