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Finning

23.07.2016

Es geht um mehr als Kuscheltiere

Jede Menge Steiff-Tiere – die mit dem berühmten Knopf im Ohr – sind hier einsortiert. Und am Ende des Regals steht ein Kamel.
2 Bilder
Jede Menge Steiff-Tiere – die mit dem berühmten Knopf im Ohr – sind hier einsortiert. Und am Ende des Regals steht ein Kamel.
Foto: Hannes Rohrer

Junger Fotograf ist für Buch über das Steiff-Werk ausgezeichnet worden. Jetzt will er durchstarten.

Hannes Rohrer hält sein Buch in den Händen. „Steiff Werk Giengen“ ist ein Fotobuch, mit dem er gerade den zweiten Platz beim Förderpreis für junge Buchgestaltung, der Stiftung Buchkunst gewonnen hat. Das 200-seitige Buch ist ungefähr doppelt so dick und schwer wie andere Fotobücher mit ähnlichem Umfang. „Das liegt am Papier“, erklärt der 28-jährige Fotograf aus Finning, „wir haben uns für das besonders feste Papier entschieden, damit man wirklich was in der Hand hat. Es geht ja schließlich um Kuscheltiere. Die will man ja auch greifen können.“

Das Buch, das gleichzeitig Rohrers Bachelorarbeit ist, ist eine Reportage über die Werke der Steiff-Kuscheltiere. „Erst hatte ich die Idee, kleinere Fotos zu verwenden, und dazu einen Text, der das Bild erklärt. Maximilian Schachtner, ein guter Freund und mein Layouter, hat mich aber überzeugt, den Text wegzulassen.“ Jetzt ist das Fotobuch gefüllt mit großen Bildern, die zum Teil ausklappbar sind. Zwei Wochen war Rohrer mit seiner Kamera in dem Werk unterwegs. In der ersten Hälfte machte er die Reportagefotos von den Steiff-Tieren und der Fertigung. In der zweiten schoss er nur Gruppenfotos. „Ich stelle in meinem Buch jede Abteilung der Firma vor, und zu Beginn jeder neuen Abteilung steht ein großes Gruppenbild von allen Mitarbeitern.“ Nach der Zeit in dem Werk waren noch mal etwa zwei Monate Arbeit nötig, bis das Buch druckbereit war. Und die Arbeit hat sich gelohnt: Der zweite Platz der Stiftung Buchkunst und die Abschlussnote Note 1,0 für das Fotobuch sind Roher gewiss.

Der Finninger wusste nicht von Anfang an, wo es hingehen sollte. Nach der Realschule machte er eine Ausbildung als Anlagenmechaniker und Heizungsbauer, danach ging es auf den Sozialzweig der Fachoberschule. „In der Zeit bin ich zum Fotografieren gekommen. Ich habe in einer Tagesstätte für Schwerstdemente gearbeitet. Um das Erlebte besser zu verarbeiten, habe ich angefangen, die Patienten zu porträtieren.“ Nach der FOS war klar, in welche Richtung es gehen soll: Fotografie. „Also habe ich mich bei der Hochschule für Design in München auf ein Studium beworben – und wurde direkt abgelehnt.“ Im folgenden Jahr schlägt sich der angehende Fotograf mit Gelegenheitsjobs durch. Zum Beispiel als Assistent für Fotoproduktionen. So bekommt er Einblicke in die verschiedenen Bereiche der Fotografie und des Films. Im Jahr darauf bewirbt er sich erneut an der Hochschule und wird diesmal angenommen.

„Während des Studiums habe ich weiter als Assistent und Fotograf gearbeitet. Das ging soweit, bis ich so viele Jobs und eigene Projekte hatte, dass ich nur noch nebenbei studierte.“ Mit den Anstellungen hat er die Möglichkeit, zu vergleichen, welche Richtung des Fotografierens ihm am meisten liegt: Es sind ganz klar die Porträtaufnahmen. „Hier hat man die Chance, Randgruppen in den Fokus zu rücken und soziale Kritik zu äußern. Das wäre in den meisten anderen Bereichen wie der Modefotografie unmöglich.“ Rohrer geht es nicht nur um schöne, ausdrucksstarke Bilder, sondern auch um die Geschichte dazu. Seit einiger Zeit arbeitet er mit einer NGO in Rumänien zusammen. „Non-Governmental Organisation“, kurz NGO, bedeutet Nichtregierungsorganisation und kennzeichnet eine private Organisation, die gesellschaftliche Interessen vertritt. Dort dokumentiert Rohrer die Arbeit bei einem Aufbauprojekt. „Als Fotograf kannst du Dinge öffentlich zugänglich machen, die in der Gesellschaft eher verdrängt werden.“

Auch in seinem Buch wird deutlich, dass es Rohrer nicht um schön inszenierte Bilder von Kuscheltieren geht. „Steiff steht für so viele Kindheitsträume. Daher wollte ich versuchen, die Produktion und die dort arbeitenden Leute so nah wie möglich einzufangen, ohne dabei die Vorstellung von dieser Traumfabrik zu zerstören.“

Für den 28-Jährigen endet mit dem Buch nicht nur ein langes Projekt, sondern auch die Zeit an der Uni. Ein reiner Porträtfotograf will er nicht sein. „Ich will immer mal was Neues ausprobieren.“ Aber das kreative Umfeld für den nächsten Schritt steht schon fest. „Ich habe mir mit Freunden ein Gemeinschaftsbüro geschaffen. Da arbeiten vier Grafiker, zwei Programmierer und neben mir noch ein Fotograf zusammen in einem Raum.“ Zuallererst muss er jedoch sein Fotobuch komplett abschließen. Es fehlt nämlich noch ein Verlag, der es nach seinen Vorstellungen drucken will.

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