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Dießen

08.04.2018

Es funkt bei den Wasserzählern

Die alte und die neue Technik: In Dießen hat man sich Gedanken über den Einsatz der neuen Funkwasserzähler gemacht. Im Bild von links: Bürgermeister Herbert Kirsch, Wassermeister Michael Deininger und Geschäftsführer Karl Heinz Springer.
Bild: Julian Leitenstorfer

Warum die neue Technik viele Vorteile hat, aber trotzdem beim Datenschutz aneckt. Ein Gespräch mit dem Dießener Wassermeister. Was sagt der Datenschutzbeauftragte?

Wasser bekommen wir täglich – ganz einfach aus der Leitung und wissen das oft nicht zu schätzen. Manchmal – so lesen wir auf Seite 27 – könnte es belastet sein oder verkeimen. Diese Themen sind bekannt, was Wasser mit Strahlenschutz und Datenschutz zu tun hat, darüber wissen nun der Dießener Bürgermeister Herbert Kirsch und Wassermeister Michael Deininger bestens Bescheid (LT berichtete).

Ein Bürger beschwerte sich

In der vergangenen Woche beschwerte sich ein Dießener Bürger über einen „Zwangsanschluss“ an die neuen Funkwasserzähler der Gemeinde. „Ihr Einbau gegen den Willen der Bürger ist rechtswidrig“, sagte er. Er sah große Probleme mit dem Datenschutz. Bei einem Pressegespräch informierten Bürgermeister Kirsch, Geschäftsstellenleiter Karl Heinz Springer und der Wassermeister Deininger über den Hintergrund des Einbaus dieser neuen Wasserzähler. „Wir haben dies nicht willkürlich entschieden, sondern sehr genau überlegt, bis wir diesen Schritt gemacht haben“, sagte Deininger. Die jetzige Technik sei modern, fortschrittlich und „erschien uns als beste Lösung.“ Das in der Trinkwasserverordnung festgeschriebene „Minimierungsgebot“ besage, dass Stoffkonzentrationen im Trinkwasser möglichst gering zu halten sind. Man habe sich deshalb für ein neues System entschieden.

Ein Keim war ein weiterer Auslöser

Auch ein Auslöser der Überlegungen sei die Debatte über die mikrobielle Belastung mancher herkömmlichen Wasserzähler mit einem Keim, dem sogenannten „Pseudomonas aeruginosa“ in Hamburg gewesen. Untersuchungen in einem Zählerlager hätten damals den Verdacht erhärtet, dass sich dieser Keim in einigen der Wasserzähler festgesetzt habe. „Durch die besondere Bauart könne eine Verkeimung bei den Flügelradwasserzählern entstehen“, sagt Deininger. Viele der bis dahin eingesetzten Wasserzähler seien zudem aus Messing gewesen und gaben – natürlich unter dem zulässigen Grenzwert – Blei ab. Auch um diese Stoffe im Trinkwasser gering zu halten, habe man sich zu einem Austausch der Wasserzähler in Dießen entschlossen, so Deininger.

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Ein sicheres System

„Wir wollen ein sicheres System für die Verbraucher und die Gemeinde, das schneller auf Leckstellen aufmerksam macht“, sagte Geschäftsstellenleiter Springer. Die neuen Funkwasserzähler könnten durch ihre Bauweise nicht mehr verkeimen. Doch auch sie sorgen bei einigen Bürger noch für Kritik. Sie sollen Strahlung abgeben und riefen die Datenschützer auf den Plan. In Sachen Strahlung sagt der Wassermeister: „Das System strahlt weniger als jedes Handy.“ Und auch in Sachen Datenschutz sei eine Auslesung kaum möglich, da alle Daten anonymisiert werden.

Wer will, kann die Funkfunktion abstellen lassen

Der Bayerische Datenschutzbeauftragte Dr. Thomas Petri sieht das etwas anders. Der Zähler übermittelt die Daten per Funk. Da ein neues Datenschutzgesetz noch nicht verabschiedet ist, wurde im Landtag beschlossen, dass allen Bürgern ein Widerspruchsrecht gegen den Einbau dieser Zähler zusteht. Allerdings nur den Eigentümern der Häuser, nicht den Mietern. Das werde wohl auch nach der Verabschiedung des Gesetzes so bleiben, sagte Petri. „Wir müssen die Unverletzlichkeit der Wohnung achten, und sie gegen alle Zugriffe von außen schützen.“ Er denkt, dass die Möglichkeit bestehe, diese Daten aus dem Wasserzähler zu hacken. Es bestehe jedoch, so Petri, nur ein Anspruch auf die Abstellung der Funkfunktion, nicht auf den Ausbau des Zählers.

Batterie hält 17 Jahre

In Dießen ist man immer noch dabei, die Zähler auszutauschen. „Wir sind sicher, dieses System hat viele Vorteile. Wer die Funkfunktion des Zählers nicht will, braucht sich nur zu melden, wir schalten sie ab“, betont Kirsch. Ein Zählerwechsel erfolge alle sechs Jahre. „Die Batterie dieser neuen Zähler hält 17 Jahre, damit sehen wir doch schon, dass die Strahlung nicht hoch sein kann“, so Kirsch. Der Einbau der Wasserzähler koste die Bürger nichts. Nur für die Wasseranlage (wenn kein Wasserzählerbügel oder ein Rückflussverhinderer vorhanden sei) müsse der Hauseigentümer zahlen. Das Abschalten der Funkfunktion ist kostenlos.

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