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Landsberg

07.07.2020

Falsche Sprachtests: Was das Landratsamt Landsberg dazu sagt

Das Amt für Integration, Ausländerbehörde und Asylangelegenheiten befindet sich in einer Außenstelle des Landratsamts.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Eine Bande legt für Ausländer Sprachtests ab. Auch die Landsberger Ausländerbehörde wird getäuscht.

Wie kann es sein, dass jemand möglicherweise gar nicht die in einem Zertifikat nachgewiesenen Sprachkenntnisse besitzt, und dennoch eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland erhalten hat? Diese Frage stellen sich derzeit auch die Mitarbeiter der Ausländerbehörde am Landratsamt in Landsberg, nachdem bei einem Prozess in München bekannt wurde, dass genau das im August 2018 passiert ist.

Vor dem Landgericht München I muss sich derzeit ein 36-jähriger Mann aus dem Landkreis Landsberg wegen gewerbs- und bandenmäßiger Einschleusung von Ausländern und Urkundenfälschung verantworten. Er soll unter anderem organisiert haben, dass ein 32-jähriger Mann aus München im August 2018 für einen 47-jährigen Kosovaren in einer Sprachenschule in Weilheim einen Test abgelegt hat. Dazu hatte ihm der Mann vom Ammersee den Pass des Kosovaren verschafft, den der 32-Jährige mit einem Bild von sich überklebte. Der Kosovare hatte dafür dem Hauptangeklagten aus dem Landkreis 2500 Euro bezahlt.

Nach dem bestandenen Test legte der Kosovare sein Zertifikat in der Ausländerbehörde im Landsberger Landratsamt vor. Daraufhin wurde seine Aufenthaltserlaubnis um drei Jahre verlängert. Der Angeklagte soll organisiert haben, dass weitere Männer und eine Frau für Ausländer gegen Bezahlung Sprach- und Integrationstests abgelegt haben.

Drei weitere Fälle sind bekannt

Am Landratsamt in Landsberg sind drei weitere Fälle dieser Art bekannt. Bei den Personen, die auf diese Weise eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten wollten, handle es sich um Kosovaren, sagt Pressesprecher Wolfgang Müller. Im Schnitt würden im Landkreis pro Jahr rund 1400 Personen einen Aufenthaltstitel beantragen. Die Aufenthaltsgenehmigung sei befristet und müsse regelmäßig erneuert werden. Um sie erstmalig zu erhalten, müssten Ausländer aus Nicht-EU-Staaten nachweisen, dass sie eine feste Arbeitsstelle und ausreichend Wohnraum haben. Zudem müssten sie einen Sprachtest absolvieren.

Wie Wolfgang Müller sagt, werden diese Sprachtests nicht im Landratsamt durchgeführt, sondern von Partnern wie den Volkshochschulen oder der Kolping Akademie. „Wir haben da keinen Zugriff“, sagt der Pressesprecher im Hinblick auf die Urkundenfälschungen. Werde der Antrag in der Ausländerbehörde des Landratsamts gestellt, werde lediglich geprüft, ob ein entsprechendes Zertifikat vorliegt und alle weiteren Voraussetzungen erfüllt sind. „Ein langes Gespräch findet nicht statt“, so Müller.

War der Sprachtest überhaupt notwendig?

Was passiert nun mit den vier Kosovaren, die sich über den Angeklagten ein Zertifikat besorgt haben? Das ist laut Pressesprecher Müller noch offen. Denn alle vier Betroffenen hätten bereits eine Daueraufenthaltsgenehmigung aus einem EU-Drittland vorgewiesen, als sie ihren Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung gestellt hatten. Es sei daher erst rechtlich zu klären, ob dann überhaupt ein Sprachtest notwendig gewesen wäre. Es sei daher fraglich, ob das Landratsamt in diesem Fall den Aufenthaltstitel nachträglich verweigern kann.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Gefälschte Sprachtests und die Macht des Zertifikats

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