Newsticker
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Impfung mit AstraZeneca erhalten
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Felix von Scheffer aus Dießen schafft Orte der Fantasie

Dießen

08.04.2021

Felix von Scheffer aus Dießen schafft Orte der Fantasie

Der Dießener Felix von Scheffer arbeitet gerne in luftiger Höhe.
Foto: Uschi Nagl

Plus Der Baumhausbauer Felix von Scheffer aus Dießen erfüllt großen und vor allem kleinen Kunden besondere Träume. Neben Spiel und Spaß rückt er auch ein eher ungewöhnliches Thema in luftige Höhen.

Baumhäuser sind Orte der Fantasie. Da ist sich Felix von Scheffer sicher. Schon als Kind hat sich der 34-jährige Dießener stets gefragt, warum die Menschen ihre Häuser unten auf der Erde bauen, anstatt sie in luftiger Höhe zwischen den Ästen zu platzieren. Heute baut er Baumhäuser für kleine Leute, die hoch hinauswollen – und für deren Eltern.

Jetzt ist er da, der Frühling, (auch wenn er diese Woche eine kurze Pause einlegt), und was wäre schöner, als einmal kurz durch den Garten zu gehen, um dann den Boden der Tatsachen zu verlassen, in eine andere Welt in luftiger Höhe hinaufzuklettern, die Aussicht zu genießen, zu lesen oder zu träumen.

Zwischen den Ästen schweben

Ein Traum, den sich Familie Ferstl in St. Alban verwirklicht hat. Gemeinsam mit dem Baumhausbauer Felix von Scheffer aus Dießen bauten die Münchner, die in St. Alban ein Wochenendhaus besitzen, vergangenen Herbst ein schönes Baumhaus in ihre großen Birken. In fünf Metern Höhe scheint das kleine Bauwerk zwischen den Ästen zu schweben. Dort ist nun der Lieblingsplatz von Toni (8), und auch seine Eltern, Andreas und Sylvie, klettern ab und zu mal mit einem Glas Wein oder einem guten Buch hinauf, um den wundervollen Blick über St. Alban und den Ammersee zu genießen und sich dabei wie im Urlaub zu fühlen. Die Vögel zwitschern, die Palmkätzchen blühen direkt nebenan und die ersten Bienen summen fleißig umher.

Felix von Scheffer ist Baumhausbauer. Der Dießener denkt sogar über Baumhäuser nach, die auch als Büro genutzt werden können.
Foto: Uschi Nagl

Schaut man genau hin, erkennt man schnell, dass die auf den ersten Blick so filigran wirkende Baumhauskonstruktion durchdacht und stabil ist. Das Baumhaus wurde, mit viel Liebe zum Detail, aus hochwertigem Lärchenholz gefertigt. Hinauf auf die Terrasse, die das hübsche Häuschen mit dem Satteldach an drei Seiten umgibt, geht es über eine stabile Leiter. Die nördliche Hausseite ist verglast. Dafür hat Felix von Scheffer ein schönes altes Kastenfenster aus einem Abbruchhaus verwendet. Verglast ist auch die östliche Giebelseite unter dem Dach, um auch von innen Seeblick zu ermöglichen.

Gut geschützt bei Wind und Wetter

Das Dach ist wasserdicht und mit eigens gefertigten Holzschindeln gedeckt. Man kann es sich dort oben also auch bei Wind und Wetter bequem machen. Den First verschönert beidseitig eine liebevoll gefertigte Zierblende. Zwischen dem hölzernen Handlauf des Geländers und dessen Sockel wurde ein Seil verspannt, das der gesamten Konstruktion zusätzlich Leichtigkeit verleiht.

Getragen wird das Häuschen von zwei stattlichen Birken und von zwei Holzstützen, außerdem sind die Bäume und das Haus durch zwei, für Bäume gut verträgliche, spezielle Baumschrauben verbunden, die sogar ein leichtes Mitschwingen der gesamten Konstruktion bei windigem Wetter ermöglichen.

