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Landsberg

29.09.2016

„Es macht Spaß, auch ein bunter Hund zu sein“

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3 Bilder
Zwei Stücke vom Regisseur Andreas Arnstedt sind mit dem Schauspieler Mathieu Carrière in Landsberg zu sehen.
Bild: Frank Beer

Zwei Abende mit Mathieu Carrière und Regisseur Andreas Arnstedt. Der Gewinner beim Snowdance-Regiewettbewerb hat sich einige einfallen lassen für den Schauspieler

In den letzten Jahren machte er mit öffentlichen Provokationen sowie mit Auftritten im Dschungelcamp und einer Tanzshow Schlagzeilen. Doch eigentlich steht Mathieu Carrière auch für das seriöse Metier, spielte an der Seite vieler bekannter Schauspieler in Kino- und Fernsehfilmen. Und auch auf der Theaterbühne ist er immer wieder zu sehen. Jetzt kommt er nach Landsberg. Das Landsberger Tagblatt sprach mit ihm über seine beiden Aufführungen.

Herr Carrière, in Landsberg treten Sie Ende der Woche das erste Mal im Theater auf. Wie kam es dazu?

Carrière: Ich bin seit gut 20 Jahren mit Andreas Arnstedt, dem Autor beider zur Aufführung kommenden Stücke befreundet. Anfang dieses Jahres wurde Arnstedts Satire „Der Kuckuck und der Esel“ auf dem Snwodance Film Festival gezeigt und ausgezeichnet. Damals kam Arnstedt mit dem Indendanten des Stadttheaters ins Gespräch und es wurde vereinbart, zwei Stücke hier zur Aufführung zu bringen. Das ist natürlich sehr schön für uns, da auch in gewisser Weise ein Experiment. „Keine will die Andere sein“ spielen wir in Landsberg zum allerersten Mal vor Publikum.

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Die beiden Stücke von Andreas Arnstadt scheinen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich. „Keine will die Andere“ ein Beziehungsdrama, eher eine Komödie, „F.C.F. -Der Kanzler oder die Göringcollection“ sehr politisch und eher ein ernstes Thema. Was hat Sie bewogen, an zwei hintereinander folgenden Tagen mit so unterschiedlichen Stücken auf die Bühne zu gehen?

Carrière: Beide Stücke haben eines gemeinsam. Es sind Satiren. In „Keine will die Andere sein“ treibt Arnstedt unseren Beziehungsalltag auf die Spitze. Es handelt von Martin, der die Frauen so gut versteht, dass sie sich regelmäßig von ihm trennen, weil sie sein Verständnis nicht mehr ertragen. „F.C.F. - Der Kanzler oder die Göringcollection“ ist ein politisch-paranoider Monolog in dem Friedrich Christian Flick (F.C.F.) erklärt, was er mit seiner Kunstsammlung anstellt. Das Stück handelt von persönlicher Schuld und nationalem Vergessen. Flick kaufte sich Kunst zusammen mit dem Geld seines Großvater, dem größten deutschen Kriegsindustriellen, der in seinen Fabriken während der Nazizeit mehr als 50 000 Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge beschäftigte. Der Zentralrat der Juden sprach sogar von „Blutgeld“, mit dem der junge Flick die Kunst erworben hatte. Arnstedt ist ein großartiger, unabhängiger Filmregisseur und alles, was er macht, hat einen eigentümlichen Biss.

Sie standen einige Jahre auch mehr für das Seichte, haben sich zum Dschungelcamp hinreißen lassen, wirkten in einer RTL-Tanzshow mit. Jetzt sieht man sie wieder mehr auf der Theaterbühne. Was hat Sie bewogen, wieder ins seriösere Metier zu wechseln?

Carrière: Ich habe vier Jahre lang auch Trash-TV gemacht. Das war eine Möglichkeit ein Riesen-Publikum zu erreichen, dem ich Dinge nahelegen konnte, die mir am Herzen liegen. Ich habe aber auch in der Zeit in Italien und Frankreich zahlreiche Filme gedreht, Filme co-produziert, Bücher geschrieben und auch viel Theater gespielt. Ich habe also das sogenannte seriöse Metier nie verlassen. Aber es macht mir eben auch Spaß ein bunter Hund zu sein. Berührungsängste habe ich nie gehabt.

Sie haben beim Bundestagswahlkampf 2009 „Die Linke“ unterstützt, stehen auch für öffentliche Provokationen. Wofür setzen Sie sich angesichts der aktuellen Probleme - Europa- und Flüchtlingskrise - ein?

Carrière: Die Linke unterstütze ich immer noch. Und stehe seit nun mehr 50 Jahren an der Seite der Entrechteten und Geschundenen. Ich kümmere mich um Flüchtlinge und spende viel Geld für Projekte im In-und Ausland. Und ich kämpfe weiter für die Rechte der Kinder,, für eine Reform des Kindschaftsrechtes.. Es gibt in Deutschland etwa sechs Millionen Trennungskinder, von denen gut die Hälfte nach einem Jahr Trennung keinen Kontakt mehr zum ausgegrenzten Elternteil hat. Ich kämpfe für einen gleichwerten Zugang zu beiden Elternteilen, das ist ein Menschenrecht jeden Kindes.

Und Landsberg? Werden Sie länger in der Lechstadt bleiben?

Carrière: Ich war noch nie in Landsberg und bin sehr gespannt. Leider muss ich im Anschluss an die zweite Vorstellung gleich weiter nach Nürnberg und danach geht es nach Frankfurt/Oder. Dort wird gerade ein Film über Flüchtlinge produziert, in dem ich mitwirke.

Termine Wer den Schauspieler live auf der Bühne erleben will, hat am Freitag, 30. September, und am Samstag, 1. Oktober, jeweils ab 20 Uhr die Gelegenheit dazu. Am Freitag mit dem Stück „Keine will die Andere sein“ und am Samstag mit dem satirisch-politischen Monolog „F:CF. – Der Kanzler oder die Göringcollection.

Im Internet

www.stadttheater-landsberg.de

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