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Kaufering/München

22.09.2020

Falsche Atteste? Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt Kron

Bei der „Querdenker“-Demo auf der Münchner Theresienwiese sollte der Kauferinger Arzt Rolf Kron auftreten. Doch er wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen.
Bild: Valentin Gensch, dpa

Plus Auf einer „Querdenker“-Demo in München soll Rolf Kron falsche Masken-Befreiungsatteste ausgestellt haben. Die Polizei nimmt ihn in Gewahrsam. Was der Kauferinger Arzt dazu sagt.

Erst kürzlich sorgte ein Video des Kauferinger Arztes Rolf Kron für Aufsehen. Mit seinem Sohn auf den Schultern kam er während einer Corona-Kundgebung in Berlin einem Polizisten zu nahe und wurde von dem Beamten zweimal zurückgestoßen. Im Internet wurde der Vorwurf laut, Kron habe seinen Sohn als „menschliches Schutzschild“ benutzt. Sogar das Jugendamt schaltete sich ein. Nun gibt es erneut Wirbel um den 57-Jährigen. Wie Kron auf Nachfrage des Landsberger Tagblatts bestätigt, wurde er während einer „Querdenken“-Demo in München vor eineinhalb Wochen von der Polizei in Gewahrsam genommen. Der Vorwurf: Kron soll in der Landeshauptstadt falsche Atteste ausgestellt haben, die von der Maskenpflicht befreien.

Der Demonstrationszug am 12. September in München sei genehmigt gewesen, sagt Rolf Kron dem LT. „Man hat uns allerdings strenge Auflagen erteilt, die wir auch eingehalten haben.“ Viele der 500 Teilnehmer, die von der Innenstadt in Fünferreihen zur Theresienwiese ziehen wollten, hätten Maske getragen. „Die Polizei hat uns trotzdem in derselben Manier wie in Berlin aufgehalten.“ Einige Maskenträger hätten in sengender Hitze mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt. Kron habe deshalb angeboten, ihnen Atteste auszustellen, die sie von der Maskenpflicht befreien. Das sei ein legitimes Vorgehen, so der Arzt, der seit 1996 in Kaufering eine Praxis betreibt und dort eigenen Angaben zufolge Menschen mit Impfschäden behandelt. „Ich bin immer als Arzt unterwegs. Wenn jemand ohnmächtig auf der Straße liegt, helfe ich ja auch.“ Danach habe sich Kron mit einigen weiteren Demonstranten auf den Weg zur Theresienwiese gemacht, wo er als Redner auftreten sollte. Auf dem Odeonsplatz sei er jedoch von der Polizei aufgehalten und abgeführt worden.

Der Kauferinger Arzt Rolf Kron.
Bild: Julian Leitenstorfer

Kron: Drei Stunden "wie ein Terrorist" gefilzt

Drei Stunden sei er „wie ein Terrorist“ gefilzt worden. „Sie haben meine Fingerabdrücke genommen, ich musste mich ausziehen und sie haben mich von oben bis unten abgetastet. Es war grausig.“ Für die Kundgebung auf der Theresienwiese hätten ihm die Polizisten einen Platzverweis erteilt.

Ein Mitarbeiter der Pressestelle der Polizei München bestätigt den Vorfall auf LT-Nachfrage, nennt jedoch keinen Namen. Ein Arzt sei am 12. September gegen 13.30 Uhr kontrolliert und in Gewahrsam genommen worden, um seine Identität festzustellen. Grund für die polizeiliche Maßnahme sei der Verdacht gewesen, dass der Mediziner „unrichtige Gesundheitszeugnisse“ ausgestellt habe. Die weiteren Ermittlungen habe die Kriminalpolizei übernommen.

Kauferinger Arzt Kron rechnet mit Razzia

Wie Rolf Kron selbst sagt, rechne er in seiner Praxis mittlerweile jeden Tag mit einer Razzia. Deutschland bewege sich generell auf das „dunkelste Kapitel“ seiner Geschichte zu. „Was bei uns gerade vorherrscht, ist tiefster Faschismus.“ Erst kürzlich rief ihn nach eigener Aussage sogar eine Amtsrichterin an, um ihn zu einem Masken-Befreiungsattest einer seiner Patienten zu befragen. „Ich bin mir vorgekommen wie bei der versteckten Kamera. Die Frau wollte mich zu einem Verstoß gegen meine Schweigepflicht verleiten.“ Er selbst habe bereits „einige Hundert“ Masken-Befreiungsatteste ausgestellt. Dabei gehe er nach den herkömmlichen medizinischen Kriterien vor. „Wenn jemand wegen der Maske Schmerzen oder Atemprobleme hat, bekommt er ein Attest.“

Bei Demo-Auftritten in Augsburg und Berlin hat er nach eigenen Angaben allerdings bereits betont, dass alle Buben und Mädchen hierzulande ein Attest von ihm bekommen würden. „Die Maskenpflicht ist Vergewaltigung an unseren Kindern“, sagt er. Kron beschreibt sich selbst als kinderliebend und kinderschützend. Die heftigen Vorwürfe gegen seine Person nach dem Vorfall während der Corona-Demo Ende August in Berlin, als er mit seinem siebenjährigen Sohn auf den Schultern einem Polizisten zu nahe kam und weggestoßen wurde, habe ihn deswegen fassungslos gemacht. Wie Kron im Gespräch mit unserer Redaktion sagt, würden dem Landsberger Jugendamt zig E-Mails vorliegen, die den 57-Jährigen des Kindesmissbrauchs bezichtigten. Mittlerweile habe die Behörde ihre Untersuchungen jedoch eingestellt: „Uns wurde mitgeteilt, dass sie sich mit ernsteren Fällen beschäftigen müssen.“

Jugendamt hat Untersuchung offenbar eingestellt

Das Landratsamt Landsberg wollte sich am Dienstag aus Datenschutzgründen auf Nachfrage unserer Redaktion nicht zu dem Fall äußern. Kron prüfe mittlerweile mit seinem Anwalt rechtliche Schritte, denn sein Ruf sei in der Region zerstört. Gegen wen er konkret vorgehen wolle, wisse er aber noch nicht. „Irgendjemand muss dafür aufkommen“, sagt Kron. In seiner Praxis hätten viele Patienten Termine abgesagt – allerdings bekomme er das kaum zu spüren. „Ich habe eine Warteliste, die bis ins nächste Jahr reicht.“ Dem Polizeibeamten, der ihn in dem Video auf der Demo in Berlin zweimal zurückstößt, hatte Rolf Kron die Chance eingeräumt, sich bei ihm zu entschuldigen. Dazu sei es jedoch nicht gekommen. „Inzwischen habe ich Strafanzeige gegen ihn gestellt“, sagt Kron. Zudem wolle er Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Nötigung einreichen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Angst? Eher Vorsicht wegen der Aussagen des Maskengegners

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