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Landsberg

05.07.2019

Familienstreit vor Gericht: Sohn beißt seinen Vater

Ein Familienstreit war jetzt Thema am Amtsgericht in Landsberg.
Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa

Die Streitereien einer Familie aus dem Landkreis Landsberg landen jetzt vor Gericht. Was dem Angeklagten noch vorgeworfen wird.

Die jahrelangen, heftigen Streitereien innerhalb einer Landwirtsfamilie aus dem mittleren Landkreis waren jetzt Thema einer Verhandlung am Amtsgericht in Landsberg. Auf der Anklagebank saß der 42-jährige Sohn der Familie. Richter Alexander Kessler verhängte wegen gefährlicher und einfacher Körperverletzung sieben Monate Haft, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Darüber hinaus muss der Angeklagte 2000 Euro an den Hospiz- und Palliativverein Landsberg entrichten.

Wäre es nach Verteidiger Peter Amend gegangen, hätte bei seinem Mandanten für die Delikte im Mai und Juli 2018 eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 20 bis 30 Tagessätzen zu je 30 Euro ausgereicht. Alexander Kessler und Staatsanwältin Andrea Hobert machten hierbei nicht mit. Hobert plädierte für acht Monate Haft auf Bewährung und 2000 Euro an eine soziale Einrichtung.

Bei Arbeitsunfall vier Finger verloren

Der Angeklagte hatte im November 2013 bei einem Arbeitsunfall auf dem landwirtschaftlichen Anwesen seiner Eltern, die heute beide 64 Jahre alt sind, vier Finger seiner linken Hand verloren. Und seither wohl nie ein Hehl daraus gemacht, dass sein Vater eine gewisse Mitverantwortung an dem Unfall gehabt haben soll. Seines Erachtens habe sich die übrige Familie nie nennenswert darum gekümmert. Bis Anfang 2018 habe er am Hof der Eltern mitgearbeitet, sagte der 42-Jährige. Spannungen und Auseinandersetzungen mit den Eltern und dem fünf Jahre jüngeren Bruder, 37, soll es vor allem seit 2015 gegeben haben.

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Eskaliert sei der Streit im vergangenen Jahr, als der 42-jährige Sohn ausgerastet sei, weil er annahm, dass der Vater ein Grundstück verpachtet hat. Er soll ihm ein Desinfektionsmittel, das für die Kühe im Stall (Euter) gebraucht wird, ins Gesicht geschleudert haben. „Diese Flüssigkeit ist für Mensch und Tier ungefährlich“, sagte der Beschuldigte in der Verhandlung. Der Vater sagte, dass ihn sein Sohn in den Schwitzkasten genommen und in den linken Daumen gebissen haben soll. Die Wunde habe geeitert. Drei Wochen habe er damit Probleme gehabt.

Wem gehört die Heupresse?

Beim zweiten Vorfall soll der Angeklagte von seiner Mutter verlangt haben, dass ihm eine Heupresse zurück gibt. Die Mutter weigerte sich aber, da sie sich nicht im Klaren war, wem die Presse gehört. Es kam zum Streit und der Sohn rief die Polizei. Da die Mutter beim Telefonat dauernd dazwischen gequatscht haben soll, habe er sie gegen eine Kommode geschubst. Das räumte der Angeklagte ein. Die Frau sei an einem spitzen Gegenstand hängen geblieben und habe sehr stark am Unterarm geblutet. Ihr Sohn habe ihr jedoch nicht geholfen. Dafür wurde er vom Richter und von der Staatsanwältin massiv gescholten.

Die Polizei ist immer wieder vor Ort

Alexander Kessler und Andrea Horbert hoffen, dass sich die vier Familienmitglieder nach der Verhandlung doch noch zusammenraufen. Denn Kessler zufolge könne nicht nur einer Schuld sein an der „total zerfahrenen“ Situation, sondern alle. Wie ein Polizist als Zeuge sagte, werden er und seine Kollegen immer wieder zu der Familie gerufen: „Dauernd gibt es irgendwelche Streitigkeiten.“ Die Eigentumsverhältnisse auf dem Hofes – es geht um einen Streitwert von etwa 30000 Euro – sind zudem im August Gegenstand eines Zivilverfahrens beim Landgericht in Augsburg.

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