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Landsberg

18.01.2019

FDP: Ertls Zeit endet mit einem Paukenschlag

Damals war die Welt noch in Ordnung. Jetzt herrscht dicke Luft beim FDP-Kreisverband Landsberg: Christoph Ertl wurde als Vorsitzender abgewählt. Birgit Kerckhoff (Mitte) wurde zur neuen Vorsitzenden gewählt. Stellvertreterin ist Ulla Schäfer (links).
Foto: Ludwig Herold (Archiv)

Der FDP-Kreisverband Landsberg wählt nicht nur seinen Vorsitzenden ab. Die Gräben bei den Liberalen scheinen tief zu sein, wie die Mitgliederversammlung zeigt.

Irritierte, teils peinlich berührte Mitglieder, ein völlig außer sich geratener Ex-Vorstand und eine neue Führungsriege, die sich über den Amtsantritt gar nicht so recht freuen konnte. Das ist die Bilanz der Mitglieder-Hauptversammlung beim FDP-Kreisverband (KV) Landsberg. Birgit Kerckhoff aus Greifenberg heißt die neue Vorsitzende, die mit ihrer Wahl Christoph Ertl (Rott) ablöst, der das Amt in den vergangenen zwei Jahren innehatte. Mit ihm wurde der gesamte Vorstand ausgetauscht.

„Es hat sich abgezeichnet, dass die Versammlung nicht ganz ruhig ablaufen wird“, sagte die neue Vorsitzende am Tag nach ihrer Wahl gegenüber dem LT. Dass die Situation aber derart eskaliere, damit habe sie nicht gerechnet. Auch der Landsberger Rechtsanwalt Steffen Schmidt-Hug nicht, der wörtlich von einer „peinlichen Veranstaltung“ sprach.

Bei der Landtagswahl eskalierte die Lage

Was war geschehen? In seinem Rechenschaftsbericht ging Kreisvorsitzender Christoph Ertl darauf ein, dass in den vergangenen zwei Jahren der Schuldenstand des Kreisverbandes von rund 4700 Euro nicht nur abgebaut wurde, sondern auch ein Guthaben aufgebaut werden konnte. Detaillierte Zahlen dazu stellte Schatzmeister Andreas Tillmann vor und resümierte: „Wir haben jetzt eine sehr gesunde Liquidität, das hatten wir noch nie.“ Man könne das Jahr 2019 stabil und mit einer sicheren Finanzdecke beginnen. Dem anschließenden Bericht der Kassenprüfung folgte eine Aussprache, bevor sich die zehn stimmberechtigten Mitglieder der Neuwahl ihres Vorstands widmen sollten.

„Es ist ungeheuerlich, wie schlecht wir Kandidaten von Herrn Ertl und dem Vorstand behandelt wurden“, eröffnete Christian Tiedgen aus Fürstenfeldbruck die Debatte. Tiedgen war als Listenkandidat aus Fürstenfeldbruck zur Landtags- und Bezirkstagswahl angetreten. Insgesamt sei der Umgangston „unter aller Sau“ gewesen und man habe nur noch „Stunk gemacht“. Diese Vorwürfe, die auch Ulla Schäfer, Direktkandidatin für den Landkreis Landsberg, bekräftigte, wies der amtierende Schatzmeister Tillmann entschieden zurück. Persönlich habe er, der als Wahlkampfleiter fungierte, intensive Videotrainings gegeben, Vorstellungsreden erarbeitet und Hilfe geleistet, wo es möglich war. Im Gegenzug allerdings seien die Kandidaten nicht zu getroffenen Vereinbarungen gestanden und hätten sich mehrfach im Ton vergriffen. Tillmann sprach gar davon, dass an den KV gerichtete E-Mails mit einem beleidigenden Satz geendet hätten. Daraufhin habe er im September seine Wahlkampfleitung niedergelegt. Ab diesem Zeitpunkt seien die Kandidaten für ihre Wahlkampfarbeit selbst verantwortlich gewesen.

Ein neues Mitglied kann es nicht fassen

Christoph Ertl äußerte sich zunächst gar nicht zu den Anschuldigungen. Hermann Gebel, der als neues Mitglied im KV Landsberg erstmals an einer Versammlung teilnahm, hielt Ertl vor, ein „quasi-Vorsitzender“ zu sein. Denn als Vorsitzender hätte er längst in die unsägliche Debatte eingreifen müssen. „Ich bin entsetzt, miterleben zu müssen, was hier gerade geschieht“, sagte Gebel.

Da er selbst nicht Wahlkampfleiter gewesen und damit nicht unmittelbar in die Vorgänge involviert gewesen sei, wolle er sich dazu nicht äußern, entgegnete Ertl. Laut wurde er erst, nachdem im Anschluss an die hitzige und aggressive Debatte das Ergebnis der Vorstandswahl bekannt wurde. Mit 6:4 Stimmen sprachen sich die Mitglieder für einen Neuanfang im Landsberger Kreisverband aus. Den hatte die 50-jährige Hotelfachfrau Birgit Kerckhoff in ihrer Vorstellung versprochen.

Kaum waren die Zahlen ausgesprochen, stand Christoph Ertl auf, legte seinen Mitgliedsausweis auf den Tisch und verließ gemeinsam mit seiner Frau die Versammlung mit den Worten: „Dann bin ich jetzt weg vom Fenster. Ich trete aus der Partei aus.“ Beschwichtigungsversuche seiner Vorstandskollegen, zu bleiben und die Vorstandswahlen geordnet zu Ende zu führen, nutzten nichts. „In diesem Moment hat er seine eigenen Verdienste vernichtet“, raunte es durch die Versammlung. Ohne Ertl wurden die weiteren Mitglieder gewählt: Stellvertretende Vorsitzende und Schriftführerin ist Ulla Schäfer aus Landsberg, neuer Schatzmeister Artur Riedmann aus Riederau. Die Funktion des Beisitzers haben Martin Vesterling aus Utting und Hermann Gebel aus Dießen.

Der Kreisverband hat 23 Mitglieder

Der neue Vorstand tat sich schwer, seinen Erfolg zu genießen. Nicht nur die heftigen Streitereien, sondern auch die Frage Tillmanns an die neue Vorsitzende, wo sie die Kompetenz hernehmen wolle, einen Kreisverband zu führen, hinterließen einen faden Beigeschmack. Da half es auch nicht viel, dass Kerckhoff in ihrem Schlusswort darauf hinwies, dass ausgerechnet an dem Tag, an dem im Bundestag 100 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert würden, der FDP-KV in Landsberg von einer Frau in die Zukunft geführt werde. Für die Zukunft wünsche sie sich, dass wieder Ruhe in den 23 Mitglieder zählenden Verband einkehre und die Zusammenarbeit mit den Nachbarverbänden positiv und zielführend gestaltet werden könne.

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01.02.2019

interessantes Demokratieverständnis eine Wahl so anzuerkennen

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