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Prozess

14.09.2019

Fahrerflucht und falsche Titel werden teuer

Ex-Rechtsanwalt wehrt sich gegen Strafbefehl. Vor Gericht kommt er damit nicht durch

Mit seinem Einspruch gegen einen Strafbefehl in Höhe von 9000 Euro – 90 Tagessätze zu je 100 Euro – kam ein 69-jähriger Ex-Anwalt vor dem Landsberger Amtsgericht nicht durch. Nach dem Urteil von Richter Michael Eberle wurde die Sache für den Mann, dem Fahrerflucht und Missbrauch von Berufsbezeichnungen vorgeworfen wurde, sogar noch etwas teurer. Auch auf seinen Führerschein muss der Mann weiter verzichten.

Ausgangspunkt der Gerichtsverhandlung war ein Verkehrsunfall im Februar: Da krachte es an der Einmündung der Carl-Friedrich-Benz- in die Augsburger Straße in Landsberg, und zwar dort, wo der grüne Pfeil das Abbiegen nach rechts in die vorfahrtsberechtigte Straße erlaubt, wenn es der Verkehr zulässt. Das war aber nicht der Fall. So musste ein 36-jähriger Pkw-Lenker beim Abbiegen plötzlich abbremsen und sein „Hintermann“, der Angeklagte, auch. Der fuhr auf die Stoßstange auf und verursachte einen Sachschaden von 3500 Euro. Der Schaden wurde zwar von der Versicherung übernommen. Trotzdem ärgerte sich der 36-Jährige maßlos. Denn der Mann, der gegen seinen Pkw geraten war, beschimpfte ihn als den „schlechtesten Autofahrer Landsbergs“. So schildert es der 36-Jährige vor Gericht: Er habe sein Autofenster heruntergekurbelt, seinen Namen aber nicht genannt und sei dann einfach davongefahren.

Der 69-Jährige erzählte etwas ganz anderes zu seiner „angeblichen Fahrerflucht“. Er sei sehr wohl aus dem Fahrzeug gestiegen und habe sich vorgestellt. Als er bemerkt habe, dass der Zucker bei ihm „in den Keller geht“, sei er flugs nach Hause gefahren, um sich Glukose zuzuführen, so der Ex-Anwalt. Das Zuckermessgerät hatte der Mann im Gerichtssaal dabei. Von zu Hause rief er die Polizei an und kehrte dann an die Einmündung mit dem „Grünen Pfeil“ zurück.

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Dort gab es für ihn eine schlechte Nachricht: Denn der ermittelnde Polizeibeamte sagte dem Mann, dass es sich um eine Fahrerflucht handele. Denn etwas zu essen hätte er sich noch schneller als zuhause in einer Tankstelle oder einem Supermarkt in der Nähe besorgen können.

Richter Eberle wunderte sich, dass der Angeklagte in seinem unterzuckerten Zustand noch durch die Stadt gefahren ist. Das sei doch die absolut falsche Entscheidung gewesen, stellte der Richter fest. Staatsanwalt Daniel Kuwalig stellte sich die Frage, ob nicht ein Verfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs in die Wege geleitet werden müsse.

Angelastet wurde dem 69-Jährigen auch der Missbrauch von Berufsbezeichnungen. Diesen Stein hatte ein Anwalt aus München ins Rollen gebracht. Demnach hatte der 69-Jährige in mehreren E-Mails an ihn in seiner Signatur die Berufsbezeichnungen Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und vereidigter Buchprüfer verwendet: Das geschah, als er die Zulassungen als Steuerberater und Buchprüfer 2014 längst zurückgegeben hatte. Richter Eberle sagte dazu: „Der Angeklagte hat die Titel als Trümpfe ins Feld geführt, um sein Gegenüber zu beeindrucken.“

Der 69-Jährige wurde zu 10800 Euro Geldstrafe verurteilt, 1800 Euro mehr als der Strafbefehl vorgesehen hatte. Seinen Führerschein bekommt er erst in acht Monaten wieder.

Gegen die Bestrafung kann er Widerspruch beim Landgericht Augsburg einlegen. (eh)

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