Kein Baum darf verletzt werden

Vor jeder Planung bespricht sich Baumhausbauer Felix von Scheffer mit einem Baumpfleger: „Ist der Baum geeignet, gesund und ausgewachsen? Wo können wir das Baumhaus platzieren, ohne den Baum zu verletzen? Das sind die wichtigsten Fragen, bevor es losgeht“, erklärt von Scheffer. Dann bringt er gemeinsam mit seinen Auftraggebern erste Ideen zu Papier. Ganz besonders zählt dabei die Stimme der Kinder.

Toni und Andreas Ferstl genießen in Dießen/St. Alban nach der Fertigstellung ihres Baumhauses im Herbst 2020 die Aussicht.
Foto: Felix von Scheffer

Auch beim Bau dürfen sich die Kunden beteiligen. „Das verbindet und es entsteht eine enge Beziehung untereinander, zum Baum und zum Baumhaus“, weiß Scheffer, der seine kreative, gestalterische Tätigkeit unter freiem Himmel liebt.

Im Anschluss an sein Bachelor-Studium im Fach „International Development“ hat er ein eigenes Gewerbe gegründet. Einige Jahre plante und baute er Tiny Houses und arbeitete projektbezogen mit etablierten Baumhausbauern zusammen. Dabei habe er sogar gelernt, wie man Baumhaushotels in hohen Höhen baut – kein Problem für den versierten Baumkletterer.

Ein Büro im Baumhaus

„Eine spezielle, zertifizierte Ausbildung zum Baumhausbauer gibt es allerdings noch nicht“, sagt Scheffer. Das Interesse an Baumhäusern nehme jedoch zu, und der junge Unternehmer freut sich, dass er derzeit mehrere Anfragen und konkrete Aufträge hat. In Dießen gestaltet er aktuell ein Abenteuerbaumhaus mit einer Hängebrücke, die sich von Baumwipfel zu Baumwipfel schwingt, und in Beuern bei Greifenberg ein Gartenhäuschen mit Baumterrasse. „Vielleicht kommen ja bald die ersten Anfragen zum Thema Baumhaus-Office“, meint er optimistisch.

Auch im öffentlichen Bereich war der junge Familienvater schon aktiv. Er hat Spielplätze mitgestaltet und Spielhäuser gebaut, zum Beispiel für die Friedel-Eder-Förderschule in München und für den Kindergarten in Schondorf. „Dabei muss man sich natürlich sehr genau an DIN-Normen halten. Es ist wichtig, dass die Kinder sich nicht verletzen können.“

Diese Erfahrungen nimmt Felix von Scheffer auch mit, wenn er Baumhäuser in privaten Gärten baut. „Allerdings hat man hier größere Freiheiten. Man kann spielerisch arbeiten und der Fantasie freien Lauf lassen – solange man sich an die Bayerische Bauordnung hält.“ Wichtig sei, so von Scheffer, dass ein Baumhaus die Fläche und Kubatur, die auch für ein genehmigungsfreies Nebengebäude, zum Beispiel für ein Gartenhaus gilt, nicht überschreite. „Und selbstverständlich sollten sich die Nachbarn nicht gestört fühlen. Mit ihnen sollte man sprechen, bevor man ein Baumhaus plant und baut“, sagt er.

Der Rohstoff kommt aus der Region

Felix von Scheffer verwendet ausschließlich unbehandeltes Holz aus der Region, dass er bei Sägewerken in der Umgebung einkauft. „Holz ist ein nachwachsender Rohstoff mit einer guten Klimabilanz“, betont er. Und irgendwann könnte sein Traum, dass auch erwachsene Menschen in den Bäumen wohnen, anstatt sie zu fällen, vielleicht sogar wahr werden, meint er. Optimistisch blickt er dabei nach München, wo an der Technischen Universität unter der Leitung des Architekten und Baubotanikers, Professor Ferdinand Ludwig, der Lehrstuhl für Green Technologies von sich reden macht. Dort werden – wie Felix von Scheffer erzählt – architektonische Konzepte erforscht, bei denen Pflanzen, insbesondere Bäume, als konstruktive und gestalterische Elemente für eine klimafreundliche Architektur eine zentrale Rolle spielen.

Lesen Sie dazu auch:



Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren