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Obermeitingen

02.04.2019

Familie König und die Invasion der Tauben

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3 Bilder
Ivonne König aus Obermeitingen und ihre Nachbarn sind genervt von dem vielen Dreck und Kot, den die Tauben bei ihnen hinterlassen. Seit zwei Jahren kämpfen die Anwohner um eine Lösung.
Bild: Thorsten Jordan

Nach den Krähen sorgen die Tauben für Ärger: Ivonne König ist mit ihrer Familie wegen der Vögel schon innerhalb von Obermeitingen umgezogen. Warum eine Lösung so schwierig ist.

Ivonne König und ihre Nachbarn sind genervt und ratlos. Grund sind die Tauben, die sich bei ihnen in der Zugspitzstraße angesiedelt haben. „Unser Wohnquartier hat das Problem seit zwei Jahren und es wird immer schlimmer, weil sich die Tauben vermehren. Die Haustür und die Treppe sind fast immer dreckig vom Kot der Tauben. Es muss dringend etwas passieren“, sagt die Mutter eines 17 Monate alten Buben. Die Eltern – in der Nachbarschaft leben weitere Kleinkinder – müssten ständig aufpassen, dass der Nachwuchs den Kot der Tauben nicht aufsammele oder gar in den Mund nehme.

Die Probleme sind auch darauf zurückzuführen, dass die Königs eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach haben. Darunter nisteten sich die Tauben ein. Zwar wurde die Anlage derweil abgedichtet, sodass die Vögel nicht mehr darunter nisten können, geblieben sind die Vögel dennoch und haben sich Alternativen gesucht.

Ein teures Gerät brachte nichts

Ivonne König hat schon viel versucht, um die Tiere zu vertreiben, sagt sie. Unter anderem hat sie für 120 Euro ein Gerät angeschafft, das mittels eines sehr unangenehmen Geräuschs die Tauben vertreiben sollte, doch der Erfolg blieb aus. Eine Option kommt für sie aber nicht infrage: Stacheldraht auf den Fensterbrettern anbringen. Die Tauben würden trotzdem ihren Kot hinterlassen und sie könne die Fensterbank nicht mehr richtig putzen, argumentiert sie.

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An die Gemeinde und das Landratsamt hat sich die Obermeitingerin auch schon vor Längerem gewandt, getan habe sich aber bislang nichts. „Wir haben Fotos beigelegt. Darauf ist das Ausmaß zu sehen. Auf einem Dach sitzen 52 Tauben.“ Obermeitingens Bürgermeister Erwin Losert bestätigt auf Nachfrage des LT, dass das Problem bekannt ist. Auch ein Mietshaus der Gemeinde sei betroffen. Dort ist ebenfalls eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach montiert. Diese sei mit einem Lochblech geschlossen worden.

Die Tiere dürfen nicht gejagt werden

Die Möglichkeiten, die Vögel zu vertreiben, seien durch den Gesetzgeber aber stark eingeschränkt, sagen Losert und das Landratsamt. Laut Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamtes, stehen die Tauben unter besonderem Schutz – wie alle europäischen, heimischen Vogelarten. Deswegen sei es verboten, Nester zu entnehmen, die Tiere zu jagen, zu verletzten oder gar zu töten. „Die einzige Option ist, die Tauben zu vergrämen“, so Müller.

Was im Fall von Ivonne König besonders bitter ist: Die Familie ist innerhalb von Obermeitingen schon einmal umgezogen. „Wir haben vorher in der Nähe des Sportplatzes gelebt. Der Lärm und Dreck durch die Saatkrähen war aber nicht mehr auszuhalten, weswegen wir das Haus verkauft haben.“ Auch dieses Problem bestehe nach wie vor, informiert Bürgermeister Losert. Rund 600 Brutpaare lebten im Wald nahe des Sportplatzes. „Der Lärm beginnt morgens um 4 Uhr und es gibt erhebliche Probleme mit der Verschmutzung von Spielplätzen und Terrassen durch die Saatkrähen“, so Losert.

Lesen Sie dazu auch: Sollen Greifvögel die Krähen vergrämen?

Das Thema sorgt in Obermeitingen schon lange für Ärger. Im Jahr 2007 hatten Helfer des SSV Obermeitingen über 30 Bäume abgeholzt, in denen über 100 Saatkrähen brüteten. Einige Jungtiere starben, andere wurden zu Privatpersonen in Pflege gegeben. Ein Teil der Fläche musste auf Anordnung des Landratsamtes wieder aufgeforstet werden.

Das Problem beschäftigt Gemeinde und Anwohner schon seit Jahren

Keinen nennenswerten Erfolg brachte auch eine genehmigte Aktion vor gut neun Jahren. Damals wurde ein Sicherheitsabstand für die Anwohner der Lohwald-Siedlung geschaffen. Zwischen Wald und Wohnhäusern wurden auf einem Landschaftsstreifen mit zehn Metern Breite Bäume gefällt. Die Gemeinde hatte das Grundstück eigens dafür von einem Landwirt gekauft.

Bürgermeister Erwin Losert sieht nur eine Chance, das Problem in den Griff zu bekommen. Die Obere Naturschutzbehörde müsse erlauben, dass die Vögel dezimiert werden dürfen. „Ich habe allerdings nicht viel Hoffnung, dass das passieren wird.“

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