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Kaltenberg

08.12.2018

Es duftet in Kaltenberg jetzt nach Lein und Hanf

Ölmühle im Gewerbegebiet: v.l. Inhaberin Lina Laukart, Antje Laukart und Georg Laukart
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Ölmühle im Gewerbegebiet: v.l. Inhaberin Lina Laukart, Antje Laukart und Georg Laukart
Bild: Thorsten Jordan

In einem ehemaligen Laden in Kaltenberg presst die Familie Laukart Öl. In der Manufaktur „olio vero“ hat jedes Familienmitglied seine Aufgabe. Und auch die Hunde müssen ran.

In der Luft liegt feiner Duft nach Lein und Hanf. Hinter einer Glasfront läuft eine kleine Maschine, die eine Endlosschlange ausspuckt und in einem großen Papiersack verschwinden lässt. Auf schmalen Regalen an einer Wand des großzügig gestalteten Raums stehen kleine dunkle Flaschen. Auf einer Theke liegen Bücher und Informationsschriften aus. Das ist „olio vero Ölmanufaktur Kaltenberg“.

Seit Kurzem kann dort aus verschiedenen Saaten frisch gepresstes Öl gekauft werden. Der Name „Manufaktur“ ist ein Hinweis darauf, dass Arbeitsabläufe sichtbar gemacht sind. „Auslöser für die Ölmühle war unser jüngster Sohn“, erzählen Antje und Georg Laukart. Er habe eine gewisse Sensibilität entwickelt, was Essen betrifft, Fleisch abgelehnt und selbst gekocht. Zudem war dem Ehepaar Laukart daran gelegen, „etwas Gescheites zum Mittelpunkt unseres fortgeschrittenen Lebens“ zu machen, wie Georg Laukart schmunzelnd berichtet.

Aus der öligen Idee wurde ein Familienprojekt

Es wurde das Thema Öl. Das Ehepaar, das seit fünf Jahren in Kaltenberg lebt, absolvierte am Bodensee einen Vorbereitungskurs, schaffte eine Ölmühle an und probierte diese aus. Weihnachten tagte der Familienrat, drei Monate später entdeckte Antje Laukart beim Spaziergang mit den Hunden eine leer stehende Ladenfläche am Schönauer Ring. Mit dem Hauseigentümer, einem Kaltenberger Gewerbetreibenden, waren sich Laukarts schnell einig. Die Ölmühle nahm Gestalt an – und wurde zu einem richtigen Familienprojekt. Ein Sohn ist Schreiner, seine Partnerin Architektin. Letztere habe das Design entwickelt und Entwürfe angefertigt. „Die handwerkliche Umsetzung lag dann bei unserem Sohn.“

Und diese ist edel: Regalbretter und Theken sind feine Platten aus einer Eiche, die in unserer Gegend gewachsen ist und bereits jahrelang abgelagert wurde. Die Tochter entwarf und gestaltete Flyer und Produktkarten, auf denen Informationen zu den angebotenen Ölen zusammengetragen wurden. Sie ist auch Geschäftsführerin der Kaltenberger Ölmühle. Vor Kurzem war Eröffnung. „Morgens um Vier standen wir schon im Laden“, erzählt Georg Laukart, „und haben noch unser Firmenlogo, einen großen Öltropfen an der Theke befestigt.“

Der vermeintliche Abfall wird anderweitig verwertet

Seither ist an mehreren Tagen pro Woche geöffnet und meist läuft auch die Mühle. Sie ist ein besonderes Schmuckstück. Die Saaten werden wirklich kalt gepresst, dafür sorgt die Wasserkühlung, die das Material konstant auf 32 Grad hält. Der Presskuchen erhitzt sich vor dem Austritt und tritt als absolut trockenes Material aus. Das gewonnene Öl wird in einem größeren, abgedeckten Behälter aufgefangen. Wenn sich Schwerstoffe abgesetzt haben und das Öl klar ist, wird es in Flaschen abgefüllt. Acht verschiedene Öle werden derzeit gepresst.

Und auch die Rückstände finden Verwertung. So eignet sich der trockene Presskuchen als Hundeleckerli, wie Laukarts an den eigenen Vierbeinern ausprobiert haben. Die dünnen Pressschlangen sind auch wertvoller Knabberersatz für Chips und Flips. Laukarts haben zudem eine weitere Möglichkeit der Verwertung entdeckt. Sie haben sich eine „Kollergang“, das ist ein Mahlwerk aus Granitsteinen, die sich gegeneinander drehen, und eine Rührschüssel aus Edelstahl angeschafft. In diesem Gerät wird Presskuchen mit den Schwerstoffen aus dem gepressten Öl verrieben und vermischt. „Das ist ein feiner Brotaufstrich“, weiß Antje Laukart aus eigener Erfahrung.

Öl in der Kosmetik? Auch da läuft eine familieninterne Probephase. Beratung wird groß geschrieben. Bei einer Tasse Espresso – die Bohnen stammen von einer Rösterei der Verwandtschaft – informieren Laukarts über ihre Ölmühle, von der sie „in den nächsten zwei, drei Jahren keinen Gewinn“ erwarten.

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